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Zehn Kilometer sind geschafft

pet Amt Neuhaus. Für Marco Heinemann ist es nur ein Handgriff, dem Buschwerk an der Elbe bei Herrenhof macht er damit aber den Garaus. Knirschend schließt sich die Schere seines „Schnitt-Griffis“, einer speziellen Baumschere, um das Gehölz, schneidet es krachend über dem Boden ab. Heinemann, Baggerführer beim Agrardienstleister Zeyn aus Tespe, macht das seit vier Wochen – Rückschnitt der Elbverbuschung am rechten Elbufer.

Auf Initiative von Dr. Johannes Prüter, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung in Hitzacker, hat der Rückschnitt der Verbuschung im Deichvorland in diesem Jahr schon im August begonnen – zwei Monate früher als in anderen Jahren. Unter dem Eindruck des wenige Wochen zuvor erlebten Elbehochwassers hatte auch Niedersachsens Umweltministerium zugestimmt.

Bei Wehningen, an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern, hatte Marco Heinemann vor vier Wochen mit der Arbeit begonnen, zehn Kilometer flussabwärts ist er mittlerweile gekommen, bis nach Herrenhof. Zur Freude auch von Jürgen Siems, Vorsitzender des Vereins zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums im Elbtal (VSKE), der seit Jahren dafür kämpft, Bäume und Sträucher in bestimmten Bereichen kurz zu halten, um bei Hochwasser den Wasserabfluss zu erleichtern. Siems sagt aber auch: „Ich würde mir wünschen, dass mehrere Teams arbeiten würden, um die Zeit besser zu nutzen.“

Koordiniert werden die Arbeiten im Fachdienst Umwelt des Landkreises Lüneburg, wo Sachbearbeiterin Claudia Schröder in engem Kontakt zu Marco Heinemann steht. Dem Zeyn-Mann stehen ständig exakte Karten zur Verfügung, aus denen er ersehen kann, was er schneiden darf und was nicht – Bäume, die älter als zehn Jahre sind oder Gehölze, die eine Biberburg verbergen, nicht, jüngere Gehölze ohne schützenswerte Flora und Fauna schon.

Ideal wäre aus seiner Sicht, sagt Klaus-Jürgen Steinhoff, Dezernatsleiter bei der Biosphärenverwaltung, spezielle Viehherden aufzustellen, die die Verbuschung konstant klein halten. Versuche mit einer 120 Tiere zählenden Schaf-/Ziegenherde gebe es. Das am gesamten Ufer im Bereich des Biosphärenreservats zu verwirklichen, sei aber nicht zu schaffen.

„Wir freuen uns, dass überhaupt etwas gemacht wird“, erklärt Hans Ebeling, Vorsteher des Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverbands. Und er ergänzt: „Aber das reicht aus unserer Sicht nicht aus.“ Um vielleicht fünf Zentimeter würden die jetzt angegangenen Maßnahmen den Wasserstand der Elbe bei einem künftigen Hochwasser reduzieren. Ein wirklich gründlicher und regelmäßiger Rückschnitt, so Ebeling, wäre viel günstiger als eine mögliche Deicherhöhung.

Zunächst aber werde in den Bereichen zurückgeschnitten, die unstrittig sind, sagt Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Als Kreis werde man auf das Land Niedersachsen einwirken, dass von dort ein Antrag bei der Europäischen Union gestellt wird, damit in bestimmten, besonders kritischen Bereichen, auch „prioritärer Lebensraum“, das sind „Hart- und Weichholz-Auenwälder“, geschnitten werden dürfen. Die EU müsse zugestehen, dass Hochwasserschutz in diesen Bereichen vor Naturschutz gehe. „Wir haben einen solchen Antrag schon gestellt“, sagt VSKE-Chef Siems.

Solange es Wetter und Boden zulassen, sollen aber Marco Heinemann, sein Bagger und „Schnitt-Griffi“, die „unstrittige“ Verbuschung kappen – und um die nächsten Abschnitte zu besprechen, ziehen er, Klaus-Jürgen Steinhoff, Hans Ebeling und Claudia Schröder, weiter. Elbabwärts in Richtung Bitter.