Mittwoch , 28. September 2016
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Andreas Runge mit seinem Amphicar auf dem Weg in die Elbe  Artlenburgs Gemeindearbeiter Thomas Pumptow darf die Tour der besonderen Art einmal mitmachen. Foto: be
Andreas Runge mit seinem Amphicar auf dem Weg in die Elbe  Artlenburgs Gemeindearbeiter Thomas Pumptow darf die Tour der besonderen Art einmal mitmachen. Foto: be

Mit dem Auto in die Fluten

pet Artlenburg. Spaziergänger, die heute Nachmittag das schöne Wetter genießen und auf den Deichen zwischen Bleckede und Hohnstorf unterwegs sind, werden etwas ganz Besonderes zu sehen bekommen: Wo normalerweiser Binnenfrachter, Sportboote und Ausflugsschiffe verkehren, werden heute 20, vielleicht sogar 25, schwimmende Sportcoupés, genannt ,,Amphicar“, auf dem Strom unterwegs sein. Die Tour ist der Höhepunkt des Herbsttreffens des etwa 85 Mitglieder zählenden ,,Amphicar Clubs Berlin“, das an diesem Wochenende in Artlenburg stattfindet.

Den Traum, ein Fahrzeug zu bewegen, das an Land ebenso fährt wie im Wasser, ist alt ,,Vater“ des Amphicars ist der deutsche Konstrukteur Hanns Trippel. Zwischen 1960 und 1963 wurden 3878 Fahrzeuge in Lübeck und Berlin gebaut aber der Absatz entsprach nicht annähernd den Erwartungen, die bei 25000 Exemplaren lagen. Ein Grund: der hohe Preis von damals 10500 Mark, etwa das doppelte von einem Fahrzeug des Typs VW Käfer.

Wenn Andreas Runge mit seinem Amphicar ins Wasser will, muss er das gut vorbereiten am wichtigsten: ,,Der Wasserstopfen, der an Land zur Entlüftung abgedreht wird, muss rein, sonst bleiben wir nicht lange über Wasser.“ Dann betätigt er die doppelte Türverriegelung, lässt den Motor an, rollt im ersten ,,Land“-Gang die Schräge im Artlenburger Hafen hinab, lässt seinen Wagen ins Wasser gleiten, schaltet in den Leerlauf, legt den (einzigen) ,,Wasser“-Gang ein und los gehts. Gesteuert wird mit den Vorderrädern über die Autolenkung.

Sein Amphicar, Baujahr 1963, hat Andreas Runge 2005 von Peter Resch aus Wintereck bei Köln vermittelt bekommen. Resch gilt als der ,,Papst“ unter den Amphicar-Fans. ,,Er hat wohl schon 30 davon wieder fahrbereit gemacht“, schätzt Runge. Durch und durch verrostet sei sein jetzt in leuchtendem Orange strahlendes Schmuckstück damals gewesen. Viel Arbeit, Zeit und Geld hat der Hamburger in die Restaurierung gesteckt.

Spärliche 34 Pferdestärken bringt der 1,2 Liter Triumph-Motor des Amphicars auf die Straße, ein Leergewicht von 1050 Kilogramm hat er damit zu bewegen. Das Unterteil der Ganzstahlkarosserie ist als geschlossene Wanne aus 1,5 Millimeter dickem Blech geformt, alle Teile sind fest miteinander verschweißt. Im Motorraum hat das Amphicar eine Lenzpumpe, weiter ist es mit Positionslicht und Signalhorn ausgestattet. Wer das Amphicar auf dem Wasser fahren will, braucht einen Sportbootführerschein.

Runge, Sportwart des Amphicar Clubs Berlin, ist Organisator des Treffens der Amphicar-Fans. Der 52-Jährige hat auch beruflich mit Wasser zu tun er arbeitet im Hamburger Hafen. Dreimal im Jahr treffen sich die Mitglieder des Amphicar Clubs, die aus dem ganzen Bundesgebiet kommen zu Ostern, zu Pfingsten und im Herbst. Heute ist der zentrale Tag des diesjährigen Herbsttreffens: Nach der Besichtigung des Scharnebecker Schiffshebewerks geht es nach Bleckede, neben dem Fähranleger starten die schwimmenden Autos dort gegen 14 Uhr elbabwärts, etwa drei Stunden sind für die gemeinsame Fahrt nach Hohnstorf geplant. ,,Das ist das Schöne am Amphicar“, schwärmt Andreas Runge, ,,du schaltest um von Land- auf Wasserbetrieb, hast dein Boot, genießt die Ruhe. Schon als Kind habe ich davon geträumt, so etwas zu haben, der Traum ist wahr geworden.“