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Wer aus Adendorf kommt, wechselt am Schiffshebewerk in Scharnebeck als Radfahrer über eine Furt auf die Fahrbahn. Vorsicht!, mahnt der Landkreis, denn Autofahrer haben hier Vorfahrt. Foto: be
Wer aus Adendorf kommt, wechselt am Schiffshebewerk in Scharnebeck als Radfahrer über eine Furt auf die Fahrbahn. Vorsicht!, mahnt der Landkreis, denn Autofahrer haben hier Vorfahrt. Foto: be

Eigentlich ist alles geregelt

ca Scharnebeck. Zwei böse Unfälle hat es in den vergangenen Wochen am Schiffshebewerk in Scharnebeck gegeben. Liegt die Ursache auch in der verkehrlichen Situation begründet? Den Verdacht hegt zumindest der Großvater eines Zwölfjährigen, der dort schwer verletzt wurde. Die Polizei und der Landkreis hingegen halten die Lage für eindeutig, die Unfälle seien bedauerliche Einzelfälle.

Die LZ hatte berichtet: Bereits Mitte Juni war ein 15-Jähriger dort von einem Schulbus erfasst worden. Ein Rettungshubschrauber hatte den Jugendlichen schwer verletzt in die Klinik Hamburg-Boberg geflogen. Mutmaßlich habe der junge Radfahrer das Rotlicht einer Ampel missachtet, hatte die Polizei damals erklärt. Auch bei dem zweiten Unfall geht die Polizei von einem Fehlverhalten aus: Der Zwölfjährige sei Anfang August mit seinem Velo unvermittelt vom Geh- und Radweg auf die Straße gefahren und war von einem Toyota angefahren worden. Der Junge erlitt schwere Kopfverletzungen. Sein Großvater berichtet, dass der Teenager auf dem Weg der Besserung sei und eine Reha-Maßnahme durchlaufe. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die ihm geholfen haben“, sagt der Senior. Vermutlich behalte der Enkel keine bleibenden Folgen von dem Unfall zurück.

Der Großvater hält die Lage am Hebewerk für riskant. Denn dort münde der Radweg, von Adendorf kommend, auf die Straße Richtung Scharnebeck ein. Gerade für Schulkinder sei es eine brenzlige Situation, da sie auf der Straße und nicht auf dem Gehweg fahren müssen. Es fehlten Schilder, alles sei sehr uneindeutig an dieser Stelle.

Dirk Bonow, beim Landkreis für Verkehrsfragen zuständig, wertet anders. Es gebe entsprechende Regeln und die seien klar. So seien Radfahrer wartepflichtig, wenn sie vom Radweg über eine Furt auf den markierten Weg auf der Fahrbahn wechseln. Einfach weiterfahren, ohne auf den Autoverkehr zu achten, sei nicht erlaubt.

Der alte Zustand vor Jahren mussten Radler einen Überweg samt Ampel nutzen, um quasi auf der Trogseite des Hebewerks zu fahren sei durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung aufgehoben worden. Die Benutzungspflicht gelte nicht mehr.

Doch auch das alte Regelwerk hätte Unfälle nicht verhindert, da die Radler sich nicht an die rote Ampel gehalten haben beziehungsweise unvermittelt auf die Straße gefahren seien, sagt Bonow, der noch einmal zum Ortstermin nach Scharnebeck gefahren ist. Die Polizei schließt sich der Auffassung des Landkreises an.

So bleibt alles, wie es ist. Und es bleibt nur der Appell der Behörden, dort vorsichtig zu fahren und auf den Verkehr zu achten.

3 Kommentare

  1. Die Beschilderung der K30 ist an dieser Stelle derzeit für Autofahrer unzureichend. Aus Richtung Adendorf kommend, fehlt eine Temporeduzierung auf 70 km/h. Stattdessen wird die Geschwindigkeit auf der K30 derzeit von Tempo 100 km/h direkt auf 50 km/h geführt – unmittelbar vor der im Artikel diskutierten Gefahrenstelle. Ich beobachte an dieser Stelle regelmäßig und zahlreich Verkehrsteilnehmer die offensichtlich deutlich zu schnell unterwegs sind.

  2. …für mich kommt der Fahrradfahrer von rechts, es sind keinerlei Markierungen oder Schilder zu erkennen, die seine Vorfahrt einschränken. Eine ziemlich verrückte Verkehrssituation, wer ist für solch gefährlichen Irrsinn verantwortlich ??

  3. Dass benutzungspflichtige Radwege zur Überraschung aller Verkehrsteilnehmer auf freier Strecke, ohne die notwendigen baulichen Einfädelungs- und Überquerungshilfen, plötzlich beginnen und enden, ist im Landkreis Lüneburg nichts Ungewöhnliches, siehe: http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/146393-gemeinden-kommen-unter-die-raeder
    Einfach ein paar Striche auf die Fahrbahn pinseln reicht eben nicht. Man darf ja nicht vergessen, dass der Weg an der K 30 auch in Gegenrichtung (Richtung Adendorf) befahren werden muss und Radfahrer aus Scharnebeck deshalb an der Zufahrt zum Inselsee die Fahrbahn zu überqueren haben. Was an dieser Stelle nach Schulschluss so abgeht, mag man sich lieber nicht ausmalen – womöglich fühlen sich die Lütten durch die neue Markierung veranlasst, quasi als Geisterfahrer den Autos auf der Fahrbahn entgegenzuradeln…? Die Stadt LG ist da zum Glück schon weiter und hat solche wirren Fahrbahnmarkierungen wie an der Ochtmisser Bernsteinbrücke wieder entfernt, weil sie eine gefährliche Scheinsicherheit suggerieren. Wann wohl die Verantwortlichen endlich merken, dass Radwege die im Artikel beschriebenen Probleme nicht lösen, sondern das Problem s i n d???