Donnerstag , 29. September 2016
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In unmittelbarer Nähe des Scharnebecker Aldi-Marktes soll ein Einkaufszentrum entstehen. Umliegende Gemeinden sehen das Vorhaben kritisch, Investoren, Gutachterin und Samtgemeindebürgermeister werben dafür. Foto: t&w
In unmittelbarer Nähe des Scharnebecker Aldi-Marktes soll ein Einkaufszentrum entstehen. Umliegende Gemeinden sehen das Vorhaben kritisch, Investoren, Gutachterin und Samtgemeindebürgermeister werben dafür. Foto: t&w

Einkaufszentrum der Zukunft?

emi Scharnebeck. Diskutiert wird der Bau eines neuen Einkaufszentrums (EKZ) in Scharnebeck schon lange, jetzt häuft sich die Kritik. Aus den umliegenden Gemeinden fürchtet unter anderem die Werbegemeinschaft Adendorf erhebliche Umsatzrückgänge. Und auch in der Kreisverwaltung gibt es Bedenken gegen das Vorhaben. Durch das neue EKZ würde der Scharnebecker Ortskern wichtige Funktionen verlieren, sagt Lüneburgs Kreisrätin Monika Scherf. Eine Sorge, die auch viele Scharnebecker Bürger teilen. Darauf reagieren jetzt die Verantwortlichen. Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn, Investoren und Gutachterin nehmen Stellung.

Wie berichtet, will der bereits am Schiffshebewerk ansässige Aldi erweitern. Geplant ist eine Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Discounter sollen zudem ein neuer Budnikowsky- (600 Quadratmeter) sowie ein Edeka-Markt (1500 Quadratmeter) entstehen. Der sogenannte „Koppelstandort“ aus Discounter, Lebensmittel- und Drogeriemarkt hätte damit eine Gesamtverkaufsfläche von 3300 Quadratmetern. Zu groß für eine im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) als „Grundzentrum“ eingestufte Gemeinde, finden die Adendorfer. Notwendig, entgegnen Samtgemeindebürgermeister und Investoren.

„Wir müssen uns den heutigen Kundenbedürfnissen stellen“, sagt etwa Florian Scholz, Leiter Immobilien und Expansion bei der Aldi Immobilienverwaltung. Barrierefreies Einkaufen ermöglichen, breitere Gänge haben, heller und freundlicher sein soll der erweiterte Discounter. Dafür sei eine gewisse Größe erforderlich.

Auch Edeka will sich fit für die Zukunft machen. Das Unternehmen betreibt derzeit noch einen 800 Quadratmeter großen Markt im Scharnebecker Ortskern, hat dort aber keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten. Am neuen Standort Schiffshebewerk sollen Kunden dagegen aus wesentlich mehr Artikeln auswählen können. Vergleichbare Edeka-Märkte führen zwischen 15000 und 20000 Produkte.

Für ein zeitgemäßes Vollsortiment sei eine Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern heute die Untergrenze, erklärt Regina Schroeder. Die Beraterin der Firma „Cima“ aus Lübeck hat das Verträglichkeitsgutachten zum geplanten Bau erstellt und dabei „sehr genau hingeschaut“. Konkurrenz würde das EKZ Scharnebeck demnach vor allem Auto-orientierten Standorten machen, etwa dem Supermarkt an der Adendorfer Bundesstraße oder dem Lüneburger Loewe-Center. „Nicht so sehr der Adendorfer Ortsmitte.“

Dem Argument Kaufkraftverlust setzt Schroeder entgegen: „Es wird ein Gleichgewicht hergestellt.“ Bisher sei ein Teil von Scharnebecks Kaufkraft an die benachbarten Gemeinden abgeflossen, der werde jetzt zurückgeholt. „Wir wollen, dass sich die Scharnebecker hier versorgen können.“

Dafür setzt sich auch Laars Gerstenkorn ein. Die jüngste Kritik hat ihn „vor allem in der Schärfe“ überrascht. „Es wird immer so getan, als gingen wir kilometerweit in die Feldmark. Dabei sind wir an der Wohnbebauung dran.“ Für die Scharnebecker sei die neue Einkaufsmöglichkeit „längst überfällig“.

Eine Verdrängung im eigenen Bereich will der Samtgemeindebürgermeister vermeiden. Und ist sich auch darin mit Regina Schroeder einig: „Frequenzbringer wie der Wochenmarkt, Apotheken und Dienstleister bleiben im Zentrum“, sagt die Gutachterin.

Derzeit befindet sich das Bauverfahren noch in der frühzeitigen Beteiligung. Im nächsten Schritt werden die Einwendungen von Bürgern, Nachbargemeinden und Trägern öffentlicher Belange bewertet. Gebaut werden könnte das EKZ frühestens 2016.