Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Oberfeldwebel Maximilian O. (l.) und Hauptfeldwebel Andreas Wegner an der Drohne KZO, mit deren Hilfe die Aufklärer sich aus der Luft ein Lagebild verschaffen können. Foto: kre
Oberfeldwebel Maximilian O. (l.) und Hauptfeldwebel Andreas Wegner an der Drohne KZO, mit deren Hilfe die Aufklärer sich aus der Luft ein Lagebild verschaffen können. Foto: kre

Drohnen werden künftig auch auf dem Standortübungsplatz Wendisch Evern gestartet

kre Lüneburg. Geklinkerte Hallen mit dem Charme des Kasernenbaus aus den 1930er-Jahren, blaue Stahltore: Auf den ersten Blick weist kaum etwas darauf hin, dass der Bund in das unscheinbare Hallen-Ensemble der Theodor-Körner-Kaserne (TKK) rund 1,6 Millionen Euro investiert hat. Tarnen und Täuschen — der Bundeswehr ist das hier geradezu in Perfektion gelungen. Doch so traditionell unspektakulär die Hallen auch wirken mögen: Spätestens, wenn Hauptfeldwebel Andreas Wegener und seine Kameraden die Stahltore zur Seite schieben, wird der Blick frei auf das, was sich im modernisierten Halleninneren verbirgt: Auf die „Drohne“ KZO — das Kleinfluggerät für Zielortung. „Ein unbemanntes, fliegendes Aufklärungssystem, mit dessen Hilfe wir aus der dritten Dimension, dem Luftraum, aufklären können“, sagt Oberstleutnant Tim Grünewald, Kommandeur des Lüneburger Aufklärungslehrbataillons 3. Über fünf dieser „unmanned aerial vehicle“ (UAV), so die korrekte Bezeichnung des fliegendes Auges, verfügt das Lüneburger Bataillon bereits.

Außerdem erhalten die Aufklärer demnächst zehn Luna-Drohnen: Sie sind quasi der ,,kleinere Bruder“ der KZO. Warum die Truppen-Ausstattung mit fliegendem Gerät eine Nachricht wert ist? Weil Oberstleutnant Tim Grünewald zum einen der Meinung ist, dass der Bürger durchaus wissen sollte, wofür das Steuergeld ausgegeben wird. Und zum anderen werden über kurz oder lang die Anwohner des Standortübungsplatzes in Wendisch Evern/Deutsch Evern ohnehin mitbekommen, dass die Aufklärer zusehends auch aus dem Luftraum aufklären. Denn gestartet wird die KZO mit Hilfe eines sogenannten Boosters. „Das rummst ganz ordentlich“, sagt Grünewald, andere beschreiben es martialischer: ,,Das ist die männlichste Form, eine Drohne zu starten.“

,,Wir werden in Zukunft etwa ein Mal im Monat verschiedene Fluggeräte auf dem Übungsplatz in Wendisch Evern zum Einsatz bringen“, sagt der Oberstleutnant. Und wenn nicht die Aufklärer selbst mit dem fliegenden Auge trainieren, werden es Artilleristen aus Munster sein, die in der Theodor-Körner-Kaserne einziehen. Wenn auch nur vorübergehend: Denn während die Hallenmodernisierungen in der TKK bereits abgeschlossen sind, wartet das Artillerielehrbataillon 325 noch auf den Umbau seiner Hallen nach Lüneburger Vorbild. Und solange es die noch nicht gibt, werden die Artilleristen aus Munster mit einer neu aufgestellten Batterie (eine andere Bezeichnung für Kompanie) in Lüneburg Quartier machen.

Für Tim Grünewald kein Problem, im Gegenteil: Mit der Auflösung des Logistikbataillons werden bei uns Kapazitäten frei. Rund 100 Artilleristen werden es sein, die noch in diesem Sommer für drei bis vier Jahre nach Lüneburg kommen — und dabei auch ganz eigene Fähigkeiten mitbringen werden. „Zum Beispiel eine eigene Wettergruppe mit Wetterballon“, berichtet Grünewald.

Nicht zuletzt die Arbeitszeitenrichtlinie der EU macht diese Lösung für alle Beteiligten so interessant: Die Dienstzeit für Soldaten beträgt künftig 41 Wochenstunden. Überstunden müssen später abgefeiert werden. Ganz wie in der freien Wirtschaft. ,,Aufgrund der kurzen Wege aus der Theodor-Körner-Kaserne auf den nahen Standortübungsplatz sparen wir Fahrtzeiten. Da fallen schon mal weniger Überstunden an“, erklärt der Kommandeur der Lüneburger Aufklärer. Zeit, die die Soldaten besser nutzen können — zum Beispiel mit dem Training für die KZO oder das Aufklärungssystem Luna.

Drohne ohne Bewaffnung
Das Kleinfluggerät Zielortung (KZO) ist ein unbemanntes, luftgestütztes Aufklärungssystem. Ausgestattet mit einem Infrarot-Sensor kann die Drohne tageszeitunabhängig zur Ziel- und Lageaufklärung eingesetzt werden. Die Flugdauer beträgt bis zu 3,5 Stunden, die Aufklärungsreichweite beträgt 65 Kilometer. Gesteuert wird die KZO in der Bodenkontrollstation von einem Navigator. Zwei Luftbildauswerter (einer davon für die vertiefende Analyse) werten dabei die in Echtzeit gelieferten Bilder und Informationen aus. Gelandet wird die Drohne am Fallschirm, ein Bergetrupp holt die KZO aus dem Gelände. Die 168 Kilogramm schwere Drohne ist eine reine Aufklärungsdrohne, trägt keine Bewaffnung. kre
Wohngruppenmodell oder Lebenshilfe
Die Zukunft des Standorts Lüneburg beschäftigt weiterhin die Politik, denn der Bund beabsichtigt zum 1. Januar 2016 das „Olympische Dorf“ am nördlichen Rand des TKK-Geländes abzugeben. ,,Die Stadt Lüneburg hat nun die Möglichkeit der Übernahme dieser Gebäude“, stellt der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols fest und sagt: „Die verkehrliche Erreichbarkeit wäre zurzeit nur über den Ebensberg (Nutzfelder Weg) möglich. Diese Zufahrt müsste aber noch erstellt werden.“ Da das „Olympische Dorf“ unter Denkmalschutz steht, sind die Nutzungsmöglichkeiten zusätzlich eingeschränkt. Denkbar sei ein Wohngruppenmodell der Lebenshilfe oder andere Wohnformen wie etwa des Vereins Gemeinschaft Sinn eV.
Der Verein möchte auch mit schon beantragten Fördermitteln aus dem Bundesfamilienministerium ein Wohnprojekt entwickeln und verwirklichen. Nach Ansicht von Pols könnte die Liegenschaft dafür geeignet sein. Die Stadt sei nun aufgefordert, mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Kontakt aufzunehmen, um die Modalitäten einer Übernahme zu verhandeln.“ lz