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Selbst ist die Frau

sel Artlenburg. Der Spruch „Reifenwechsel ist Männersache“ war gestern. Das finden zumindest immer mehr Frauen und beschäftigen sich mit diesem bis dato überwiegend männerspezifischem Thema. So auch die Landfrauen aus Hohnstorf, Hittbergen und aus Echem, die allesamt bereits den Kfz-Betrieb von Jochen Ritter in Hohnstorf besucht und sich dort in die Materie eingearbeitet haben. Jetzt waren Chef Ritter und sein Kfz-Meister Frank Brinkmann in Artlenburg, um im Biergarten des Gasthauses Nienau den Landfrauen aus Artlenburg und Avendorf den Reifenwechsel nahe zu bringen.

Während Jochen Ritter einem Teil der Frauen den Motor eines Kleinwagens erläutert und einen arg verdreckten und somit wirkungslosen Pollenfilter zeigt, befreit Frank Brinkmann den linken Hinterreifen eines Golf von seiner Radkappe und setzt den Wagenheber an. „Am besten ihr habt immer ein Brett dabei, dann hat der Wagenheber einen stabilen Halt“, erklärt der Experte.

Und er zeigt den Frauen die Markierungen unten neben der Fahrertür, an denen der Wagenheber angesetzt wird. Beim Golf von Monika Eckert, der Vorsitzenden des Landfrauenvereins Artlenburg-Avendorf, sind es Dreiecke. „Aber bevor ihr loslegt, immer einen Gang einlegen und die Handbremse anziehen. Damit das Auto nicht ruckelt beim Reifenwechsel.“

Mit wenigen Handbewegungen hebt sich der Wagen, dann geht’s ans Schraubenlösen („Der Schlüssel zeigt immer nach vorne zur Motorhaube“), dem schwierigsten Teil der Aktion. Was bei Brinkmann leicht aussieht und mit einem kurzen, kraftvollen Schlag gelingt, fällt den Frauen schwerer. „Ihr könnt euch auch auf den Schlüssel stellen“, gibt er den Frauen einen Tipp. Und am besten sollten sie sich zusätzlich einen verlängerten Radmutterschlüssel für rund zehn Euro besorgen, denn mit diesem „verlängerten Arm“ lässt es sich leichter schrauben, besser gesagt: treten.

Monika Eckert versucht sich an der nächsten Schraube – und zwar mit vollem Körpereinsatz. Sie stellt sich auf den Schlüssel, wippt und wippt, bis sich endlich die Schraube löst. Anschließend löst Susanne Jacobsen mit einem kraftvollen Tritt die nächste Schraube, bis schließlich der Reifen abgenommen werden kann. Jetzt kommt der Ersatzreifen zum Einsatz – vorausgesetzt, es gibt einen, denn in den neuen Fabrikaten sind Ersatzreifen nicht mehr vorgesehen. „Den Ersatzreifen mit beiden Händen ansetzen und zwar auf das Schraubengewinde“, erklärt Brinkmann.

Dann wiederholt sich das Vorgehen, allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Der Ersatzreifen wird festgeschraubt, die Radkappe kommt an ihren gewohnten Platz, der Wagenheber wandert wieder in den Kofferraum. Die Artlenburgerinnen lernen schnell.

Für die meisten ist es der erste eigene Reifenwechsel. „Ich habe schon mal zugeguckt. Immerhin“, wird kichernd verraten. Und Monika Eckert erklärt, warum sie sich keine sportlichen Schuhe angezogen hat für diese sportliche Übung. „Na, ich will doch den Ernstfall üben. Wenn ich das nächste Mal ins Theater nach Lüneburg fahre, habe ich auch keine Sportschuhe dabei.“