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Wo einst das Krankenhaus Scharnebeck seine Heimat hatte, ist heute eine Pflegeeinrichtung. Doch die soll ausziehen. Einer Räumungsklage wurde schon stattgegeben. Foto: t&w
Wo einst das Krankenhaus Scharnebeck seine Heimat hatte, ist heute eine Pflegeeinrichtung. Doch die soll ausziehen. Einer Räumungsklage wurde schon stattgegeben. Foto: t&w

Erst die Klinik, nun die Pflegeeinrichtung

ca Scharnebeck. Nachdem das insolvente Krankenhaus im Frühjahr den Betrieb eingestellt hat, droht nun auch der Pflegeeinrichtung an der Scharnebecker Hauptstraße das Aus: Das Landgericht Lüneburg hat einer Räumungsklage der Eigentümer der Immobilie, der Familie Krumstroh, stattgegeben. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, bis Ende des Monats kann Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann in Berufung gehen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Lediglich gegen Pachtforderungen überlege man in der nächsten Instanz vorzugehen, heißt es aus dem Büro des Juristen.

Die Lage ist seit Jahren verfahren. Die Betreibergesellschaft des Krankenhauses hatte im Oktober 1999 Insolvenz angemeldet. Damals hatten Brinkmann und die Mitarbeiter eine gute Chance gesehen, das Haus zu retten. Der Ruf war gut, die Betten ausgelastet. Dann begann ein Ringen um einen Neuanfang. Dabei ging es unter anderem um den Krankenhausbedarfsplan des Landes, welcher der kleinen Klinik knapp 20 Belegbetten zusicherte. Die hätte ein neuer Betreiber aber nicht ohne Weiteres übernehmen können. Zudem hatten Insolvenzverwalter und die Eigentümer des Gebäudes unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Standortes. Interessenten, die Brinkmann vorschlug, kamen am Ende nicht zum Zug. Es ging vors Gericht. Eine gemeinsame Lösung fanden die Beteiligten nicht, obwohl sich die lokale Politik und das Sozialministerium in Hannover eingeschaltet hatten.

Die Gesundheitsholding der Stadt Lüneburg bot sich nach Gesprächen mit Oberbürgermeister Ulrich Mädge an: Zwei Belegärzte zogen im April dieses Jahres mit ihren Betten quasi aus Scharnebeck in die Ortho-Klinik am Ginsterweg um. Holdingchef Rolf Sauer berichtet, dass man auch ein Dutzend Mitarbeiter aus Scharnebeck eingestellt habe. Insgesamt hätten sich 26 Personen beworben, einige hätten einen anderen Job gefunden, in anderen Fällen sei man nicht zueinandergekommen.

Das dem Krankenhaus angeschlossene Pflegeheim hatte Brinkmann weiter betrieben. Die Familie Krumstoh hatte unter anderem Räumungsklage erhoben, da Brinkmann die Pacht gekürzt hatte, weil er sie für nicht angemessen hielt. Das Landgericht hat ihn laut Gerichtssprecherin Frauke Albers nun verurteilt, rund 65800 Euro nachzuzahlen. Aus Brinkmanns Büro heißt es dazu: „Wir überlegen, in dieser Frage in Berufung zu gehen.“ Und zur Räumung: „Wir haben Familie Krumstroh angeschrieben, ob sie die Pflegeeinrichtung übernehmen will.“ Es gehe um 20 alte Leute, die von 15 Mitarbeitern, davon einige in Teilzeit, betreut werden.

Doch selbst, wenn der Pflegebetrieb eingestellt werde, müssten sich die Senioren keine Sorgen machen. Sie könnten sich nach etwas Neuem umschauen.

Die Familie Krumstroh und ihre Berater sagen, dass sie das „Angebot von Brinkmann konstruktiv prüfen“ wollen. Das werde noch etwas dauern.

Der Landkreis ist über den Beschluss informiert. Von dort heißt es, „das Wohl der Bewohner ist gewährleistet“. Die Heimaufsicht werde eine mögliche Schließung eng begleiten, Bewohner, Angehörige und Betreiber auch beraten. Aber der Insolvenzverwalter habe bis Ende August Zeit, über den weiteren Weg zu entscheiden.