Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Entscheidung für die Tonne

kre Lüneburg. Papier ist geduldig  Papier ist launisch. Erkenntnisse, denen Hubert Ringe wohl kaum widersprechen mag. Schließlich hat Papier dem Vorstand des Lüneburger Entsorgers GfA mit Sitz in Bardowick auch schon die eine oder andere schlaflose Nacht, auf jeden Fall aber einiges Kopfzerbrechen bereitet.

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass in Stadt und Landkreis Lüneburg die blaue Tonne eingeführt wurde. Zu einer Zeit, als für die Tonne Altpapier Höchstpreise bezahlt wurden und auf dem Markt Goldgräberstimmung herrschte wie weiland am Klondike Creek. Doch dann kam die Weltwirtschaftskrise. Die Erlöse für Altpapier rutschten ins Bodenlose. Und damit nicht genug: Fast zeitgleich lieferten sich der private Mitbewerber Remondis und die GfA juristische Scharmützel vor den Gerichten.

Heute, fünf Jahre später, sind die Startschwierigkeiten von damals  genauso wie das Altpapier selbst  ein Fall für die Tonne. Und Hubert Ringe sagt: ,,Die Entscheidung war richtig, die blaue Altpapiertonne flächendeckend einzuführen. Sonst hätten das Geschäft andere gemacht.“

Rund 40000 blaue Tonnen mit der GfA-Aufschrift stehen heute in Stadt und Landkreis Lüneburg. Damit ist die GfA in heimischen Gefilden klar Marktführer. Mitbewerber Remondis bringt es nach Ringes Worten auf etwa 4000 blaue Tonnen.

Das ganz große Geld lässt sich derzeit ohnehin nicht mit Altbedrucktem verdienen. ,,Der Preis für die Tonne Altpapier liegt bei etwa 35 Euro“, sagt der GfA-Vorstand im Gespräch mit der Landeszeitung. Das ist weit von den Spitzenerlösen entfernt, die auch schon deutlich über 100 Euro lagen, doch unzufrieden klingt Hubert Ringe trotzdem nicht. Schließlich gabs auch schon Zeiten, in denen die GfA mit mageren fünf Euro die Tonne kalkulieren musste.

Doch ausgerechnet in der Zeit, als die GfA die blaue Tonne flächendeckend einführte, brach der Altpapiermarkt ein  und was vorher in der Politik noch als richtig galt, wurde plötzlich in Frage gestellt. Die Anschaffungskosten von rund einer Million Euro für die blauen Tonnen waren auf einmal ein heiß diskutiertes Thema  GfA-Vorstand Hubert Ringe, damals noch Geschäftsführer, geriet unter Druck.

Erschwerend kam für die GfA hinzu, dass die Gesellschaft  letztlich politisch gewollt  nur mit vergleichsweise wenig Eigenkapital ausgestattet war: „Wenn die Preise für Altpapier innerhalb kürzester Zeit um 70 Euro und mehr abstürzen, kann es schnell schon mal vorkommen, dass es zu einem Einnahme-Minus von einer Million Euro und mehr kommt“, erläuterte Ringe seinerzeit und fügte hinzu: „Die Kosten dagegen laufen unverändert weiter.“

Für die Müllgebühren-Kalkulation in Stadt und Landkreis sind die Erlöse aus dem Altpapier jedoch eine ausgesprochen wichtige Größe. Ringe erklärt warum: „Die Entgelte fließen zu 100 Prozent in die Gebührenberechnung ein. Oder anders ausgedrückt: Gute Preise beim Altpapier entlasten letztlich auch den Gebührenhaushalt  und damit die Bürger.“

Rund 16000 Tonnen Altpapier sind es jetzt jährlich, die die GfA mithilfe der blauen Tonnen einsammelt. ,,Diese Menge ist relativ stabil, große Schwankungen sind da nicht mehr zu erwarten“, sagt Ringe und fügt hinzu: ,,Im Gegenzug konnten wir sogar einen Teil unserer Papier-Container reduzieren.“

Doch bei aller Diskussion ums Geld will Ringe auch einen weiteren Aspekt nicht aus den Augen verlieren: „Wir betreiben Abfallwirtschaft, wir senken die Müllmenge und dadurch Kosten, und vor allem führen wir Wertstoffe zurück in den Kreislauf.“ Für den GfA-Vorstand ist das aktiver Umweltschutz.