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Historische Spuren im Acker

rov Scharnebeck. Christian Krohn und zwölf weitere Hobbyhistoriker stehen auf dem Acker bei Scharnebeck zur ersten „Kalendertour“ des Jahres. Krohn zeigt in Richtung Wald und erklärt: „Hier haben wir die ersten Scherben gefunden.“ Der Rullstorfer ist erster Vorsitzender des „Vereins für Heimatkunde im Raum Scharnebeck“. Der Verein organisiert jedes Jahr kostenlose Führungen zu verschiedenen historischen Themen. „Man hat nie genau gewusst, wo der Ursprung des heutigen Scharnebecks ist“, erläutert der ehemalige Vermessungsingenieur. Er habe dann auf dem Acker viele Keramikscherben gefunden. „Und Dr. Gebers vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege bestätigte meine Vermutung, dass die aus der sächsischen Zeit stammten.“ Also so um und bei 400 nach Christus.

Das Amt für Denkmalpflege organisierte daraufhin in den Jahren 2011 und 2012 Suchaktionen mit Metalldetektoren. Dabei kamen – neben neuzeitlichen Dingen wie Münzen, Bleiplomben und Maschinenteilen – auch einige „sehr interessante und aufschlussreiche Funde“ ans Tageslicht: Neben vier Bronzefibeln wurden eine halbrunde Kopfplatte mit drei Knöpfen aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. und zwei weitere schlecht erhaltene Scheibenfibeln gefunden, die die Historiker auf das 9. Jahrhundert datierten. Eine Fibel ist eine Art Sicherheitsnadel, die Mäntel oder Jacken zusammenhielt. Oft waren diese Stücke edel verziert und zeigten so, wie wohlhabend der Besitzer war. Neben den Fibeln fanden Krohn und seine Mitstreiter im vergangenen Jahr noch eine römische Münze, ein Denar von Kaiser Trajan (um 110 n. Chr.) und eine langobardische Fibel aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Aufgrund dieser historisch belegten Funde sei es also sehr wahrscheinlich, dass es auf dem Acker schon in der Zeit der Langobarden, also von der Geburt Christi bis etwa ins vierte Jahrhundert, und in der altsächsischen Zeit (um 400 n. Chr. bis 900 n. Chr.) eine Ansiedlung gegeben haben muss, erklärte Krohn. Und weil diese Siedlung „am klaren Bach“ (schiren Beke) lag, hätten die Sachsen den Ort „Scerenbeke“ genannt. Später sei das Dorf dann in den Bereich von „Alt Scharnebeck“ – zu „Olde Hoff“ – verlegt worden, erklärte Krohn seinen Zuhörern auf dem Acker. Und in diesem Jahr entdeckte der Rentner auf dem Feld gegenüber der Straße Scherben und sogar ein paar Knochen. Bei Nachgrabungen von Bezirksarchäologen konnte dort dann das Unterteil einer Urne geborgen werden. Also wäre es möglich, dass auf diesem Gelände tatsächlich ein Friedhof gewesen sei. Daher vermuten Krohn und seine Vereinsmitglieder im Gebiet zwischen Bahnhof Scharnebeck und Lentenau den Ursprungsort Scharnebecks.

„Ich bin schon sehr lange heimatkundlich interessiert“, sagt Annemarie Deichelbohrer. Die ehemalige Grund- und Hauptschullehrerin kommt aus Rullstorf und findet es „ganz, ganz toll“, wie sehr sich der Verein engagiert. Auch der Lüneburger Jürgen Lemke ist gekommen: „Ich hatte schon die Ausgrabungen in Rullstorf verfolgt und wollte mir das heute hier nicht entgehen lassen.“

Am kommenden Sonnabend, 14. September, finden die nächsten historischen Führungen statt. Dann geht es unter anderem nach Boltersen und zu den ehemaligen Arbeitshäusern des Gutes Lüdersburg.

Weitere Infos unter www.heimatkundeverein-scharnebeck.de oder bei Christian Krohn unter Tel.: 0 41 36 / 71 41.