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Die künftige Schweine­Insel am LBZ Echem: In der Mitte konventioneller Lehr- und Stallkomplex, links davon das ökologische Haltungssystem, rechts die Biogasanlage. Die großen Abstände zwischen den Ställen sind seuchentechnisch Pflicht. Foto: tja
Die künftige Schweine­Insel am LBZ Echem: In der Mitte konventioneller Lehr- und Stallkomplex, links davon das ökologische Haltungssystem, rechts die Biogasanlage. Die großen Abstände zwischen den Ställen sind seuchentechnisch Pflicht. Foto: tja

Die „Schweine-Insel“

off Echem. Die ersten Fressgitter sind eingebaut, fast alle Dächer gedeckt und die Silageplatten eingeweiht. Ein Jahr nach dem Baustart nimmt die Erweiterung des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums (LBZ) in Echem zunehmend Formen an und auch das Datum für die Einweihung steht. Am Sonnabend, 5. September, 2015 will die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Fertigstellung des Millionenprojektes mit einem großen Hoffest feiern. Was die Besucher dort erwartet, ist von Außen inzwischen deutlich zu erkennen.

Nahezu abgeschlossen sind die Rohbauarbeiten der „Schweine-Insel“. Anderthalb Kilometer außerhalb Echems entsteht auf rund zwölf Hektar die Lehreinrichtung mit Stallkomplexen, Besuchergängen, Lehrräumen, Hygieneschleuse, 75-Kilowatt-Biogasanlage, Strohlager und Regenrückhaltebecken. Alle Gebäude stehen, die letzten Dächer werden gerade gedeckt. „Im konventionellen Abferkelbereich wird bereits die Stalleinrichtung montiert“, sagt LBZ-Geschäftsführerin Martina Wojahn.

Dabei setzt das LBZ auch im konventionellen Stall mit 2500 Tierplätzen nicht nur auf ein, sondern auf verschiedene Haltungssysteme. „Im Abferkelbereich wird es zum Beispiel Freilaufbuchten geben“, erklärt Wojahn. „Außerdem werden wir in dem Bereich auf 100 Quadratmetern eine Art Zukunftsstall einrichten.“ Erprobt werden sollen dort neue, tiergerechtere Haltungssysteme. Das erste Projekt erarbeitet das LBZ gerade, das Ziel: „Wir wollen eine Gruppenhaltung für Sauen mit Ferkeln einrichten, eine Art Rotte“, sagt Wojahn.

Deutlich zu erkennen ist inzwischen auch der ökologische Stallkomplex für maximal 370 Tiere mit den Abteilen Mast, Ferkelaufzucht und Sauen sowie entsprechenden Ausläufen. Dahinter entstehen ein Strohlager und ein kleiner Quarantänestall, fast fertig sind auch die Becken für die Biogasanlage. Verwertet wird darin ausschließlich die in den Schweine- und Rinderställen anfallende Gülle, Pflanzenstoffe wie Maissilage werden nicht eingesetzt.

Die ersten Schweine werden voraussichtlich kommenden Sommer einziehen, nach und nach soll dann auf die angestrebte Tierzahl vergrößert werden. Seit wenigen Tagen steht auch fest, woher die Tiere stammen werden. „Die Ausschreibung hat das BHZP gewonnen“, sagt Wojahn. Und damit ein Unternehmen aus der Region. Das Bundes Hybrid Zucht Programm hat seinen Hauptsitz in Ellringen und ist seit mehr als 30 Jahren in der deutschen Schweinezucht aktiv.

Bei den Rindern kann das LBZ zum Großteil auf seine eigenen Tiere zurückgreifen, „voraussichtlich im Februar werden die Milchkühe aus den alten Ställen in den großen Boxenlaufstall umziehen“, erklärt Wojahn, „von dort aus werden dann die neu geborenen Kälber in den Kälberstall ziehen.“ Beide Gebäude stehen, sind nahezu komplett eingerichtet, „müssen aber noch vom Landkreis abgenommen werden“.

Statt bisher 75 werden in dem großen Stall künftig 85 Kühe gemolken. Auf klassische Weise. 60 weitere Kühe werden in den Stall mit automatischer Melktechnik ziehen allerdings frühestens im April, wenn auch der Roboter-Stall fertig ist. „Die 60 Kühe werden wir zukaufen“, sagt Wojahn. Ihnen wird genau wie den Artgenossen im anderen Stall ganzjährig ein Laufhof unter freiem Himmel zur Verfügung stehen.

Rund 25 Millionen Euro fließen in das Gesamtprojekt, hinzu kommen rund 2,8 Millionen Euro, die im kommenden Jahr in die Teilmodernisierung des Internats investiert werden. Ein Gesamtpaket, mit dem die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die überbetriebliche Ausbildung in den Bereichen Rind und Schwein künftig in Echem konzentrieren wird. Die bisherige Lehreinrichtung Schwein in Wehnen bei Oldenburg wird im Gegenzug geschlossen.