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Am Schiffshebewerk Scharnebeck begann die Fachtagung Güterverkehr der Metropolregion Hamburg. Rund 140 Fachleute diskutierten die Frage: Wohin mit der ständig wachsenden Warenmenge im Güterverkehr in Norddeutschland. Foto: A/t & w
Am Schiffshebewerk Scharnebeck begann die Fachtagung Güterverkehr der Metropolregion Hamburg. Rund 140 Fachleute diskutierten die Frage: Wohin mit der ständig wachsenden Warenmenge im Güterverkehr in Norddeutschland. Foto: A/t & w

Das Nadelöhr muss weg

pet Lüneburg. Der Bau eines neuen „Aufstiegsbauwerks“ am Schiffshebewerk Scharnebeck muss unbedingt in den „Vordringlichen Bedarf Plus“ im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans, der gerade für die Jahre 2015 bis 2030 erarbeitet wird. Das fordert Manfred Nahrstedt. Und Lüneburgs Landrat ist zuversichtlich, „dass wir da hineinkommen“, sagte er gestern während der Fachtagung Güterverkehr, die am Schiffshebewerk und in der Ritterakademie stattfand. 140 Fachleute und Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus ganz Norddeutschland waren dabei.

Wohin mit der ständig wachsenden Menge des Güterverkehrs in Norddeutschland, das war die zentrale Frage der Tagung – ein Hauptaugenmerk lag auf der Situation bei Scharnebeck. Bernd Schmidt, Abteilungsleiter im niedersächsischen Ministerium für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr, betonte die Bedeutung des Elbe-Seitenkanals, der aber „erhebliche Möglichkeiten“ habe, mehr Verkehr aufzunehmen. Voraussetzung: das „Nadelöhr“ bei Scharnebeck müsse beseitigt werden – durch ein Aufstiegsbauwerk, das „mindestens 190 Meter lange Schubverbände aufnehmen“ könne.

Schmidt wies darauf hin, dass der Bund Mittel bereit gestellt habe, um Baugrube und Becken zu planen, allein dieser Bereich werde 80 Millionen Euro der insgesamt auf 240 Millionen Euro geplanten Gesamtkosten verschlingen. Die Vorarbeiten in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung laufen, so Schmidt, „ich gehe davon aus, dass in Kürze der Planungsauftrag vergeben wird.“ Er ergänzte: „Das Gelände, um das es geht, ist bereits in Bundesbesitz, ein Landerwerb ist also nicht nötig.“ Und das könne die Realisierung des Aufstiegsbauwerks möglicherweise beschleunigen.

Gerade einmal zwei Prozent des Containerverkehrs werden im Hamburger Hafen per Binnenschiff ins Hafenhinterland weitertransportiert, sagte Manfred Nahrstedt. „In Rotterdam ist der Anteil 15 Mal so hoch.“ Die Straßen seien schon überlastet, auch die Bahn habe ihre Grenzen erreicht. „Wir sehen die einzige Möglichkeit, der Situation Herr zu werden, darin, ein zusätzliches Aufstiegsbauwerk zu bauen.“ Bedingungen, um in den „Vordringlichen Bedarf Plus“ zu kommen, seien „eine hohe Verkehrsbelastung“ und „ein hohes Kosten-/Nutzen-Verhältnis“. Nahrstedt: „Beides trifft für den ESK zu.“

Hochkarätig war die Riege der leitenden Beamten, die gestern diskutierten, so Andreas Rieckhof, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation Hamburg, sein Abteilungsleiter Norbert Hogreve sowie Bernd Schmidt, Abteilungsleiter im niedersächsischen Ministerium für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr. Dabei war auch Jakob Richter von der Metropolregion Hamburg. Ebenso prominent besetzt war die Riege der Referenten, darunter Wolfgang Hurtienne (Geschäftsführer der Hamburg Port Authority), Gunther Bonz (Geschäftsführer der Eurogate Container Terminal), Dr. Veit Steinle (Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium sowie Wolfgang Severing (Abteilungsleiter im Bundesamt für Güterverkehr). Landrat Manfred Nahrstedt ist jedenfalls zuversichtlich – der Bau eines Aufstiegsbauwerks wäre „gut angelegtes Geld“. Während der Tagung, so der Landrat, wurde ebenfalls betont, dass durch einen gut ausgebauten ESK auch Berlin oder das Ruhrgebiet besser erreichbar sind“. Nahrstedt: „Wenn alles gut läuft, könnte im 2014 das Planfeststellungsverfahren beginnen. Die neue Schleuse hätte nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile. VW in Wolfsburg, die Stahlwerke in Salzgitter und auch der Hermes Versand in Haldensleben würden dann den Elbe-Seitenkanal nutzen. Davon könnten auch die Häfen in Lüneburg, Uelzen und Wittingen profitieren.“