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Die historische Mühle und  gepflegte Oldtimer gab es gestern beim Deutschen Mühlentag in Artlenburg zu sehen. Bis vor 21 Jahren wurde an der Elbe noch Korn gemahlen, ein Verein kümmert sich seit 1996 um den Erhalt der Mühle. Foto: t&w
Die historische Mühle und gepflegte Oldtimer gab es gestern beim Deutschen Mühlentag in Artlenburg zu sehen. Bis vor 21 Jahren wurde an der Elbe noch Korn gemahlen, ein Verein kümmert sich seit 1996 um den Erhalt der Mühle. Foto: t&w

Technik fasziniert auch heute noch

sel Artlenburg. Sobald Wind auffrischt, löst Hans-Jürgen Brügmann, Artlenburgs Müllermeister, die Bremsen seiner weißgetünchten, vierflügeligen Schönheit nahe der Elbe. Und dafür muss sich der 73-Jährige mächtig ins Zeug legen und mittels seines Körpergewichtes kräftig an der Kette ziehen, die die Bremse im oberen Teil der Mühle arretiert. „Das hält fit“, erklärt Brügmann schmunzelnd. „Früher sind die Müller alle 90 Jahre und älter geworden, so soll es auch heute sein.“

Beim Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag scharten sich wie in den Vorjahren zahlreiche Besucher um Hans-Jürgen Brügmann und seinen Bruder Ralf. Die alte, ausgeklügelte Technik, die noch heute funktioniert, fasziniert die Besucher ein ums andere Mal. Im Innern der Mühle erklärte Ralf Brügmann, dass der Mühlstein seinerzeit regelmäßig geschärft werden musste ein regelrechter Knochenjob. „Zum Glück ist alles, was Sie sehen, wie eine Art Lego-Baukastensystem in- und aufeinander gebaut. In einer halben Stunde ist der Mühlstein freigelegt, dann kann er geschärft werden.“

Der Artlenburger Galerie-Holländer ist wie der Name schon sagt einem holländischen Modell nachempfunden. „Aber die Holländer nutzten die Mühlen nicht, um Korn zu mahlen, sondern um ihre Ländereien zu entwässern und das Wasser zu transportieren“, erläuterte Ralf Brügmann.

1833 ging die Artlenburger Mühle in Betrieb, 56 Jahre später brannte sie ab. 1932 wurde sie mit Elektromotor ausgestattet, bis 1993 wurde hier Korn gemahlen. Seit 1996 kümmert sich der Windmühlenverein, der auch alljährlich zum Mühlentag einlädt, um die Instandhaltung des Wahrzeichens.

Mittlerweile sind auch Oldtimer fester Bestandteil der Veranstaltung, auch gestern funkelten Chrom und polierte Kühlerhauben von Limousinen und liebevoll restaurierten Treckern in der Sonne. Unter den stolzen Besitzern war Hans-Wilhelm Misch aus Tespe, der mit seinem roten Trecker Porsche von 1960 angetuckert war. Wie viele andere Oldtimer-Fans ist Misch jedes Jahr mit seinen alten Schätzchen dabei. Auch das üppige Kuchenbüfett im Innern der Mühle, das Kinderkarussell und die Grillstationen draußen gehören längst zur Artlenburger Mühlentradition.

Gefeiert wurde der Mühlentag am Wochenende auch in Bardowick und Heiligenthal.