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Auch das Brillenschaf gehört zu den extrem gefährdeten Nutztierrassen. Das ursprüngliche Zuchtgebiet war das südliche Kärnten. Das Brillenschaf gilt als robust und berggängig, weshalb es sich auch zur Beweidung regenreicher Gebirgslagen gut eignet. Foto: t&w
Auch das Brillenschaf gehört zu den extrem gefährdeten Nutztierrassen. Das ursprüngliche Zuchtgebiet war das südliche Kärnten. Das Brillenschaf gilt als robust und berggängig, weshalb es sich auch zur Beweidung regenreicher Gebirgslagen gut eignet. Foto: t&w

Willkommen in der Arche

dth Dellien/Amt Neuhaus. „Wir überlegen gerade, ob wir uns diese kleinen Schafe, die Skudden, zulegen für den Garten.“ „Nein“, unterbricht Besucherin Alice Pippig ihren Gatten Detlef. Der lässt sich aber nicht beirren: „Die sind aber leiser als ein Rasenmäher“, scherzt er. Bedrohte Landschaf-Rassen und ihre Besonderheiten stehen im Mittelpunkt des dritten „Archetags“ am Sonntag auf dem Biohof Niederhoff in Dellien in Amt Neuhaus. Mehr als 1000 Besucher informierten sich im dörflichen Idyll über bedrohte Nutztierrassen, die in der Archeregion eine Renaissance erleben, sowie über regionale Produkte bis hin zu Freizeitangeboten. Die Archeregion entwickelt sich seit ihrer Gründung im Januar 2011 zusehends. Mit der Vermarktung hapert es allerdings immer noch.

„Dass wir durch die Archeregion einen Einwohnerzuwachs bekommen, glaube ich nicht. Aber wir werden durch das Alleinstellungsmerkmal Archeregion bekannter“, sagt Grit Richter, Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus. Ein großer Wunsch sei zudem die Ansiedlung eines Schlachthauses in der Nähe. Bislang fahren die Nutztierhalter ihre Rinder, Schweine oder Schafe zum Schlachten nach Holzen bei Neetze, Clenze im Kreis Lüchow-Dannenberg oder nach Gallin im Kreis Ludwigslust-Parchim. „Die vielen Fahrten machen die heimischen Produkte zusätzlich teurer“, weiß auch Arche-Initiator Hartmut Heckenroth. Auf der anderen Seite sagt er: „Die Masse an Tier ist noch nicht da. Wir brauchen zuerst einen Erzeugerverband oder Vermarkterring, der für das notwendige Angebot sorgt.“ Dafür soll auch der noch junge Arche-Förderverein sorgen.

Die Vermarktung mit aufbauen möchte Agraringenieurin Dr. Hélène Gibaud. Sie hat bereits selbstständig Limousin-Rinder aus Jork vermarktet und mit deutschen Züchtern sogenannte Benchmark-Reisen nach Frankreich unternommen, um über erfolgreiche Marketing-Maßnahmen zu informieren. „In der Archeregion brauchen wir für die Züchter ein einheitliches Auftreten nach außen“, sagt Gibaud und stößt bei Öko-Landwirt Ingo Rosenberg auf offene Ohren: „Wir sind für jede Hilfe dankbar.“ Auf dem Archetag bietet er Gegrilltes seiner Englischen Parkrinder an. Und den Besuchern schmeckt es.

Der Duft steigt auch Landrat Manfred Nahrstedt in die Nase: „Ich denke, die Menschen entwickeln die Produkte hier zur Marktreife und haben erkannt, dass wir in Amt Neuhaus keine Industrie mehr reinkriegen, sondern Arbeit und Brot auch im Tourismus stecken.“ Bezüglich des Schlachthauses will der Arche-Förderverein zudem das Gespräch mit dem Kreis suchen, der in der Nähe eine geeignete Immobilie besitzt. Landwirt Rosenberg ist gespannt: „Schließlich muss ich von dem Beruf leben.“

Hobbymäßig, aber nicht weniger leidenschaftlich setzt sich Veit Strebel für ein bedrohtes Nutztier ein: die Dunkle Biene „Apis mellifera mellifera“. Der Hobby-Imker hält derzeit bei Laave 22 Völker des Honigproduzenten, „die in Mitteleuropa die einzige ursprünglich heimische Biene ist“, so Strebel. Mit der Zeit wurde sie von aus dem Süden stammenden Züchtungen verdrängt. Strebel: „Dabei ist die Dunkle Biene robuster und weniger stechfreudig.“ Seine Erkenntnisse gab er beim Archetag bei einem Vortrag preis. So wie Mathias Brockob vom Niedersächsischen Schafzuchtverband, der verschiedene alte Landschaf-Rassen vorstellte, etwa die Skudde, die kleinste mitteleuropäische Schafrasse. Sie gilt als sehr widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und eignet sich vor allem zur Beweidung karger Standorte.