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Rund fünf Stunden sind vergangen, seit das Küken das erste Löchlein in die Schale gepickt hat. Gerade ist es geschlüpft und noch etwas erschöpft. Foto: t&w
Rund fünf Stunden sind vergangen, seit das Küken das erste Löchlein in die Schale gepickt hat. Gerade ist es geschlüpft und noch etwas erschöpft. Foto: t&w

Küken „Spatzi“ ist nicht gelb +++ Mit LZplay-Video

emi Artlenburg. „Es piepst!“ – „Ich hab den Schnabel gesehen!“ Mia und Mattes aus dem Kindergarten Artlenburg drücken sich an der Glasscheibe des Brutapparates die Nasen platt und rufen aufgeregt durcheinander. Hinter der Scheibe schält sich gerade ein erstes Hühnerküken aus dem Ei und die Mädchen und Jungen dürfen staunend jede kleine Regung mit eigenen Augen betrachten. Möglich gemacht hat das Helmut Schulze, 2. Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Lauenburg.

Vor drei Wochen brachte er den Brutapparat und 75 Eier in den Kindergarten mit. Im Apparat, der auch aussieht wie ein Ofen, herrscht eine Temperatur von 37,8 Grad. Dort werden die Eier täglich gewendet, damit die Keimscheibe die Eizelle, erklärt Schulze nicht an der Schale festklebt.

Zwischenzeitlich hatte der Züchter zusammen mit den Kindern die unbefruchteten Eier und die, bei denen die Brut abgestorben ist, aussortiert. 60 Eier sind jetzt noch übrig. Schulze hatte gehofft, dass die Küken pünktlich nach 21 Tagen schlüpfen. Aber der Hühnernachwuchs lässt heute auf sich warten. Lediglich bei einem Küken geht die Rechnung exakt auf. Das kleine Tier kämpft sich piepsend und strampelnd aus seiner Kalkhülle.

„Das Küken liegt im Ei mit dem Kopf auf dem Bein. Das benutzt es als Stütze, um den Hebel anzusetzen“, erklärt Schulze. „Auf dem Schnabel hat das Küken eine Art Pickelchen, den Eizahn, mit dem bohrt es sich aus der engen Behausung.“ Etwa vier bis fünf Stunden sind vergangen, seit das Küken von innen das erste kleine Loch in die Schale gepickt hat.

Als es die Kalkhülle schließlich komplett sprengt und mit nassem, dunklen Flaum erste unsichere Schritte macht, reiben sich die Kinder verwundert die Augen. „Das ist ja gar nicht gelb!“, ruft die sechsjährige Joy. Schulze schmunzelt. „Die Eltern des Kükens sind braune Barnevelder. Nur Küken von weißen Hühnern sind gelb.“ Joy überlegt kurz. „Es soll Spatzi heißen“, ruft sie dann. Die anderen Kinder nicken begeistert.

Das Babyhuhn muss jetzt erst einmal trocknen und sich von den Strapazen erholen. Nach und nach breiten sich seine Daunen aus. Schon nach einer halben Stunde ist es so groß, dass man kaum glauben mag, dass es in ein Ei gepasst hat.

Ob „Spatzi“ einmal ein stattlicher Hahn oder eine Henne wird, erkennt man jetzt noch nicht. „Das Geschlecht kann man erst in zwei bis drei Wochen anhand der Kammgröße bestimmen“, erklärt der Experte. Die Mädchen und Jungen werden das dann vermutlich nicht mehr erfahren. In einer Woche werden die Küken etwa auf Spatzengröße angewachsen sein und müssen den Kindergarten verlassen.