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Vor vier Jahren musste der Betreiber des Scharnebecker Krankenhause Insolvenz anmelden, jetzt hat der Insolvenzverwalter die bittere Nachricht vekündet: der Operationsbetrieb in Scharnebeck wird eingestellt. Foto: A/t&w
Vor vier Jahren musste der Betreiber des Scharnebecker Krankenhause Insolvenz anmelden, jetzt hat der Insolvenzverwalter die bittere Nachricht vekündet: der Operationsbetrieb in Scharnebeck wird eingestellt. Foto: A/t&w

Scharnebeck verliert Klinik

off Scharnebeck. Jahrelang haben Mitarbeiter und Politik für den Erhalt des Scharnebecker Krankenhauses gekämpft. Jetzt steht fest: Es war vergeblich. Ab dem 1. April wird in der insolventen Klinik nicht mehr operiert, in einer Pressemitteilung teilt der Insolvenzverwalter mit, dass die chirurgischen Belegärzte an die Orthoklinik nach Lüneburg wechseln. „Dadurch ist sichergestellt, dass das medizinische Know-how in der Region erhalten bleibt“, heißt es. Für Scharnebeck bedeutet das aber auch: Der Ort verliert nach mehr als 50 Jahren sein Krankenhaus.

Noch bis Ende März werden Operationen in Scharnebeck planmäßig ausgeführt, bis Ende April bleibt der Betrieb zur Betreuung aller operierten Patienten geöffnet. Lösungen für die 54 Mitarbeiter sind laut Pressemitteilung in Vorbereitung. Ein Großteil der Beschäftigten soll an die Gesundheitsholding Lüneburg vermittelt werden. Das bestätigt der Geschäftsführer der Holding, Rolf Sauer. „Wir versuchen nicht nur den Fachkräften, sondern allen Mitarbeitern eine berufliche Perspektive zu geben.“ Ob das gelingt, wird sich zeigen, sagt Sauer. Mehr kann auch Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge derzeit nicht sagen. „Wir wollen den Mitarbeitern helfen, wenn es wirtschaftlich machbar ist.“

Der Betrieb der Pflegeeinrichtung in dem Klinikgebäude wird fortgeführt, soll möglicherweise um den bisherigen Krankenhausbereich erweitert werden. Eine Machbarkeitsstudie dazu sei bereits erstellt worden, schreibt der Insolvenzverwalter. „Die Gesundheitsholding Lüneburg stünde grundsätzlich als Pächterin des entsprechend durch Dritte umgebauten Gebäudes zur Verfügung.“

Mitarbeiter und Betriebsrat des Scharnebecker Krankenhauses wollen sich zur aktuellen Entwicklung nicht äußern. Doch die Enttäuschung dürfte groß sein. Noch Anfang Oktober hatten sie beim Besuch von Staatssekretär Jörg Röhmann in Scharnebeck mit Herzblut für den Erhalt „ihres Krankenhauses“ gekämpft und darauf gedrängt, zumindest einen kleinen OP-Betrieb zu erhalten. Auch Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn hätte sich eine andere Lösung gewünscht. „Auch wir hätten den Betrieb gerne in seiner bisherigen Form aufrechterhalten.“

Doch das Ende des Scharnebecker Krankenhauses scheint besiegelt. Gemeinsam mit dem Gläubigerausschuss hat Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann das Aus des OP-Betriebs beschlossen. Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Dezember 2009 führt Brinkmann die Krumstroh GmbH & Co. Krankenhausbetriebs-KG, hat auch nach Lösungen zur Fortführung des Krankenhauses gesucht (LZ berichtete). Offenbar vergeblich. „Erwerber waren an dem Krankenhaus nur interessiert, wenn sie Gesellschaftsanteile an der Krankenhausgesellschaft übernehmen konnten“, heißt es in der Pressemitteilung. Doch der dafür notwendige Insolvenzplan sei aufgrund der „nicht erreichbaren Mitwirkung einiger Beteiligter“ nicht zustande gekommen. Und eine Übertragung des Klinikbetriebs ohne Insolvenzplan scheiterte an der Zustimmung des Krankenhausplanungsausschusses.

„Wir haben während der mehr als vier Jahre dauernden Insolvenzverwaltung intensiv an Lösungsmöglichkeiten gearbeitet“, sagt Brinkmann. „Nachdem klar wurde, dass die vorgenannten Sanierungsziele nicht erreicht werden konnten, hatten die erstklassige medizinische Versorgung der Patienten in der Region und die Zukunft der 54 Klinik-Beschäftigten Priorität.“