Dienstag , 27. September 2016
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Kritik an der „sanften Erpressung“

ahe Lüneburg. Was für die Einen eine „sanfte Erpressung“ ist, bewerten die Anderen als sorgsamen Umgang mit öffentlichem Geld. Dabei geht es um die Frage, wie sich der Schulträger gegenüber einer Schule verhalten sollte, wenn die dem politischen Willen nicht oder zumindest nicht so schnell folgen mag, wie der Schulträger das gerne hätte. Im Detail heißt das: Ist es anständig oder womöglich sogar verantwortungsbewusst, einer Schule notwendige Sanierungen im Gebäude so lange zu verweigern, bis die Schule ihr Ganztagsschulkonzept vorgelegt hat? Im Schulausschuss des Rates wurde darüber nun diskutiert – ohne eine Entscheidung zu treffen.

Konkret geht es um die Schule Lüne. „Die ist in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden“, findet Dr. Gerhard Scharf (CDU). „Wo man hinguckt und hinfasst, erkennt man Sanierungsbedarf.“ Er vermisse ein langfristiges Konzept der Verwaltung, die sich „dringend mit der Schulleitung und den Eltern zusammensetzen“ müsse.

Der Erste Stadtrat Peter Koch erkennt ebenfalls Nachholbedarf, was den Zustand des Gebäudes angeht, sieht er die Verantwortung dafür aber nicht in erster Linie bei der Stadt. „Die Schule hat sich selbst ein wenig vernachlässigt.“ Er verwies auf den Ratsbeschluss, demzufolge alle Lüneburger Grundschulen Ganztagsschulen werden sollen. So weit sei Lüne noch nicht. „Es gab in den vergangenen Jahren Schulen, in denen die Innovationsfreude nicht ganz so ausgeprägt war.“ Mehrfach sei die Verwaltung in Lüne gewesen, doch der damalige Rektor habe sich nicht bewegt. „Obwohl auch Eltern die Ganztagsschule damals schon wollten. Aber erst der Schulleiterwechsel hat Bewegung gebracht.“ Thomas Wiebe, Bereichsleiter Bildung bei der Stadt, ergänzte: „Es gab in Lüne durch den Auszug der Außenstelle des Johanneums eine große Chance, sich auf den Weg zur Ganztagsschule zu machen, die aber hat die damalige Schulleitung nicht genutzt.“

Inzwischen gibt es mit Stefan Pleß einen neuen Rektor – und mit ihm auch die gewünschte Bewegung, wie nicht nur die Stadt findet. Stephan Seeger, Elternvertreter im Ausschuss und an der Schule Lüne, sagte: „Die Aufbruchstimmung ist spürbar.“

Sonja Hollstein (Grüne) versteht aber nicht, dass über die Ganztagsschulfrage die überfällige Toilettensanierung und die Überarbeitung des Brandschutzes aufgeschoben werde. „Immer mit der Keule zu schwingen ,Entweder Ihr werdet Ganztagsschule, sonst machen wir gar nichts‘ halte ich für falsch.“ Auch ihr Parteikollege Holger Nowak findet: „Notwendige Umbauarbeiten sollten wir machen.“ So wertet auch Susanne von Stern (CDU): „Es ist ausgesprochen unglücklich, wenn die heutigen Schüler deswegen auf stinkende Toiletten gehen müssen.“

Dagegen stützt Friedrich von Mansberg (SPD) die Linie der Verwaltung: „Die Überlegung, Geld erst dann zu investieren, wenn absehbar ist, was passieren soll, halte ich für sinnvoll.“ Zumal Koch zu bedenken gab: „Heute die Toiletten zu machen, um in ein oder zwei Jahren dann wieder alles aufreißen zu müssen, das ist nicht wirtschaftlich.“

Aktuell gibt es in der Stadt neun Ganztagsschulen, von den anderen zehn städtischen Schulen sei die Grundschule Hasenburger Berg am weitesten auf dem Weg dorthin. Ein Start im Sommer 2015 hält die Verwaltung für realistisch. Und an der Wilhelm-Raabe-Schule habe sich zudem eine Arbeitsgruppe zum Thema gebildet. Die Stadt will nun eine Übersicht erstellen, die den Weg aller ihrer Schulen in Richtung Ganztagsschule beschreibt. Im Frühjahr 2014 soll sie vorgelegt werden.