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Ehrenamtlich im Einsatz für Schlichtung und Mediation sind die Scharnebecker Schiedsleute Helga Vollert-Wessel und Edmund Zange. Foto: cw
Ehrenamtlich im Einsatz für Schlichtung und Mediation sind die Scharnebecker Schiedsleute Helga Vollert-Wessel und Edmund Zange. Foto: cw

Schiedsleute: Schlichter unter Nachbarn

cw Scharnebeck. Die Hecke ist zu hoch, die Garage steht zu dicht am Zaun, der Besuch des Nachbarn steht immer auf dem Parkplatz des Mieters es sind oft Kleinigkeiten, an denen sich Gemüter erhitzen. Kein Wunder, dass Nachbarschaftsstreitigkeiten zu den häufigsten Einsatzgebieten der Schiedsleute gehören. Ihre Aufgabe ist es zu schlichten statt zu richten, zu vermitteln und gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen zu finden, ohne dass Anwälte und Gericht eingeschaltet werden müssen.

Helga Vollert-Wessel (75) und Edmund Zange (69) sind die Schiedsleute für Scharnebeck. „Zwei Drittel aller Fälle können wir tatsächlich durch einen Vergleich lösen“, sagt Helga Vollert-Wessel. Dabei ist das Ganze vertraulich und vergleichsweise günstig: Etwa 25 Euro zahlt man für die Bemühungen der Schiedsleute. „Bei einer Einigung bekommen die beiden Parteien einen vollstreckbaren Vergleich, der 30 Jahre lang gültig ist“, so Edmund Zange. Dafür gibt es sogar ein eigenes Amtssiegel.

Seit 2011 übernehmen Schiedsleute nicht nur Streitigkeiten, sondern auch kleinere Straftaten. „Meist verweisen Polizei oder Anwälte auf uns, denn viele wissen gar nicht, dass sie die Schiedsleute für ihr Anliegen in Anspruch nehmen können“, sagt Zange. Das Verfahren ist denkbar einfach: Man ruft die Schiedsleute einfach an. „Wir versuchen dann möglichst schnell einen Termin zu machen“, erklärt Helga Vollert-Wessel. „Das ist ganz wichtig, um die Leute erst einmal zu beruhigen.“ Meist gibt es bereits am gleichen Tag ein Treffen.

Für die beiden Schiedsleute ist klar: Jeder muss mit seinem Anliegen ernst genommen werden, nur dann kann man überhaupt ins Gespräch kommen. „Wir sind neutral. Hören uns beide Seiten an und versuchen dann Lösungen zu finden.“

Schiedsleute werden für fünf Jahre vom Samtgemeinderat gewählt. Wählbar ist jeder, der 25 Jahre alt ist, reden, schreiben und zuhören kann und nicht vorbestraft ist. Ein bisschen Lebenserfahrung sollte man mitbringen, aber das Fachwissen, das man braucht, bekommt man über Lehrgänge, die die Samtgemeinde bezahlt.

Helga Vollert-Wessel ist bereits seit acht Jahren im Amt. „Ich arbeite gern mit Menschen und mich macht es glücklich dazu beizutragen, dass sie sich anschließend die Hände schütteln können.“ Dabei sieht sie durchaus auch eine christliche Komponente in ihrer Arbeit. „Es ist schade, dass ich so alt bin“, seufzt die ehemalige Schulleiterin. „Ich würde das gern noch lange weitermachen.“

Edmund Zange ist seit dreieinhalb Jahren im Amt. Das Zuhören und Vermitteln kennt er aus seiner Betriebsratsarbeit. „Es macht Spaß, Wege zu finden, mit denen beide Seiten leben können.“

Schiedswesen

Das Schiedswesenwurde vor mehr als 150 Jahren in Preußen als Bestandteil bürgerlicher Selbstverwaltung ins Leben gerufen. Die ursprüngliche Satzung gilt im Wesentlichen bis heute. Erst seit 1984 dürfen auch Frauen Schiedsleute werden. Das Schiedswesen ist Ländersache. In Niedersachsen regeln das Niedersächsisches Gesetz über gemeindliche Schiedsämter (NSchÄG) und das Niedersächsisches Gesetz zur obligatorischen außergerichtlichen Streitschlichtung (NSchlG) die Details.

Edmund Zange erreicht man unter Tel. 04136/8615 und Helga Vollert-Wessel unter Tel. 04136/8358.

2 Kommentare

  1. Kerstin Grönwall

    Der Ansatz ist super, gerade weil sich immer mehr über Kleinigkeiten gestritten wird und Gerichte mit der Arbeit überlastet sind. Leider gibts auch unter Schlichtern geltungsbedürftige Personen, die sich als moralische Instanz aufschwingen wollen. Eigenmächtig wird im privaten Umfeld „recherchiert“, bei Vereinen böswilliger Tratsch in Gang gesetzt und Vertraulichkeiten des Verfahrens preis gegeben. In den Verhandlungen wird sich mit einer Partei verbrüdert etc. Letztendlich mehr geschadet als genutzt und die Frage bleibt, wie man sich dagegen wehren kann. Leider alles erlebt.

    • Sehr geehrte Frau Grönwall, da sie sich auf einen Bericht der Landeszeitung beziehen, gehe ich davon aus sie kommen aus dieser Region. Für unseren Bereich, dem Landgerichtsbezirk Lüneburg, existiert für uns Schiedsleute unsere Bezirksvereinigung Lüneburg. Wenn sie also solche absurden Erlebnisse mit den Schiedsleuten gemacht haben dann wäre es doch sinnvoll diese Erfahrungen diesem Vorstand kundzutun. Ich finde, sie haben pauschal den ehrenamtlichen Schiedsleuten einen Tritt in den Hintern versetzt, den diese einfach nicht verdient haben. Nennen sie dem Vorstand Namen und schildern sie ihre Kritik. Wenn sich ihre Schilderungen wirklich so bewahrheiten, dann muss dieses auch erörtert werden. Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und haben einen Eid geleistet, der uns verpflichtet, unparteiisch tätig zu sein. Wir sind keine Juristen, das ist auch nicht nötig. Denn wir sprechen keine Urteile, sondern finden zusammen mit den beiden Parteien eine Lösung Ihres Problems, mit der beide einverstanden sind. Selbstverständlich werden wir für diese Tätigkeit regelmäßig geschult und ausgebildet. Wir unterliegen außerdem einer ständigen Aufsicht und Qualitätskontrolle durch die Direktorinnen und Direktoren der für uns zuständigen Amtsgerichte. Ich würde es fair von ihnen finden, wenn sie statt viel „heißer Luft“ jetzt Taten folgen lassen. Es geht ganz einfach, klicken sie im Internet die Seite – Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. – und weiter zur – Landesvereinigung Niedersachsen – unter Kontakte können sie dort ihre Erfahrungen schildern und der Landesvereinigung mitteilen. Mit freundlichen Grüßen Edmund Zange