Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Scharnebeck | Repair-Café Scharnebeck: Nichts ist für die Tonne +++ mit LZplay-Video
Timm Born aus Reppenstedt hat eine Stereo-Kompaktanlage auseinandergenommen. Der CD-Player rauscht, sagt der Reppenstedter, der in seinem Heimatort selbst ein Repair-Café eröffnen will. Foto: t&w
Timm Born aus Reppenstedt hat eine Stereo-Kompaktanlage auseinandergenommen. Der CD-Player rauscht, sagt der Reppenstedter, der in seinem Heimatort selbst ein Repair-Café eröffnen will. Foto: t&w

Repair-Café Scharnebeck: Nichts ist für die Tonne +++ mit LZplay-Video

sel Scharnebeck. Die Klingel krächzt, der Gepäckträger klappert und ein wenig schwergängig ist das rote Fahrrad von Jeremy auch geworden. „Irgendwie bremst es immer, bevor ich in den Rücktritt gehe“, erklärt der elfjährige Junge aus Scharnebeck. Wie gut, dass er am vergangenen Sonnabend, 1. November, zufällig am Gemeindehaus vorbeigeradelt ist, denn dort hatte sich von 14 bis 18 Uhr das Repair-Café eingerichtet. Und mit Joachim Gentzsch traf Jeremy auf einen wahren Zweirad-Experten. Gemeinsam brachten die beiden das Rad wieder in Schuss, jetzt klappert nichts mehr, die Kette schnurrt wie geschmiert und eine neue Klingel hat Jeremy selbst angeschraubt.

Jeremy (11) aus Scharnebeck hat Glück, denn im Repair-Café trifft er mit Joachim Gentzsch einen Zweirad-Experten. Foto: t&w
Jeremy (11) aus Scharnebeck hat Glück, denn im Repair-Café trifft er mit Joachim Gentzsch einen Zweirad-Experten. Foto: t&w

Joachim Gentzsch ist einer von rund zwölf Reparateuren, die dem Repair-Café ihr Fachwissen und ihre Tatkraft unentgeltlich zur Verfügung stellen. Immer mehr Scharnebecker nutzen dieses Service-Angebot, das die Initiatoren Stefan Block, Edwin Germer und ihr Team einmal monatlich kostenlos zur Verfügung stellen. „Die Idee kommt ursprünglich aus Holland“, erzählt Block. Gerade in ländlichen Regionen, wo mehr und mehr Menschen alleine leben und Reparaturen nicht selbst leisten können, setzen sich die Repair-Cafés durch. „Außerdem steckt die Idee der Nachhaltigkeit dahinter“, so Block weiter. Heutzutage lande vieles im Müll, was eventuell wiederhergestellt werden könne. „Wir möchten auch eine Art Sozialraum sein.“ Auch deshalb laden Kaffee und Kuchen die Nutznießer des Repair-Cafés auf einen gemütlichen Klönschnack ein. „Auch Kaffee und Kuchen sind umsonst. Aber wir sind natürlich auf Spenden angewiesen“, betonen Block und Edwin Germer. Dass die Gemeinde Scharnebeck ihnen einmal im Monat die schönen Räumlichkeiten hinter dem Gemeindehaus zur Verfügung stellt, sei eine große Hilfe. „Und nicht selbstverständlich. Viele Repair-Cafés müssen Räumlichkeiten extra anmieten. Wir sind der Gemeinde sehr dankbar für die Räumlichkeiten.“

An einem der zahlreichen Tische werkelt Timm Born an einer Stereo-Kompaktanlage herum. Der ausgebildete Elektroinstallateur, der als Berufsschullehrer arbeitet, hat den Korpus fachmännisch aufgeschraubt. „Das ist wegen der Spannungen nicht ungefährlich“, betont er. Born möchte bei den Scharnebeckern Erfahrungen sammeln, denn er will in absehbarer Zeit selbst ein Repair-Café in Reppenstedt eröffnen. Währenddessen hat Christiane Christiani eine Etage höher hinter ihrer Nähmaschine Platz genommen und kürzt gekonnt eine hübsche, rotweiße Tischdecke. Vor ihr stapeln sich drei Kissen, die sie aus ausrangierten Pullovern genäht hat. „Mein früherer Lieblingspulli ist jetzt mein Lieblingskissen“, erzählt die Adendorferin fröhlich. Die Kissen bietet sie zum Verkauf an, das Geld spendet sie dem Repair-Café.

Räder, Schulranzen, Koffer, Textilien und Elektrogeräte fast alles kann im Repair-Café auf Vordermann gebracht werden. Für Reparaturen von Geräten wie Waschmaschinen oder Elektroherden verweisen die Macher allerdings an die örtlichen Handwerker. Und nicht nur jede Menge Besucher mit derangierten oder ausrangierten Gegenständen kommen ins Repair-Café, auch neue freiwillige Helfer melden sich bei Wolfgang Sowislo vom Organisationsteam. In Scharnebeck wird die viel gepriesene Nachhaltigkeit in die Praxis umgesetzt das nächste Mal am 6. Dezember von 14 bis 18 Uhr.

Im kommenden Jahr wird dann jeder zweite Sonnabend im Monat ein Repair-Café-Termin in Scharnebeck sein. Auch in der Stadt Lüneburg gibt es regelmäßig ein „Reparaturcafé“, immer am ersten Sonntag im Monat im Kunstcafé „Mondbasis“ (Lünertorstraße 20) ab 15 Uhr.