Aktuell
Home | Lokales | Ostheide | Es begann als Sommergrippe
Anfang Juli, während der Fußball-Weltmeisterschaft, erhielt die Jugendbeauftragte der Samtgemeinde Ostheide, Ursula Wulf, die Diagnose Leukämie. Heute ist sie auf dem Weg der Besserung und wirbt für die Typisierungsaktion in der Barendorfer Grundschule. Foto: t&w
Anfang Juli, während der Fußball-Weltmeisterschaft, erhielt die Jugendbeauftragte der Samtgemeinde Ostheide, Ursula Wulf, die Diagnose Leukämie. Heute ist sie auf dem Weg der Besserung und wirbt für die Typisierungsaktion in der Barendorfer Grundschule. Foto: t&w

Es begann als Sommergrippe

Barendorf. „Lebensretter werden zu Lebensrettern“ heißt es heute, Sonnabend, 15. November, in der Aula der Grundschule Barendorf. Zwischen 10 und 16 Uhr lassen sich dort die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren der Samtgemeinde Ostheide typisieren, und damit als potenzielle Lebensretter für an Leukämie erkrankte Menschen registrieren. Zudem fordern die Brandschützer alle Einwohner der Samtgemeinde und darüber hinaus auf, sich an der Aktion zu beteiligen.

Hintergrund für den Einsatz ist das Schicksal der Jugendbeauftragten der Samtgemeinde Ostheide. Während die meisten Menschen auch im Landkreis Lüneburg Anfang Juli die Siege der deutschen Fußball-Nationalmannschaft feierten, musste Ursula Wulf die niederschmetternde Diagnose „Leukämie“ verarbeiten. Ein Schicksalsschlag aus heiterem Himmel. Doch Ursula Wulf hatte Glück im Unglück. Innerhalb weniger Wochen war ein Stammzellenspender für sie gefunden. Die Jugendbeauftragte hat ihre Geschichte aufgeschrieben und erzählt sie heute, am Tag 68 nach ihrer Stammzellentransplantation und am Tag der Typisierungsaktion in der Landeszeitung:

Mein Name ist Ursula Wulf und meine Geschichte ist die von vielen, die plötzlich mit der Diagnose „Leukämie“ leben müssen.

Was wie eine „Sommergrippe“ begann, hob meine friedliche Welt aus den Angeln. Während andere sich über die Ergebnisse der Fußball-Weltmeisterschaft freuten, waren meine Blut-Ergebnisse alles andere als erfreulich, und als ich von der Diagnose „Leu­kämie“ erfuhr, dachte ich: „Ich habe Krebs, das geht doch nicht, ich bin doch eigentlich gesund, ich werde noch gebraucht als Ehefrau, Mutter und Großmutter.“

Aber genau das gab mir auch die Kraft, alles was kam, durchzustehen, denn das Wichtigste in schweren Zeiten ist eine großartige Familie, die zu einem steht. Dennoch kann auch die beste Familie die Folgen der Chemo nicht verhindern, mir fielen die Haare aus. Egal, schneiden wir den Rest auch noch ab, denn „Flusen gehören nicht auf, sondern in den Kopf“.

Nächste Chemo: Übelkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, aber auch Thrombose, Leberentzündung und Lungenentzündung. Die Familie und Freunde stehen immer fest an meiner Seite und dann die tolle Nachricht: „Wir haben einen passenden Spender für Sie gefunden, 100 Prozent Passgenauigkeit.“ Die Gefühle fahren Achterbahn. Jetzt zwei Wochen nach Hause, Kraft tanken und dann auf zum Endspurt.

Was folgt, ist der Fall vom Himmel auf die Erde, unsanft und gnadenlos: ein Rückfall, alle Werte im Keller, wieder Chemo, wieder alle Nebenwirkungen, jetzt musste ich das erste Mal richtig weinen.

Gleich im Anschluss begann die Vorbereitung für die Transplantation. Meine Körperabwehr wurde auf „Null“ gefahren, ab jetzt ist mein Körper vollkommen schutzlos. Der kleinste Krankheitskeim kann zur ernsten Gefahr werden.

Dann ist es endlich soweit: Es ist Montag, 8. September, neun Wochen sind vergangen, jetzt wird es ernst. Da hängt es, ein kleines rotes Beutelchen, es wird angeschlossen, und der Inhalt läuft ein, der Beutel ist leer. Das war es, kein Kribbeln, kein Leuchten, vollkommen unspektakulär. Und wieder warten, wieder hoffen und bangen, denn erst nach zehn Tagen kann festgestellt werden, ob die Stammzellen ihre Arbeit aufgenommen haben.

Es ist der zwölfte Tag, die Werte steigen, es ist geschafft: Die Stammzellen haben ihre Aufgabe erfüllt.

Aber dann trifft mich die erwähnte Leberentzündung, schon wieder nichts essen, Übelkeit, extreme Gewichtsabnahme und Kraftlosigkeit. Die seelische Kraft bekomme ich von meinem Mann, der uneingeschränkt zu mir hält und dem Gedanken an das „Nachhausekommen“.

Langsam geht es voran, die ersten Schritte in Begleitung auf dem Flur, etwas wacklig auf den Beinen, aber ich werde gestützt von meinem Mann und meiner Familie und das nicht nur körperlich, es ist Tag 25 nach der Transplantation, ich darf nach Hause.

Jetzt bin ich endlich wieder zu Hause. Ich lerne mit meiner Krankheit zu leben, lerne alles etwas langsamer anzugehen, meine Kräfte einzuteilen und das Leben bewusst zu leben. Und ich bin dankbar, dankbar für einen tollen Mann, eine tolle Familie, für gute Freunde und für eine zweite Chance und deshalb:

„Ich hatte das Glück, ich fand einen passenden Spender. Andere hatten noch nicht so viel Glück. Deshalb machen Sie mit, werden Sie Spender!“