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„Hohnstorf darf nicht ausbluten“

off Hohnstorf/Echem. Der Rettungsplan für die Grundschule Echem steht – doch was bei den Eltern vor Ort Erleichterung ausgelöst hat, sorgt bei den Eltern aus Hohnstorf, Lüdersburg und Hittbergen jetzt für Empörung. Sie wollen die vom Schulausschuss der Samtgemeinde Scharnebeck empfohlene Änderung der Schulbezirke verhindern und machen kurz vor der entscheidenden Ratssitzung am Mittwoch, 26. Juni, mobil. Ihre Forderung: Der freie Elternwille bei der Schulwahl muss erhalten bleiben – notfalls auch, wenn es das Aus für die Außenstelle der Grundschule Hohnstorf in Echem bedeutet.

Wie berichtet, sucht die Politik bereits seit Jahren nach einer Lösung, um die Echemer Grundschule trotz sinkender Schülerzahlen zu erhalten. Geprüft wurden bereits verschiedene Möglichkeiten, die allerdings fast alle daran scheiterten, dass der Zuspruch der Eltern außerhalb von Echem fehlte. Auch der aktuelle Rettungsplan, wonach Kinder aus den Gemeinden Lüdersburg und Hittbergen künftig statt in Hohnstorf in Echem eingeschult werden, sollte zunächst mit der Rückendeckung der Eltern umgesetzt werden. Als die ausblieb, entschied sich der Schulausschuss Anfang Juni gegen die Stimmen der SPD dafür, die Variante mit Zwang durchzusetzen – und die Schulbezirke zum 1. August 2013 zu ändern.

Stimmt am Mittwochabend, 26. Juni, auch der Samtgemeinderat für diese Lösung, müssen die Eltern aus den Gemeinden Hittbergen und Lüdersburg ihre Kinder künftig in Echem einschulen – obwohl sich die Mehrheit von ihnen in einer Elternbefragung bereits für Hohnstorf ausgesprochen hat. Ob die Regelung schon für den diesjährigen Einschulungsjahrgang gilt, wird laut Verwaltungschef Laars Gerstenkorn derzeit geprüft. Schon jetzt haben betroffene Eltern allerdings angekündigt, Ausnahmegenehmigungen zu beantragen, damit ihre Kinder trotz Schulbezirk künftig in Hohnstorf eingeschult werden.

Empört über die geplante Regelung sind allerdings nicht nur Eltern aus den Gemeinden Hittbergen und Lüdersburg. Auch die Mütter und Väter aus Hohnstorf sind wütend. Ihr Hauptvorwurf: Um die Außenstelle in Echem zu erhalten, soll der Hauptstandort Hohnstorf geschwächt werden. „Werden die Schüler aus Hittbergen und Lüdersburg in Zukunft abgezogen, wäre Hohnstorf nicht mehr zwei-, sondern nur noch einzügig“, kritisiert Elternvertreterin Ira Kuchenbecker und fordert: „Hohnstorf darf nicht ausbluten!“

In einem offenen Brief an die Mitglieder des Samtgemeinderates beklagen Kuchenbecker und ihre Mitstreiter aus dem Hohnstorfer Schulelternrat zudem, dass an zwei schwachen Schulstandorten ein breites Angebot für die Kinder nicht aufrechtzuerhalten wäre. „Heute werden in Hohnstorf viele AGs angeboten, es gibt eine Nachmittagsbetreuung, Förderverein und Eltern sind sehr engagiert“, sagt Kuchenbecker. „Um das aufrechtzuerhalten, braucht es auch in Zukunft eine gewisse Anzahl an Kindern.“

Die Echemer Eltern wiederum werben seit Wochen für die Änderung der Schulbezirke zur Rettung ihrer Grundschule. Ihre Argumente: Die Echemer Schule sei im Gegensatz zum denkmalgeschützten Gebäude in Hohnstorf neu und behindertengerecht, eine Schließung würde einen starken Attraktivitätsverlust für den Wohnort Echem und das geplante Neubaugebiet bedeuten.

Für die Mitglieder des Samtgemeinderates bedeutet das: Egal, wie sie entscheiden, sie werden sich gegen den Willen von Eltern entscheiden müssen – und damit entweder den Zorn der Hohnstorfer, Lüdersburger und Hittberger oder der Echemer auf sich ziehen.

Der Rat tagt am Mittwoch, 26. Juni, 19.30 Uhr, in der Domäne Scharnebeck.