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Was kostet die letzte Ruhe?

off Scharnebeck. Wie viel darf ein Grab kosten? Und wie viel muss es kosten? Darüber wird bei seiner Sitzung am Mittwoch, 18. September, zum ersten Mal seit 2007 wieder der Samtgemeinderat Scharnebeck diskutieren. Zur Abstimmung steht im Gasthaus Nienau in Artlenburg die Gebührenkalkulation für die kommunalen Friedhöfe 2014 bis 2016 – und damit die Frage: Lässt sich die Samtgemeinde ihre Friedhöfe in Echem, Lüdershausen und Hohnstorf auch künftig etwas kosten? Und wenn ja, wie viel?

Auf insgesamt knapp 60 000 Euro belaufen sich die Fehlbeträge der letzten drei Jahre 2010, 2011 und 2012 – Miese, für die sich die Politik 2007 zumindest zum Teil bewusst entschieden hat. „Um eine 100-prozentige Kostendeckung zu erreichen, wäre damals eine Gebührenanhebung von bis zu 80 Prozent nötig gewesen“, sagt Kämmerei-Mitarbeiter Christian Päpper, „das wollte der Samtgemeinderat den Friedhofsnutzern nicht zumuten und beschloss Erhöhungen von rund 20 Prozent.“ Nun muss die Politik erneut entscheiden: Sollen die Gebühren künftig alle Kosten decken und dafür auf durchschnittlich gut das Doppelte erhöht werden? Oder entscheidet sich der Rat gegen eine massive Gebührenanhebung, dafür aber für ein Defizit in der Friedhofskasse?

Vorgelegt hat Kämmerei-Mitarbeiter Päpper der Politik sechs Alternativen mit Deckungsbeiträgen von 50 bis 100 Prozent. Die Empfehlung aus Finanz- und Samtgemeindeausschuss: Die Gebühren werden so angepasst, dass ein Deckungsgrad von 80 Prozent erreicht wird. Das würde heißen: Fast alle Grabformen werden teurer. Die Nutzungsrechte für ein Wahlgrab zum Beispiel kosten dann 870 statt bisher 410 Euro, die für ein anonymes Urnengrab 680 statt 310 Euro. Die einzige Bestattungsform, die günstiger wäre, ist das Rasenreihengrab: Dafür würden die Nutzungsrechte inklusive Pflege nicht mehr 1500 Euro, sondern ab Januar 2014 nur noch 1220 Euro kosten.

Grund für den Ausreißer nach unten: Päpper lag bei der Kalkulation erstmals eine genaue Dokumentation darüber vor, welche Friedhofsarbeiten wie viel Zeit kosten. „Dabei hat sich herausgestellt, dass die Rasenreihengräber sehr pflegeleicht sind“, sagt Päpper. „Und das schlägt sich nun auch in der Gebührenanpassung nieder.“ Bei allen anderen Grabformen sieht die Kalkulation eine Anhebung der Gebühren vor – selbst bei einem angestrebten Deckungsgrad von 50 Prozent.

Dass die Friedhofsgebühren nun schon zum zweiten Mal in Folge angehoben werden müssen, erklärt Päpper mit den Personalkosten. Sie machen den Löwenanteil der Friedhofskosten aus und lagen 2012 bei knapp 37 000 Euro – deutlich über dem, was dafür in der letzten Kalkulation angesetzt wurde. „Bisher wurde der Aufwand für die Friedhöfe nicht so detailliert erfasst wie jetzt.“ Mit dem Ergebnis, dass zwischen 2008 und 2011 lediglich ein Deckungsbeitrag zwischen 36 und 65 Prozent erreicht wurde.

Entscheidet sich der Rat am Mittwoch für die Gebührenvariante mit einem angestrebten Deckungsbeitrag von 80 Prozent, wird das Defizit in der Friedhofskasse künftig deutlich niedriger ausfallen als bisher, statt rund 20 000 Euro nur knapp 12 600 Euro im Jahr betragen. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die durchschnittliche Zahl der Bestattungen in Echem, Lüdershausen und Hohnstorf auch künftig bei 34 im Jahr liegt“, so Päpper.

Entscheiden muss nun die Politik: Darf sie einen Teil der Friedhofskosten der Allgemeinheit aufdrücken? Wenn ja, wie viel? Und wie viel darf die letzte Ruhe maximal kosten? Keine leichte Diskussion, die dem Samtgemeinderat künftig alle drei Jahre bevorsteht – denn in diesem Rhythmus sollen die Friedhofsgebühren künftig kalkuliert werden.