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Die 600 Beschäftigten des Pickenpack-Werks an der Lüner Rennbahn blicken in eine ungewisse Zukunft, 75 Kollegen sollen ihre Jobs verlieren. Mancher fürchtet, dass dem Standort das Aus droht. Fotos: ca
Die 600 Beschäftigten des Pickenpack-Werks an der Lüner Rennbahn blicken in eine ungewisse Zukunft, 75 Kollegen sollen ihre Jobs verlieren. Mancher fürchtet, dass dem Standort das Aus droht. Fotos: ca

Das große Schweigen

ca Lüneburg. Die Enttäuschung steht den Beschäftigten gestern Mittag ins Gesicht geschrieben, als sie nach der Frühschicht durch das Werkstor von Pickenpack kommen. Auch bei der Betriebsversammlung hat das Management die Männer und Frauen im Dunkeln darüber gelassen, wie es an der Lüner Rennbahn weitergehen soll. Mancher hat Angst, seinen Namen zu nennen. „Ich bin geschockt“, sagt ein Arbeiter. „Die haben keine Fragen beantwortet.“ Ein anderer sagt fast resigniert: „Ich bin 30 Jahre im Betrieb. So wie jetzt ist es noch nie gewesen. Die sagen uns nix, halten uns nur hin.“

Der Tiefkühlfischproduzent will in den kommenden Wochen 75 Jobs streichen. Doch für viele, die dort seit Jahren beispielsweise Fischstäbchen herstellen, geht es um mehr. Sie fragen sich, ob der Standort an der Ilmenau nicht über kurz oder lang geschlossen wird. Für die unterschiedlichen Schichten gab es zwei Betriebsversammlungen. Doch am Ende blieben die Mitarbeiter ratlos zurück. Zwar hätten die Chefs wie der Isländer Finnbogi Baldvinsson gesprochen, erzählen die Arbeiter. Doch so wie es Marcus Behne beschreibt, empfinden es wohl viele: „Es gab keine Antworten auf unsere Fragen. Die reden nicht Klartext mit uns.“ Das verbittert viele der Beschäftigten, denn nicht wenige arbeiten seit langen Jahren für das Unternehmen.

Nachfragen der LZ hatten wie schon in der Vergangenheit auch gestern keinen Erfolg. Als man in den Vorjahren angebliche Erfolge, Ausbauten und Produkte vorstellen wollte, redete die Geschäftsführung gerne mit Journalisten. Nun gab es auf mehrere Nachfragen in der Firma nicht einmal einen Rückruf.

So bleibt vor allem das an Informationen, was Betriebsrat und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) aus ihren Gesprächen mit der Firmenleitung berichten. Danach behauptet das Management, ein Konzept zu erarbeiten, welches Auskunft über die Zukunft in Lüneburg geben soll. Das solle Ende November vorliegen.

Nach Einschätzung von NGG-Sekretärin Silke Kettner hängen die Schwierigkeiten mit dem zweiten Werk im ostfriesischen Riepe zusammen. Vor zwei Jahren war der chinesische Konzern Pacific Andes bei Pickenpack eingestiegen. Das alte Management um Finnbogi Baldvinsson ging neue Wege und baute mit The Seafood Traders (TST) den Standort Riepe auf – in einem Markt, der schon damals an Überkapazitäten litt. Angeblich, so die Arbeitnehmervertreter, schreiben beide Betriebe rote Zahlen, in Riepe sollen sie allerdings noch schlechter aussehen als an der Ilmenau.

Deshalb hoffen Betriebsrat Wolfgang Ries und die NGG-Vertreter, dass am Ende eine positive Entscheidung für Lüneburg fällt. „Hier ist die Erfahrung wesentlich größer“, sagt Silke Kettner. „Da kommen mehrere Tausend Jahre Betriebszugehörigkeit und damit an Know-how in der Fischverarbeitung zusammen.“ Zudem würde ein Personalabbau teuer werden: „Es ist sinnvoller, mit dem Geld die funktionierende Fabrik wieder flott zu machen.“

Der nächste Termin für die Arbeitnehmervertreter steht: Am 7. November verhandeln sie mit der Geschäftsführung erneut über den Sozialplan.

Marcus BehneMarcus Behne: „Neun Jahre bin ich im Betrieb, ob es weitergeht, weiß ich nicht. Die Versammlung hat nichts gebracht, das stand alles schon in der Zeitung.“

 

 

 

 

frickeDanny Fricke: „Die haben nur um den heißen Brei herumgeredet. Ich hab‘ mit dem Laden abgeschlossen, die machen ihn dicht. Wir werden hingehalten.“

 

 

 

 

marko ernstMarko Ernst: „Die Geschäftsleitung hat uns nichts Neues gesagt, aber die werden uns auch nicht jetzt mitteilen, wenn die den Laden schließen.“

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Lothar Hasenpusch

    Und wo war der für das ausarbeiten eines Zukunftkonzeptes freigestellte (Ex)Geschäftsführer Detlef Knuf. Er hätte ja auch mal was sagen können woran er denn nun arbeitet. Oder arbeitet, oder ist das nur Scheinarbeit?

    • Detlef Knuf war in seiner Zeit als aktiver GF schon nicht in der Lage ein Konzept zu erstellen, um die Konkurrenzsituation mit TST in den Griff zu bekommen. Warum also jetzt im freigestellten Zustand ?