Donnerstag , 29. September 2016
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Lebenswert und arm

dth Tripkau/Wendischthun. „Die aktuelle Situation in der Gemeinde Amt Neuhaus gestaltet sich nicht gerade vorteilhaft. Wir sind hoch verschuldet, der Gemeindehaushalt ist desolat, der Raum für Investitionen sehr, sehr klein. Wir haben zwar das Biosphärenreservat, das hört sich erstmal gut an, aber es beschneidet unsere Region massiv in ihrem Handlungs- und Entwicklungsspielraum. Es gibt kaum Gewerbe, kaum Arbeitsplätze, die Region ist struktur- und wirtschaftsschwach . . .“, sagte Daniela Weidler in ihrer Festrede anlässlich des 20. Jahrestages der Rückgliederung der Gemeinde Amt Neuhaus in den Kreis Lüneburg. Und dann fragte sie vor rund 120 Zuhörern in der Mehrzweckhalle Tripkau: „Ist dies der Preis der Freiheit? Die Antwort ist eindeutig: Ja, dies ist der Preis der Freiheit.“

Die 31-Jährige sprach neben anderen auf Einladung bei der Festveranstaltung des Lüneburger CDU-Kreisverbandes über die „Zukunftsaussichten für die Gemeinde Amt Neuhaus“ und hielt sich bei der Zustandsbeschreibung nicht lange mit Sonntagsreden auf. Gleichwohl verwies sie auf die Ressourcen der Region, „die Amt Neuhaus einzigartig und lebenswert“ machten: ob die wunderschöne Naturkulisse, Radwanderwege, Künstlerleben bis hin zur Zucht bedrohter Haustierrassen und „unsere super ausgebaute Kinderbetreuung“. Und so wie die Redner vor und nach ihr, etwa Roland Brauer von der Polizeiinspektion Lüneburg oder CDU-Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols, betonte auch sie die Notwendigkeit einer festen Elbquerung zur Stärkung von Amt Neuhaus. Und: „Das größte Potenzial sind doch die Menschen, die hier wohnen. Und zusammen können wir etwas bewegen.“

Der Appell erinnerte an Teile der Vorrede des ehemaligen Pastors Werner Ullrich, der das Streben nach Freiheit der Neuhauser in der ehemaligen DDR und schließlich, nach der Wende, den Kampf für die Rückgliederung begleitete: „Ich sehe die Rückgliederung als einen Akt der Souveränität der Menschen, die hier ihr Zuhause haben.“ Henning Niederhoff, der damals als Referatsleiter im niedersächsischen Innenministerium mitgeholfen hat, den Neuhausern in Hannover eine Stimme zu geben, ergänzte: „Die Neuhauser haben sich damals erfolgreich artikuliert, und ich möchte Ihnen zuraten, dass Sie sich weiterhin, auch bei der neuen Landesregierung artikulieren, um über Parteigrenzen hinweg die Zukunft gemeinsam zu gestalten.“

Eine kleinere Feier hielt auch die Stadt Bleckede beim Rad-Café „Alte Schule“ in Wendischthun ab. Bürgermeister Jens Böther sagte: „Es wird häufig vergessen: Aber vor 20 Jahren wurde nicht nur Amt Neuhaus zurück in den Landkreis geholt, sondern mit Wendischthun auch ein alter Teil der Stadt Bleckede rechts der Elbe.“ Anlässlich der Feierstunde wurde ein neuer Spielplatz auf dem Gelände der Alten Schule eingeweiht. Auf dem Areal stehen zur Erinnerung an die innerdeutsche Grenze noch ein alter DDR-Grenzstein und ein Teilstück des „Schutzzauns“. Jetzt können unweit davon Kinder über das Gelände toben.