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Kirchenvorstandsvorsitzender Hartmut Rohstock (vorne) und Diakon Axel Küster im Inneren der Lüdersburger Orgel. Jahrelang haben sie für die Sanierung des Instruments Geld gesammelt, jetzt steht der nächste Sanierungsfall ins Haus: die Orgel in Hittbergen. Foto: t&w
Kirchenvorstandsvorsitzender Hartmut Rohstock (vorne) und Diakon Axel Küster im Inneren der Lüdersburger Orgel. Jahrelang haben sie für die Sanierung des Instruments Geld gesammelt, jetzt steht der nächste Sanierungsfall ins Haus: die Orgel in Hittbergen. Foto: t&w

Sorgenfall Kirchenorgel

off Lüdersburg/Hittbergen. Hartmuth Rohstock steht im Mittelgang der Lüdersburger Kirche und blickt zur Orgel hinauf. Zwischen kunstvoll geschnitztem Holz schimmern die Orgelpfeifen, ein Anblick, der den Vorsitzenden der Kirchengemeinde Lüdersburg/Echem/Hittbergen zum Strahlen bringen könnte. Nach Jahren ist es gelungen, genügend Geld für die Instandsetzung des fast 140 Jahren alten Instruments aufzubringen. Immerhin fast 70000 Euro. Doch Rohstock strahlt nicht, seine Gedanken kreisen an diesem Morgen um eine andere Orgel. Gerade mal viereinhalb Kilometer entfernt in der Hittberger Kirche. Dort hat der Schimmel das gesamte Instrument und eine Wand befallen. Für die Kirchengemeinde mit rund 1700 Mitgliedern und drei Kirchen eine kleine Katastrophe.

Zum Schutz der Gesundheit von Organist und Gemeinde hat der Orgelrevisor das Instrument gesperrt. „Und bis die Orgel schimmelsaniert ist, bleibt es dabei“, sagt Diakon Axel Küster. Es sind Probleme, mit denen nicht nur die Kirchengemeinde Lüdersburg/Echem/Hittbergen zu kämpfen hat. Seit Jahren werden immer mehr Orgeln von Schimmel befallen und immer weniger Kirchengemeinden wissen, wie sie die Sanierung bezahlen sollen.

In der Region schätzt Orgelrevisor Reinhard Gräler die Befallsquote auf 70 bis 80 Prozent. „Seit sieben, acht Jahren“, sagt er, „wird das Problem immer größer.“ Woher der zunehmende Schimmelbefall kommt, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. „Die einen Orgelbauer sehen die Ursache darin, dass viele Kirchen im Winter kaum oder gar nicht mehr genutzt und geheizt werden“, sagt Gräler, „andere sind der Meinung, energetische Sanierungsmaßnahmen zum Beispiel am Dach verhindern den Luftaustausch und begünstigen die Schimmelbildung.“ Die eine Ursache gibt es offenbar nicht. „Umso schwieriger ist es für uns, das Problem in den Griff zu bekommen“, sagt Gräler.

In der Lüdersburger Kirche werden Renovierung, Schimmelsanierung und Rückbau der Orgel in ihren Originalzustand spätestens Ende 2015 abgeschlossen sein. Und die Kirchengemeinde muss sich Gedanken machen, wie ein erneuter Schimmelbefall verhindert werden kann. „Es gibt automatische Lüftungssysteme, die helfen sollen“, sagt Hartmuth Rohstock. Doch auch die kosten mehrere Tausend Euro, und die Gemeinde wird sich die Investition nur schwer für alle drei Kirchen in Lüdersburg, Hittbergen und Echem leisten können. „Wir geben unser Bestes“, sagt Rohstock, „doch klar ist auch, wenn die finanzielle Situation so bleibt, wird es schwierig alle drei Orgeln auf Dauer zu erhalten.“

Für die Sanierung der Lüdersburger Orgel hat die Kirchengemeinde knapp 17600 Euro aus eigenen Mitteln und Spenden aufgebracht. 19000 Euro wird die Landeskirche übernehmen, 15000 Euro die Klosterkammer Hannover, 7000 Euro die „Landschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg“, 2500 Euro die Samtgemeinde Scharnebeck und 2000 Euro die Gemeinde Lüdersburg. „Wir hatten Glück, dass wir so viele Zuschüsse einwerben konnten“, sagt Rohstock. Selbstverständlich sind sie nicht.

Für die Instandsetzung der Hittberger Orgel wird die Kirchengemeinde nun erneut Geld sammeln, um Spenden werben, Benefizkonzerte veranstalten müssen. „Das kostet Kraft, die wir eigentlich bräuchten, um die Menschen in die Kirchen zu bekommen und diejenigen, die da sind, zu halten“, sagt Diakon Axel Küster.

Doch die Hittberger Orgel einfach verschimmeln lassen? Undenkbar, „zumal sie abgesehen vom Schimmel zu einer der besterhaltenen Orgeln im Norden gehört“, so Küster. Also wird die Kirchengemeinde nach Lüdersburg nun für Hittbergen kämpfen. Und hoffen, dass die Experten bald eine Lösung gegen den Orgelschimmel finden. Denn Beispiele wie aus Radegast zeigen: „Eine Orgel kann schon vier Jahre nach der letzten Reinigung wieder verschimmelt sein“, sagt Orgelrevisor Gräler. Und das kann keine Kirchengemeinde auf Dauer tragen.