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Verbranntes Lebenswerk

off Bockelkathen. Es ist Donnerstag, kurz vor halb vier, Tag acht nach dem Großfeuer. Uwe Hagemann steht vor den Überresten seiner Maschinenhalle und ringt um Worte. Mit gläsernen Augen schaut er vom abgebrannten Mähdrescher zu den Resten der Saatmaschine, dann fällt sein Blick auf eine Reihe Schraubenschlüssel, die scheinbar unversehrt an einer schwarzverkohlten Wand hängen. Er schluckt, sagt: „Die Werkstatt, die tut weh.“ Ersatzteile, Werkzeuge, Schrauben, Schellen, all das, was er über Jahrzehnte zusammengesammelt hat, einfach weg. Uwe Hagemann dreht sich um und geht weiter. Die Fassungslosigkeit ist fast genauso hartnäckig wie der Geruch nach verbranntem Plastik. Auch sie versucht der Bauer seit der Gewitternacht des 20. Juni vergeblich wieder loszuwerden.

Ein Blitz setzt die Maschinenhalle des Bockelkathener vor einer Woche in Brand, mit mehr als 130 Leuten sind die Scharnebecker Feuerwehren stundenlang im Einsatz. Hagemann selbst muss den Löscharbeiten vom Straßenrand aus zusehen, „irgendwann haben die mir aus Sicherheitsgründen Hofverbot erteilt“, sagt er. Bis dahin versucht der Landwirt noch, so viele Maschinen wie möglich zu retten, fährt den Häcksler, vier Schlepper und den Teleskoplader aus der brennenden Halle. Alle anderen Maschinen, seine Anhänger, die Feldspritze, der Heuwender, der Mähdrescher verbrennen vor seinen Augen. Zurück bleibt am frühen Donnerstagmorgen eine 50 mal 25 Meter große Brandruine. Und die Frage: Was nun?

Vieles hat Uwe Hagemann inzwischen geregelt. Die Versicherung weiß Bescheid, die Gutachter waren da, erste Angebote für neue Maschinen sind eingeholt, er hat mit verschiedenen Hallenbauern und Abräumfirmen gesprochen. Der Landwirt und Lohnunternehmer gibt sich die größte Mühe, den Weg zurück in die Normalität so schnell wie möglich zu bewältigen. Doch noch immer herrscht auf seinem Hof Ausnahmezustand. „Vor allem die verbrannte Halle muss endlich weg“, sagt er. Und mit ihr der Brandgeruch, der seit Tagen über seinem Zuhause liegt. Bis Weihnachten, hofft Hagemann, steht die neue Halle, für ihn mit das Wichtigste. „Kein Dach über dem Kopf zu haben und die Maschinen unter freiem Himmel stellen zu müssen, das ist wirklich furchtbar“, sagt er.

Nach und nach wird Uwe Hagemann auch die verbrannten Maschinen ersetzen, mit einem neuen, gebrauchten Mähdrescher bestreitet er in wenigen Wochen das Erntegeschäft. Keine zwei Tage sind nach dem Brand vergangen, da haben ihm telefonisch schon die ersten Landhändler Maschinen angeboten. „Auch die haben offenbar Zeitung gelesen“, sagt Hagemann, der in der letzten Woche so viele Anrufe bekommen hat, wie in den letzten zwei Monaten nicht. Freunde wollten wissen, ob sie helfen können. Bekannte fragten nach, wie es ihm geht. Vertreter von Behörden, Verbänden, Firmen und Versicherungen wollten Auskunft haben. Schön auf der einen Seite. Purer Stress auf der anderen.

Uwe Hagemann ist kein Typ, der gern im Mittelpunkt steht, niemand, der mit großen Worten sein Schicksal bedauert. „Ich bin nur froh, dass niemand beim Brand verletzt wurde“, sagt er. „Und jetzt muss es eben weitergehen.“ Vielmehr weiß er dazu nicht mehr zu sagen. Zumindest jetzt nicht. Um halb fünf hat sich der Hallenbauer angekündigt. Und Uwe Hagemann hat sich vorgenommen, nach vorn zu gucken.