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Recht leer ist der Tisch vor den Geschmacksachen im Heidehof: Renate und Jochen Heuveldop (v.l.), Sylvia Joost und Claudia Scheil bangen um ihren Dorftreffpunkt. Foto: be
Recht leer ist der Tisch vor den Geschmacksachen im Heidehof: Renate und Jochen Heuveldop (v.l.), Sylvia Joost und Claudia Scheil bangen um ihren Dorftreffpunkt. Foto: be

Trauer um Treffpunkt

emi Radenbeck. Über viele Jahre hinweg lebten Renate und Jochen Heuveldop in der Einsamkeit der schwedischen Wälder. Vor zwei Jahren zogen die 65- und der 74-Jährige zurück nach Deutschland. Naturnah wollten sie weiterhin wohnen, aber gleichzeitig sozial eingebunden sein. Radenbeck mit seinen Wiesen und Wäldern, dem kleinen Lädchen am Campingplatz und der gemütlichen Gaststätte erschien ihnen als der ideale Ort, um sich niederzulassen. Seit 2012 verbrachten Renate und Jochen Heuveldop Sonntag für Sonntag im Lokal „Geschmacksachen im Heidehof“, um unter Leute und ins Gespräch zu kommen. Doch nun hat die Pächterin den Betrieb der letzten Gaststätte der Gemeinde Thomasburg eingestellt. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht, ältere wie jüngere Gäste fürchten um ihren Dorf-Treffpunkt.

Leere Scheiben, verrammelte Türen, verwaiste Gebäude: Vor zwei Jahren berichtete die LZ vom Kneipensterben im Kreis Lüneburg. Demnach hatte sich die Zahl der „Schankwirtschaften“ Lokale, die Getränke und eine eingeschränkte Speisekarte anbieten von 2001 bis 2010 halbiert. „Diese Entwicklung hat sich nicht fortgesetzt“, sagt mit Blick auf die Zahlen aus 2012 Martin Exner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. Die Situation habe sich vielmehr auf dem Niveau von 2010 eingependelt: 56 Schankwirtschaften verzeichnet die Statistik im Landkreis (2010 waren es 57 gewesen), 31 in der Stadt (2010: 24). Für Dorfkneipen sei aber nach wie vor die Vereins- und Schwarzgastronomie „nicht förderlich“.

Mit diesem Problem hatte die Pächterin im Heidehof, Marnie Wahle, nicht zu kämpfen, ihre Gaststätte lief von Jahr zu Jahr besser und zog Kreise bis nach Lüneburg und weiter. Die 44-Jährige hört aus persönlichen Gründen auf. Doch einen Nachfolger zu finden ist schwierig bei einer Kneipe, die durch ihre abgeschiedene Lage nicht mit Laufkundschaft punkten kann. Thomasburgs Bürgermeister Dieter Schröder bedauert das. „Gerade ältere Leute würden es wehmütig sehen, wenn es dort nicht weiterginge.“ Die Kneipe sei nach anfänglicher Skepsis gut angenommen worden im Ort. „Wir hoffen, dass es weitergehen möge.“

Sylvia Joost, Verpächterin und Betreiberin des angrenzenden Campingplatzes, sucht deshalb händeringend nach einem neuen Pächter. „Es ist zum einen schade um die Gebäude, die nicht bewirtschaftet werden“, sagt die 42-Jährige. „Zum anderen fällt hier am Campingplatz ein Angebot weg, das ich nicht ersetzen kann.“

Der neue Pächter könnte das bewährte Konzept übernehmen und ihm einen eigenen Stempel aufdrücken. Oder etwas Neues wagen. „Möglich wäre zum Beispiel, eine Art Land-Event aufzuziehen, mit speziellen Angeboten im Winter“, sagt Joost. Bis Ende Dezember finden zwar noch Feierlichkeiten und Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der „Geschmacksachen im Heidehof“ statt, aber der reguläre Kneipenbetrieb ist passé. Bis auf Weiteres.