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Über eine Zukunft des Krankenhauses Scharnebeck diskutierte im Oktober vergangenen Jahres Staatssekretär Jörg Röhmann (2.v.r.) mit Medizinern, dem Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer, Landrat Manfred
Nahrstedt und Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (v.r.). Foto: A./off
Über eine Zukunft des Krankenhauses Scharnebeck diskutierte im Oktober vergangenen Jahres Staatssekretär Jörg Röhmann (2.v.r.) mit Medizinern, dem Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer, Landrat Manfred Nahrstedt und Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (v.r.). Foto: A./off

Ein Ende in Scharnebeck

ca Scharnebeck. Es gehört vermutlich viel Optimismus dazu, an eine Zukunft von Krankenhaus und Pflegeeinrichtung mit 20 Plätzen in Scharnebeck zu glauben. Seit viereinhalb Jahren ist die Betreibergesellschaft pleite. Jetzt hat der Eigentümer der Immobilie, die Familie Krumstroh, eine Räumungsklage gegen den Hamburger Insolvenzverwalter gewonnen. Hintergrund ist eine einbehaltende Pacht von rund 57000 Euro. Der Insolvenzverwalter hat bis Ende des Monats Zeit, Berufung beim Oberlandesgericht in Celle einzulegen. Nach Auskunft seines Büros scheint er dies nur bei der Pachtforderung in Erwägung zu ziehen. Zudem hat er die Krumstrohs aufgefordert, die Einrichtung zu übernehmen. Deren Berater sagt, dass man das Angebot prüfe. Doch es sei weder lukrativ noch gefalle der Tonfall des Schreibens.

Der Berater der Familie setzt darauf, quasi eine kommunale Lösung zu finden: Im Februar, März habe es Gespräche mit dem Landkreis, der Samtgemeinde und der Gesundheitsholding der Stadt gegeben. „Damals ging es um Pacht. Denkbar war auch ein Kauf. Nun wollen wir herausfinden, ob das Angebot von damals noch steht.“

Doch so konkret, wie es der Berater empfunden hat, scheint die angebliche Offerte nicht gewesen zu sein. Heute klingen Aussagen der Beteiligten eher verhalten. Landrat Manfred Nahrstedt sagt: „Der Landkreis wird kein Altenheim betreiben.“ Natürlich werde die Heimaufsicht die weitere Entwicklung in Scharnebeck begleiten. Niemand werde von jetzt auf gleich auf die Straße gesetzt. Doch der Kreis warte erstmal ab, wie sich Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann Ende August entscheidet. Was den Landrat ärgert: Im Kreishaus sind seit Monaten keine Unterlagen Brinkmanns mit Betriebsdaten des Krankenhauses angekommen. Die seien aber notwendig, um über eine wirtschaftliche Zukunft des Hauses nachdenken zu können.

Auch der Chef der Gesundheitsholding, Rolf Sauer, bedauert, keine Zahlen erhalten zu haben: „Die Gesamtkonstellation hat nicht dazu beigetragen, dass bei uns ein Interesse an Fortführung entstanden ist.“ An einem Konzept für die gesundheitliche Versorgung im östlichen Landkreis arbeite man aber gerne mit.

Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn hält ein Engagement der Kommune für wenig wahrscheinlich. Aufgrund eines Gutachtens geht er davon aus, dass Erwerb und Umbau der Immobilie zu einem Heim, das man wirtschaftlich führen kann, rund 3,5 Millionen Euro kosten dürfte. Eine Investition in dieser Höhe habe die Kommune noch nie getätigt. Vor allem nicht für eine Aufgabe, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehöre. Zudem gebe es bereits ein Seniorenheim in Boltersen. Die Frage sei, ob die Samtgemeinde mit 15000 Einwohnern eine zweite Einrichtung benötige.

Doch was passiert, wenn für das Haus an der Hauptstraße das Totenglöckchen geläutet wird: Leerstand oder gar Abriss und Brache? Gerstenkorn glaubt nicht, dass die Scharnebecker dies mitten im Ort wollen. Vielleicht werde der Bebauungsplan geändert möglicherweise für Wohnbebauung. Der Berater der Familie Krumstroh sieht noch eine medizinisch-pflegerische Zukunft für den Standort. Einige man sich nicht mit den Kommunen, könne man mit der Immobilie „an den Markt“ gehen. In der Vergangenheit standen die Interessenten nicht gerade Schlange.

Konkurrenz oder Partner?
Als das Krankenhaus Scharnebeck im Oktober 2009 in die Pleite schlitterte, sah Insolvenzverwalter Brinkmann noch eine Perspektive. Er präsentierte als Interessenten Hanserad, doch der ging selbst pleite. Der größte Wert für einen Investor war, dass die Klinik im Krankenhausbedarfsplan des Landes stand. Doch das Sozialministerium stellte klar: Wenn eine neue Gesellschaft das Geschäft übernehme, müssten die Betten neu beantragt werden. Dazu kam, dass die Eigentümer der Immobilie und ihr Berater mit Insolvenzverwalter Brinkmann über Kreuz lagen. Brinkmann musste Niederlagen vor Gericht einstecken. Auch wenn das aus Reihen der Stadt niemand offen einräumt, in Lüneburg weint man nicht um das kleine Krankenhaus, dessen Belegärzte auf orthopädische Eingriffe spezialisiert waren. Denn der wirtschaftliche Erfolg der Ortho-Klinik am Ginsterweg, eine Abteilung der Gesundheitsholding, war in der Vergangenheit überschaubar. Mediziner aus Scharnebeck wechselten dorthin, die Holding hat zudem ein Dutzend Mitarbeiter übernommen. Und wenn es jetzt um eine Pflegeeinrichtung geht, schaut die Stadt und damit die Holding lieber aufs eigene Wohl. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte kürzlich beim Tag der Gesundheit, er könne sich so ein Zentrum gut im Hanseviertel vorstellen. Einer, der die Materie bestens kennt und lieber im Hintergrund bleibt, sagt: Der Komplex in Scharnebeck ist als Altenheim schon baulich unwirtschaftlich. In die Gebäude könne man 56 Pflegeplätze setzen, 16 davon als Doppelzimmer – nicht zeitgemäß. Lohnen würde sich so ein Betrieb erst mit 80 bis 100 Plätzen. Der Befund des Fachmanns: „Abrissbirne und neu bauen.“ Wenn überhaupt. Er glaubt nicht an eine Reanimation, schließlich gebe es einige Seniorenheime im Umkreis. Über die Idee des Beraters der Eigentümer, ein neues Gesundheitszentrum am „freien Markt“ etablieren zu wollen, lächelt der Experte entspannt: „Es gibt nur eine begrenzte Zahl an Zulassungen für Fachärzte.“ Neue seien nicht zu erwarten. Ob die Doktoren sich in Scharnebeck niederlassen, wenn sich im schnieken und verkehrlich bestens gelegenen Hanseviertel ein neues Ärztehaus anbietet? Das sei doch sehr fraglich. ca