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Ein sittenwidriger Lohn?

ca Lüneburg. Dem Lüneburger Sportverein LSK Hansa droht ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht. Ein ehemaliger Platzwart hat den Rechtsanwalt Uwe Thümer eingeschaltet, der hält die Bezahlung des Mannes von angeblich 1,65 Euro pro Stunde für „sittenwidrig“ und fordert vom Verein eine satte Nachzahlung. Der LSK wiederum ist sich keiner Schuld bewusst, fühlt sich mit falschen Vorwürfen überzogen. Waltraut Harder, zuständig für die Geschäftsstelle, sagt: „Einem möglichen Prozess sehe ich mit großer Gelassenheit entgegen.“

Einig sind sich beide Seiten, dass der Verein dem Platzwart im Sommer 2012 eine Wohnung überließ, laut Mietvertrag 50 Quadratmeter für 408,20 Euro inklusive 50 Euro Heizkostenpauschale. In dem Zusammenhang kam auch ein mündlicher Arbeitsvertrag zustande: Der Mieter sollte sich um die Anlagen in Wilschenbruch kümmern, dafür wurden ihm 143,20 Euro Miete erlassen. Thümer sagt, dafür sollte sein Mandant 20 Stunden pro Woche arbeiten. Er hat das hochgerechnet, kommt für den Zeitraum von August 2012 bis Juli 2013 auf eine monatliche Durchschnittsarbeitszeit von 86,7 Stunden. Setze man das ins Verhältnis zum Nachlass, ergebe sich der Stundenlohn von 1,65 Euro.

Thümer hält das für absolut unangemessen und daher für sittenwidrig. Er legt als Untergrenze den Lohn von 7,50 Euro pro Stunde zugrunde, fordert daher 6227,80 Euro Nachschlag. Zwei weitere Punkte hält der Anwalt für strittig: Zum einen sollte sein Mandant künftig monatlich nicht 50, sondern 100 Euro Heizkostenpauschale zahlen. Doch die Heizung sei kaputt, der Brenner funktioniere nicht. Und: Der LSK Hansa habe die Wohnung nicht einmal vermieten dürfen.

Bekanntlich ist quasi der alte LSK in die Pleite gesegelt, seitdem ist Insolvenzverwalter Dirk Decker Herr in Wilschenbruch. Der hat Thümer auf Nachfrage geschrieben: „Mir ist dieser Mietvertrag nicht bekannt, und es gibt von mir als Insolvenzverwalter auch keine Zustimmung zu der Drittüberlassung. Ich habe dem Lüneburger Sportklub Hansa von 2008 und der SEG Sport und Event GmbH das Gelände zur unentgeltlichen Nutzung überlassen.“ So solle der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden. „Weder der LSK Hansa noch die SEG sind berechtigt, das Sportgelände oder das Vereinshaus oder die Wohnung Dritten zu überlassen.“

LSK-Präsident Dietrich Conrad hat den Mietvertrag unterschrieben. Er reagiert auf eine Nachfrage der LZ verärgert: „Ich bin Vorsitzender, aber ich weiß doch nicht im Detail, was ich da unterschreibe.“ Es sei seit Jahren gängige Praxis gewesen, die Wohnung zu vermieten. Also sei er davon ausgegangen, dass alles seine Richtigkeit habe. Der Lohn könne auch kein Thema sein: „Es gibt doch Ein-Euro-Jobs.“ Den Einwand, dass solche Beschäftigungsverhältnisse mit der Arbeitsagentur geregelt werden, schiebt Conrad zur Seite: Die Angelegenheit sei „lächerlich“, in der Debatte um den Verkauf des Geländes sei wohl der Grund der „hochgespielten Dinge“ zu sehen. Zuständig sei Waltraut Harder.

Die wiederum weist die Vorwürfe zurück. Die Vereinbarung sei mit dem Mieter auf dessen Wunsch getroffen worden. Ein Mietnachlass in dieser Form sei auch bei anderen Fällen Praxis, damit auch nachts jemand auf ansonst verlassenen Sportgeländen sei. Bei der kritisierten Arbeitszeit kommt sie auf andere Werte: „Im Winter ist nichts zu tun.“ Auch sei der Platzwart immer wieder wegen Krankheit ausgefallen: „Einer Putzfrau geben sie auch kein Geld, wenn die nicht kommt.“

Zudem sei die Heizung längst repariert, bei einem Ausfall im vorigen Winter habe der Mieter einen Heizlüfter erhalten. Und vermieten dürfe der Verein die Räume allemal: „Das machen wir auch mit der Gaststätte. Das haben wir mit dem Insolvenzverwalter abgesprochen und machen das seit Jahren so. Dafür halten wir alles instand.“

Anwalt Thümer sieht die Sache anders: Entweder der Verein zahle die Summe oder der Gang vors Arbeitsgericht stehe an. Inzwischen wird sein Mandant vom Insolvenzverwalter Decker aus Kulanz geduldet, doch der Mann müsse die Wohnung bis März 2014 verlassen – dann soll auf dem Platz ein Baugebiet entstehen.