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Am Strand im südenglischen Bournemouth feiert Carola Burmester den Gewinn der britischen Future Cheer Nationals. Foto: nh
Am Strand im südenglischen Bournemouth feiert Carola Burmester den Gewinn der britischen Future Cheer Nationals. Foto: nh

Britische Meisterin aus Barförde

bau Barförde/London. Leben und Arbeiten im Ausland: Vom beschaulichen Heimatort Barförde an der Elbe hat es Carola Burmester „schon immer in die Ferne gezogen“. Seit fünf Jahren ist die britische Metropole London an der Themse der Lebensmittelpunkt der 29-Jährigen. Maßgeblich bestimmt wird ihr Leben auf der Insel von zwei eher ungewöhnlichen Feldern: Videospiele und Cheerleading.

Die junge Frau arbeitet in London bei Sony Computer Entertainment Europe als sogenannter German Online Community Manager. Einen Großteil ihrer Freizeit verbringt sie als Cheerleader mit der Gruppe Sparks Wildfire – und erfolgreich ist sie auch. Schmücken darf sich die Deutsche inzwischen mit den Federn einer dreimaligen britischen Meisterin. Zuletzt gelang ihrer Truppe bei den JamFest Europe Nationalmeisterschaften in Liverpool sogar die Qualifikation für die U.S. Finals in ihrer Wettkampfklasse 2014 in den USA. „Beide Tätigkeiten machen unheimlich viel Spaß“, sagt Burmester.

Ihre Abteilung bei PlayStation besteht aus knapp 40 Frauen und Männern im Alter von Anfang 20 bis Ende 30 aus 15 verschiedenen Ländern. „Wir arbeiten sowohl an eigenen Kampagnen im Online Marketing als auch gemeinsam an europäischen Projekten.“ Viele ihrer Freunde hat sie über ihren Job kennengelernt. „In England verbringt man auch außerhalb der Arbeit viel Zeit mit Kollegen, trifft sich nach Feierabend im Pub um die Ecke.“

Wenn Carola Burmester nicht gerade arbeitet oder trainiert, geht sie Shoppen. „London eignet sich bestens dafür“, sagt sie und lacht. Das Leben in der britischen Hauptstadt gefällt ihr auch noch nach fünf Jahren. Ab und an schaut sie in ihrer alten Heimat vorbei – und bringt Kollegen mit nach Barförde zum Beispiel zum Osterfeuer hinterm Deich. „Davon schwärmen sie heute noch.“

Zum Cheerleading ist Carola Burmester vor knapp acht Jahren eher zufällig gekommen – in Bardowick bei den Hummingbirds. „Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich sie begleiten will“, sagt Carola Burmester. Schon das erste Training hat die damals 21-Jährige begeistert. „Wir sind super aufgenommen worden und durften direkt bei den Stunts mit Hand anlegen.“

Überrascht stellte sie fest, dass Cheerleader mehr tun, als nur tanzen und mit den Pompons wedeln. „Mit dem Klischee wurde schnell gründlich aufgeräumt“, erzählt Carola Burmester. „Wir haben viel an Stunts, Pyramiden und Sprüngen gearbeitet.“ Dazu gehören Radschlag und -wende, Vorwärts- und Rückwärtsrollen, Tauchrolle, Handstand-Überschlag und Flick Flack aus dem Stand. „Das Tanzen war eher Nebensache.“ Als sie 2008 den Entschluss fasste, nach England zu gehen, galten ihre ersten Recherchen über die Stadt nicht dem Wohnungsmarkt oder touristischen Attraktionen, sondern den Londoner Cheerleading Teams.

Da viele der Mannschaften an Universitäten gebunden und daher für „Außenstehende“ nicht zugänglich sind, suchte sie im Internet nach geeigneten Teams. Am Ende landete sie bei den London Rockets, musste zuvor jedoch eine praktische Aufnahmeprüfung absolvieren.

Mit den London Rockets holte sie 2009 in Loughborough gleich zwei erste Plätze und Sonderauszeichnungen für die höchste Punktzahl und herausragenden Teamgeist. Ein Jahr später wechselte sie zu Space City Zoo. Dort durfte sie mit ihrem Team nicht nur an Wettkämpfen, sondern auch Show-Events und Fotokampagnen für Zeitungen wie „Sun“ und „Daily Mirror“ sowie bei einem Fernsehauftritt in der „Alan Titchmarsh Show“ teilnehmen. 2011 löste sich Space City Zoo jedoch auf und die heute 29-Jährige wechselte zu Sparks Allstars. Dort ist sie im Team Wildfire in der Senior Open All-Girl Level 2 Team aktiv. „Die Bezeichnung bedeutet, dass wir alle mindestens 18 Jahre alt und ein rein weibliches Team sind. Level 2 ist der Schwierigkeitsgrad.“

Carola Burmester trainiert mit Wildfire einmal in der Woche und zusätzlich ein- bis zweimal im Monat mit den anderen Sparks Allstars Gruppen in einer speziellen Cheerleading Halle. „Meistens sind das umgebaute Lagerhallen, die Wände sind verspiegelt, der Boden ist mit einem Springboden ausgelegt.“ Anwesenheit beim Training ist Pflicht, sogar vertraglich festgelegt. Ihre Teamkolleginnen kommen aus vielen unterschiedlichen Nationen – zum Beispiel Frankreich, Schottland, Jamaika, Irland oder Norwegen.

Zwei Monate vor Meisterschaften steigert sich die Trainingsintensität mit zusätzlichen Einheiten in der Woche und am Wochenende – für einen zweieinhalbminütigen Auftritt bei Meisterschaften. Aufwändig ist die Vorbereitung noch in anderer Hinsicht: „Unsere Trainerin schickt vor einer Meisterschaft Anweisungen, wie wir mit hochtoupiertem Pony, hochgestecktem Pferdeschwanz, Glitter und Teamschleife im Haar auszusehen haben“, sagt die 29-Jährige. „Ohne Lockenstab geht nichts.“

Elf Meisterschaften hat sie auf der Insel bislang bestritten. Dreimal stand sie mit ihren Teams ganz oben auf dem Treppchen. Stolz ist sie vor allem auf den Sieg 2012 bei den Future Cheer Nationals in Bournemouth. „Die Titelkämpfe sind in England jährlich das ultimative Ziel in der Sportart, sozusagen das Champions League Finale der britischen Cheerleading-Welt.“ In dem Verband Future Cheer, dem größten und renommiertesten im Vereinigten Königreich, sind mehr als 60 000 Athleten am Start.

„Mittlerweile ist Cheerleading in Großbritannien mit die am schnellsten wachsende Sportart an Schulen.“ Carola Burmester freut sich aber auch, dass ihr Sport in Lüneburg weiter Fuß fasst. Vor kurzem gründete ihre Freundin und ehemalige Hummingbirds-Teamkollegin Franziska Stemmer Phoenix Cheerleading. Unterstützt wird von der Truppe das American Football Team „Lüneburg Razorbacks“.