Aktuell
Home | Lokales | lokale Wirtschaft | Firma will Gehälter kürzen
Bei Johnson Controls in der Goseburg muss gespart werden. Geht es nach der Werksleitung des Automobilzulieferers, sollen die Mitarbeiter auf etwa zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. Foto: A/ca
Bei Johnson Controls in der Goseburg muss gespart werden. Geht es nach der Werksleitung des Automobilzulieferers, sollen die Mitarbeiter auf etwa zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. Foto: A/ca

Firma will Gehälter kürzen

ca Lüneburg. Noch im Mai klang es nach einer positiven Zukunft für die beiden Lüneburger Johnson-Controls-Werke: Aus anderen Betrieben werde Produktion verlagert. Doch nun kommen auf die mehr als 1000 Beschäftigten und die 100 Leiharbeiter Einschnitte zu: Die Werksleitung des Autozulieferers hat an die Mitarbeiter Fragebögen verteilen lassen, sie sollen Auskunft darüber geben, wo sie sich persönlich Kürzungen vorstellen könnten. Das Ziel ist allerdings im Anschreiben klar formuliert: 4,5 Millionen Euro sollen pro Jahr eingespart werden, macht pro Nase etwa zehn Prozent Gehaltsverzicht. Die zuständige Gewerkschaft Bergbau Chemie Energie (BCE) sieht zwar die angespannte Lage der Branche, von dem Fragebogen hält sie aber nichts, und sie stellt auch infrage, ob es ein Minus bei den Einkommen geben muss.

Das Begleitschreiben an die Beschäftigten umreißt das Problem: Bei VW habe man den Auftrag „Touran Instrumententafel und Türverkleidung“ nicht gewinnen können: „Dort fehlten jeweils circa 10 Euro im Angebotspreis für die Teile, um den Auftrag vom Kunden zu erhalten.“ Also müsse man günstiger werden, wenn sich die Werke an der Lüner Rennbahn und in der Goseburg um neue Aufträge bemühen.

Konzernsprecherin Astrid Schafmeister betont, das „Marktumfeld ist schwierig“, und dass man „nicht nur auf Personalkosten, sondern auch auf Ausgaben bei Logistik, Verwaltung und Einkauf blickt. Die Lohnkosten sind nur ein Faktor, um wettbewerbsfähig zu bleiben“. In diesem Zusammenhang werde auch, wie berichtet, ein Werk in Peine geschlossen und die Produktion nach Lüneburg verlagert: „Die bisher in Peine produzierten Slush-Häute werden im Sinne einer integrierten Produktion direkt in den weiteren Fertigungsprozess in Lüneburg eingebunden, wodurch auch Logistikkosten eingespart, Materialbestände reduziert und Abläufe effizienter gestaltet werden.“

Der zuständige Hamburger BCE-Gewerkschaftssekretär Oliver Venzke bestreitet nicht, dass die Lage angespannt ist, gemeinsam mit Betriebsrat und Unternehmensleitung sei man daher im Gespräch, um nach Lösungen zu suchen: „Aber den Fragebogen jetzt zu verteilen, ist nicht sonderlich klug, das bringt nur Unruhe.“ Die Arbeitnehmervertreter wollen „nicht nur auf die Personalkosten schauen, wir müssen gucken, wo man sonst effizienter werden kann. Eine Lohnreduzierung ist nicht hinnehmbar, schon gar nicht in dieser Höhe“. Seine Stichworte bei den Kosten sind unter anderem Fahrwege.

Venzke spricht von einem „ruinösen Wettbewerb“ und einem „Bereinigungsprozess“ der Branche. Das gelte nicht nur für Johnson Controls, sondern ebenso für andere Firmen. Dem Gewerkschafter ist ein Dorn im Auge, dass die Konzerne zum Teil hier Werke schlössen, um in Osteuropa neue zu eröffnen – dort kann günstiger produziert werden. Der Sekretär hält dem entgegen, gerade in Lüneburg seien die „Kostenstruktur und die Qualität gut“.

Veränderungen dürften Johnson Controls auf jeden Fall ins Haus stehen. Denn nicht nur in Peine will sich der Konzern verabschieden. Das Unternehmen lässt einem Bericht der Westdeutschen Zeitung zufolge im nächsten Jahr auch in Gref-rath in Nordrhein-Westfalen die Lichter ausgehen, obwohl man dort rentabel arbeite. Der dortige Geschäftsführer soll die Lage so umrissen haben: „Wir haben in Deutschland zehn Standorte, aber nur Arbeit für sieben.“