Donnerstag , 29. September 2016
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Ministerpräsident ist ein Fan des Schifffahrstuhls

ca Scharnebeck. Der Ministerpräsident war begeistert wie ein Junge, der zum ersten Mal mit einem Technikbaukasten spielt. „Alles wie bei Märklin, nur viel größer“, schwärmte Stephan Weil, als er mit einem der Tröge des Schiffshebewerks nach oben fuhr. An 240 Stahlseilen wird die große Wanne nach oben gefahren, inklusive Gegengewichten bewegen vier Elektromotoren 12 000 Tonnen Gewicht 38 Meter hoch. Im Nu hatte Weil verstanden, was so gewaltig anmutet, ist eigentlich zu klein. Hubert Kindt und Martin Köther von der Generaldirektion für Wasserstraßen und Schifffahrt erklärten ihm, dass Schiffe maximal 100 Meter lang sein dürfen, um den Fahrstuhl nutzen zu können, doch mancher Schubverband sei heute doppelt so lang. Also soll parallel eine Schleuse her.

Für eine Erweiterung will Weil sich einsetzen: Der Ausbau sei eines der „zentralen Projekte“, die Hannover in Berlin vertreten wolle, das Hebewerk solle für Niedersachsen an herausragender Stelle im Bundesverkehrswegeplan verankert werden, der 2015 verabschiedet wird. Der Ausbau sei für den Norden wichtig, denn „der Hamburger Hafen hat gewaltige Zuwachsraten“, also müsse dessen Anbindung verbessert werden, das gelte für Straße und Schiene, aber eben auch für den Wasserweg.

Weil hatte am ersten Tag seiner Sommerreise zwischen Elbe und Harz auch im Landkreis Lüneburg Station gemacht. Er war erst kürzlich hier, auch da war die Elbe sein Thema, da ging es allerdings um die Sicherheit der Deiche, der Fluss war durch das Hochwasser bedrohlich angeschwollen.

Weil frotzelte Landrat Manfred Nahrstedt an: „Manni, du sagst Bescheid, wenn ich dir hier über bin und nicht mehr in deinen Landkreis kommen soll.“ Doch der Verwaltungschef hat seinen SPD-Parteifreund ganz gerne zu Gast, denn er erhofft sich, dass Weil sich für die Region stark macht. Auch die SPD-Bundestagskandidatin Hiltrud Lotze und die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers liefen im Tross einer halben Hundertschaft Journalisten mit, die Weil auf seiner Polit-Tour durchs Land begleitet.

Schröder-Ehlers machte Weil und seinen Begleitern deutlich, dass man parteiübergreifend für einen Ausbau in Scharnebeck sei, um die Wasserstraße besser zu nutzen. Die Behördenvertreter Kindt und Köther zeigten Weil vom Trog aus, was nötig wäre: Im Waldstück Richtung Adendorf sollte eine Schleuse gebaut werden, um längere Schubverbände fahren lassen zu können. Doch auf das seit 1976 in Betrieb befindliche Hebewerk, das gerade für 50 Millionen Euro saniert wird, können man nicht verzichten – schließlich müsse der Betrieb weiterlaufen. Bei aller Begeisterung, mit der die Fachleute für den Ausbau warben, war auch ihnen klar, dass dafür eine Menge politisch bewegt werden muss. Denn auf der Prioritätenliste der Infrastrukturprojekte der Nordländer ist die Instandsetzung des Nord-Ostsee-Kanals ganz weit oben angesiedelt, weil von internationaler Bedeutung. Neue Anlagen in Scharnebeck sind mit Kosten von 250 Millionen Euro kalkuliert, kein Pappenstiel. Doch Weil betonte noch einmal, der Ausbau solle weit oben im Verkehrswegeplan angesiedelt werden.