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Neues Naturerlebnis mit allen Sinnen

pet Neuhaus. Für Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt war es einer der „ganz besonders schönen Tage“. Nicht „über rote Zahlen“ hatte er zu reden, nicht über die umstrittene Elbbrücke zu diskutieren. Stattdessen konnte er am Sonnabendnachmittag, 22. Juni, das mit großem Aufwand gestaltete „Archezentrum Amt Neuhaus“ eröffnen. Verbunden war die Einweihung mit dem „2. Archetag“ – und bei idealem Wetter fanden viele Hundert große und kleine Gäste von links und rechts der Elbe zum „Haus des Gastes“.

Im Januar 2010 war die Region als erste „Archeregion“ ausgezeichnet worden, im Juli 2011 war der Fördermittelbescheid für die Einrichtung des Archezentrums übergeben worden, vor einem Jahr wurde mit den Arbeiten im Haus begonnen. 500 000 Euro sind in das Projekt „Archezentrum“ investiert worden – in die Restaurierung des Hauses und die Ausstellung. Geldgeber sind das Land Niedersachsen, die EU, Niedersachsen-Hamburg-Fonds und der Landkreis Lüneburg.

Zur Einweihung gekommen war auch Almut Kottwitz, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Sie verwies auf die 375 000 Euro Fördermittel vom Land, entnommen dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre), die nach Neuhaus geflossen waren. Das Archezentrum, so Kottwitz, werde „die Gemeinde als touristischen Anziehungspunkt noch einmal aufwerten“.

Über einen „ganz großen Tag für uns“ freute sich Dr. Johannes Prüter, Leiter des Biosphärenreservats „Niedersächsische Elbtalaue“. Es sei eine große Aufgabe, die „biologische Vielfalt zu erhalten“. Und weiter: „Nicht nur die der wildlebenden Tiere und Pflanzen, sondern auch die der Kulturarten und -formen von Tier und Pflanze.“ Genau das geschehe in der Archeregion.

Erstmals durften sich am Sonnabend Besucher die elf Ausstellungsräume des Archezentrums ansehen mit vielen Informationen über die Region, über Nutztierrassen und Nutzpflanzen, die Wildtierwelt, alte Obst- und Getreidesorten. Das Wissen wird in vielfältiger Form präsentiert. Mit Infotafeln ebenso wie mit Angeboten zum Mitmachen – beim Erschnüffeln von Gerüchen, beim Ertasten von Schaf- und Ziegenfellen und mit Filmen können Besucher die Vielfalt der Region mit allen Sinnen erleben.

Das Archezentrum ist ein gemeinsames Projekt von Landkreis Lüneburg und Gemeinde Amt Neuhaus. „Die Ausstellung im Archezentrum zeigt, wie wichtig und verdienstvoll das Engagement der Artenschützer in der Region ist“, sagte Landrat Manfred Nahrstedt. „Ich kann daher allen, die sich für alte Nutztierrassen und für die Natur vor unserer Haustür interessieren, einen Besuch nur empfehlen.“ Der Eintritt ist frei.

Ihren großen Auftritt hatten zur Eröffnung die Mädchen und Jungen der Klasse 3a der Grundschule Neuhaus mit Klassenlehrerin Cornelia Eichler: Wochenlang hatten sie geübt, mit ihren Eltern Kulissen gebastelt, um vor großem Publikum ein Theaterstück vorzuführen und die neue Sicht auf den Wolf zu präsentieren: Nicht von Rotkäppchen und dem „bösen Wolf“ handelte ihr Stück, sondern von Rotkäppchen und dem „lieben Wolf“.

Vertreten war auch das Umweltbildungszentrum Schubz aus Lüneburg, für das Leiter Frank Corleis die Broschüre „Arche – Vielfalt entdecken“ vorstellte. Schubz-Mitarbeiter, unterstützt von Neuhäuser Fünft- und Drittklässlern, hatten ein Jahr daran gearbeitet, die Region in ihrer ganzen Vielfalt darzustellen. Der Clou: Mit Hilfe eines GPS-Geräts, auszuleihen im Haus des Gastes, können 17 markante Punkte angesteuert werden.

Während die ersten Gäste durch das Archenzentrum streiften, tummelten sich um das „Haus des Gastes“ herum die Besucher des 2. Archetages. Hofbesitzer präsentierten seltene Tierrassen wie Poitou-Esel oder Brillenschaf, zum Genießen gab es Schnuckenknacker, Bentheimer Schwein vom Grill und deftigen Ziegenkäse, Kinder konnten auf einem mächtigen Kaltblut reiten.

Mit von der Partie war etwa Hans-Jürgen Niederhoff aus Dellien mit seinen Rauwolligen Pommerschen Landschafen. Der Erhalt alter Tierrassen sei wichtig, erklärt er, „mein Enkel soll auch in 20 Jahren noch alte Haustierrassen sehen können“. Nebenan saß Arnold Schütte aus Tosterglope auf einem Klappstuhl, „Himbeere“, die Schwarze Thüringerwald Ziege, hatte er auf dem Schoß. Die und andere Artgenossen setzt der Diplom-Pädagoge in seiner Arbeit ein, bei Kindern etwa, die mit Worten schwer zu erreichen, aber „auf emotionaler Ebene zugänglicher“ seien.

Näheres zum Archezentrum im Internet: www.archezentrum-amt-neuhaus.de.