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Müllersohn Ralf Brügmann erklärte Besuchern des Mühlenfestes die Funktionen des Artlenburger Galerieholländers anhand des Holzmodells. Foto: ina
Müllersohn Ralf Brügmann erklärte Besuchern des Mühlenfestes die Funktionen des Artlenburger Galerieholländers anhand des Holzmodells. Foto: ina

Schmuckstück mit Flügeln

ina Artlenburg. Für die vielen Besucher des 18. Windmühlen-Erntedank-Festes war der Gang durch die Artlenburger Mühle wie eine Reise in die Vergangenheit. Für Ralf Brügmann ist sie der Ort seiner Kindheit. „Mein Vater August arbeitete hier als Müller in der vierten Generation, und mein Bruder Hans-Jürgen und ich haben ihm dabei oft geholfen.“ Schon mit zehn Jahren haben sie im Untergeschoss die Kornsäcke an das Seil gebunden, das der Vater dann über eine Seilwinde nach oben zog. Einmal geschah dem kleinen Ralf dabei ein Missgeschick. „Ich konnte einen Finger nicht schnell genug aus dem Knoten lösen, und mein Vater zog mich samt Sack nach oben. Da haben wir beide einen tüchtigen Schreck bekommen.“ Diese schmerzhafte Erfahrung war einer der Gründe, warum sich der heute 55-Jährige für den Beruf Speditionskaufmann entschied, während sein Bruder der Familien­tradition folgte. Er ist einer der letzten Müller der Region.

1833 nahm Carl Brügmann die erste Holländermühle an dieser Stelle in Betrieb. Wie viele andere Windmühlen wurde auch sie ein Opfer der Flammen durch die bei einem Sturm heiß gelaufenen Bremsen. Aus Teilen einer Wasserschöpfmühle wurde die jetzige Mühle mit ihrem viereckigen Ziegelunterbau errichtet. 1994 stellte Hans-Jürgen Brügmann den Mahlbetrieb ein. Nach einer umfassenden Restaurierung mit Hilfe des 1996 gegründeten Windmühlenvereins ist die voll funktionsfähige Mühle hinterm Deich das Schmuckstück des 1700-Seelen-Ortes.

Am Mühlentag zu Pfingsten sowie beim Mühlenfest zu Erntedank kommen noch zahlreiche Besucher hinzu. Diesmal begann das Programm um 10 Uhr mit einem Erntedank-Gottesdienst in der St.-Nicolai-Kirche. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr unterhielt die Gäste bis er nachmittags von den „Bewicker Harmonikanten“ und der Countryband „Buffet“ abgelöst wurde. Fürs Auge gab es Tanzauftritte unter anderen von den „Trachtenlüdd ut di Elvmarsch“. Typische Mühlenbewohner waren früher die Mäuse, heute rennen sie nicht mehr über den Dreschboden, sondern tanzen auf zwei Beinen und heißen „Minimäuse“ und „Tanzmäuse“. Zudem traten die „Funny Dance Kids“ und weitere Gruppen des STV Artlenburg auf. Auch landwirtschaftliche Maschinen und alte Schlepper wurden präsentiert unter anderem eine historische Dreschmaschine.