Aktuell
Home | Lokales | Scharnebeck | Der Traum vom Sitzenbleiben
Große und kleine Modelle von Sitzgelegenheiten aus Zeitungspapier, Ton, Holz und Fell haben insgesamt 400 Schüler des Bernhard-Riemann-Gymnasiums und der Oberschule Scharnebeck gebastelt. Die Ergebnisse des gemeinsamen Kunstprojekts sind ab heute im Schulzentrum zu sehen. Foto: t&w
Große und kleine Modelle von Sitzgelegenheiten aus Zeitungspapier, Ton, Holz und Fell haben insgesamt 400 Schüler des Bernhard-Riemann-Gymnasiums und der Oberschule Scharnebeck gebastelt. Die Ergebnisse des gemeinsamen Kunstprojekts sind ab heute im Schulzentrum zu sehen. Foto: t&w

Der Traum vom Sitzenbleiben

emi Scharnebeck. Sie pauken im Unterricht auf Stühlen und verbringen die Pausen auf Bänken im Schulhof. Dass man aber auch „anders“ und bequemer sitzen kann, haben Schüler des Bernhard-Riemann-Gymnasiums Scharnebeck bei einer Klassenfahrt vor zwei Jahren erlebt. Unterwegs durch Dänemark, streikte das Navigationsgerät des Busfahrers. Bei strömendem Regen mussten Gymnasiasten und Lehrer aussteigen. Sie suchten Schutz in einer Schule und trauten ihren Augen kaum: Im Inneren des Gebäudes luden Sitzsäcke zum Hineinlümmeln und Treppengeländer zum Rutschen ein. Der Traum von „etwas anderen“ Sitzmöbeln war geboren.

Um ihn sich zu erfüllen, erschufen Schüler des Bernhard-Riemann-Gymnasiums und der Oberschule am Schiffshebewerk Scharnebeck ein gemeinsames Kunstprojekt namens „Chillen Mir tun die Beine weh. Oder warum man sich vom Wachsen auch mal ausruhen muss“. Das Ergebnis ist ab heute Nachmittag in den Containern des Schulzentrums zu bewundern. Die Scharnebecker haben sich damit bei der Sparkassen-Initiative „Das tut gut“ beworben und hoffen auf Geld, um alternative Sitzgelegenheiten anzuschaffen.

Kleine Stühle aus Holz und Papier sind auf grauen Styroporstücken befestigt, die von der Decke baumeln, bunte Bilder von Sitzgelegenheiten aller Art hängen an den Wänden und überall sind Schemel und Hocker aus Zeitungsrollen, zusammengebundenen Ästen, Fell und Karton verteilt: Seit September 2013 haben rund 400 Schüler im Kunstunterricht die unterschiedlichsten Modelle von Sitzgelegenheiten gebaut und zwar so, wie Heranwachsende sie sich vorstellen.

Der elfjährige Leon aus der Oberschule beispielsweise wünscht sich, ganz bescheiden, ein Sofa für seine Schule aber auch ein Treppengeländer zum Rutschen fände er klasse. Abiturient Lennart von Hofe setzt sich für das Projekt ein, weil er Sitzmöglichkeiten „wichtig für das Gemeinschaftsgefühl“ hält. „Wenn man einzeln herumsteht, fördert das die Grüppchenbildung“, glaubt der 19-Jährige. Michelle Brunßen denkt gern an die Umsetzung des Projekts zurück obwohl sie mitten in den Abi-Vorbereitungen steckte: „Wir haben mit den Kleinen aus der fünften Klasse Schilder und Modelle aus Ton gebastelt“, erzählt die 18-Jährige. „Anfangs waren wir eher schüchtern, aber dann haben wir probiert aufeinander zuzugehen.“

Dass Groß und Klein einander geholfen haben, darauf sind die verantwortlichen Kunstlehrer Stephanie Willner und Paul Hoos besonders stolz. Und dass die Schüler von selbst die Initiative ergriffen haben, um etwas zu verändern. Willner sagt: „Zwar hat uns der Neubau schon viel Tolles gebracht, aber unser Herzenswunsch ist es, das noch einmal zu erweitern.“

Die Vernissage des Kunstprojekts findet am Donnerstag, 19. Juni, von 15.30 bis 19 Uhr in den Containern des Schulzentrums Scharnebeck (großer Pausenhof) statt. Auf die Besucher warten Jazz, südamerikanische Musik, Würstchen und Getränke. Ab Freitag, 20. Juni, ist die Ausstellung für alle Interessierten bis zum Donnerstag, 10. Juli, jeweils von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Abstimmung für die Sparkassen-Initiative „Das tut gut“ beginnt am Dienstag, 1. Juli. Mitwählen dürfen alle „Giroprivileg“-Kunden der Sparkasse Lüneburg.