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Das Becken ist zugewuchert, der Zufluss zur Neetze behindert, das Gitter am Ausgang der Fischtreppe verstopft: Georg Seibel macht auf die Zustände an der Wassermühle in Neumühlen aufmerksam. Sein Hinweis hat nun offenbar etwas bewirkt. Foto: t&w
Das Becken ist zugewuchert, der Zufluss zur Neetze behindert, das Gitter am Ausgang der Fischtreppe verstopft: Georg Seibel macht auf die Zustände an der Wassermühle in Neumühlen aufmerksam. Sein Hinweis hat nun offenbar etwas bewirkt. Foto: t&w

Die vergessene Fischtreppe

emi Neumühlen. Georg Seibel läuft über das Wehr der alten Wassermühle in Neumühlen, bahnt sich seinen Weg vorbei an hohem Gras und Brennnesseln und bleibt schließlich an einer vermoosten Mauer stehen. „Sehen Sie“, der 66-Jährige deutet auf ein Wasserbecken am Rande der Neetze. „Hier drin ist alles voller Schilfgras. Der Teich verlandet, im Sommer steht das Wasser zeitweise nur fünf Zentimeter hoch. Fische können hier nicht schwimmen.“ Ein fataler Zustand, schließlich liegt das Becken am Ausgang einer Fischtreppe. Und auch die verfällt zusehends. „Das Schott löst sich auf, die Kammern sind schmutzig, das Gitter wächst zu“, bedauert der Neu-Neetzer. „Bis vor rund zehn Jahren haben Meerforellen und Neunaugen die Fischtreppe benutzt, ein Fischtreppenwart hat alles in Ordnung gehalten, das Becken wurde regelmäßig ausgebaggert. Jetzt kümmert sich leider niemand mehr…“ Seibels hartnäckige Nachfragen haben nun aber offenbar etwas bewirkt.

Dem Geschäftsführer des Wasserverbands der Ilmenau-Niederung mit Sitz in Echem ist das Problem bekannt. „Das ist kein Einzelfall. Uns ist das auch ein Dorn im Auge“, sagt Johannes Hilmer auf LZ-Nachfrage. „Aber wir sind dafür nicht zuständig. Das hat mit der Historie zu tun.“ Sinn der Teiche sei es früher gewesen, das Wasser der Neetze über Nacht anzustauen und tagsüber mit dem gesammelten Wasser die Mühle zu betreiben. „Insofern war der Mühlenbetreiber zuständig.“

Heute, da die Mühlen längst nicht mehr in Betrieb seien, müsse sich der Inhaber der Staurechte häufig der Eigentümer der Mühle um die Instandhaltung kümmern. „Das Problem haben wir an vielen Stellen, wo es solche Becken gibt. Durch den immer gleichen Wasserstand sinkt die Fließgeschwindigkeit und es lagern sich Stoffe ab“, sagt Hilmer.
Aber die Unterhaltung solcher Gewässer sei kostspielig und aufwändig. „Wir würden gern helfen, das Becken sauber zu kriegen. Aber wir wissen nicht, wohin mit dem Räumgut.“ Die Fischtreppe habe er in den 1990er-Jahren in der Landesverwaltung sogar persönlich mitgeplant. Wer für sie zuständig sei, sei beim Landkreis Lüneburg zu erfahren.

Auf LZ-Nachfrage ist Katrin Holzmann dankbar für den Hinweis. Die Kreissprecherin sagt: „Ursprünglich hat sich der damalige Mühlenbesitzer um die Unterhaltung der Fischtreppe gekümmert. Aber der ist verstorben.“ Der Kreis werde die Angelegenheit prüfen. „Noch heute wird jemand nach Neumühlen fahren und sich das ansehen“, kündigt Holzmann an. Zur Freude von Georg Seibel.