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Der ehemalige Bundesfinanzminister und Ehrenvorsitzende der CSU, Dr. Theo Waigel, warnte in Winsen vor einem Ausstieg Deutschlands aus dem Euro: "Die Folgen wären katastrophal."
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Der ehemalige Bundesfinanzminister und Ehrenvorsitzende der CSU, Dr. Theo Waigel, warnte in Winsen vor einem Ausstieg Deutschlands aus dem Euro: "Die Folgen wären katastrophal." Foto: t&w/nh

„Euro hat wichtigste Probe bestanden“

ks Winsen/Luhe. Die buschigen Augenbrauen sind sein Markenzeichen, dem Euro hat er seinen Namen gegeben. Der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel war prominenter Gast beim 33. Wirtschaftstag der Volksbank Lüneburger Heide mit rund 650 geladenen Gästen am Dienstagabend, 22. Oktober, in der Winsener Stadthalle. Und als einer der Väter des Euro ist Waigel überzeugt: „Die gemeinsame Währung hat ihre wichtigste Bewährungsprobe bestanden.“ Die Krise sei zwar noch nicht durch, aber Europa auf einem guten Weg. Gleichzeitig räumte der Ehrenvorsitzende der CDU ein: „Das sehen nicht alle auf der Welt gleich.“

Vor den Volksbank-Gästen hielt Waigel ein 90-minütiges Plädoyer für die europäische Gemeinschaft und deren Währung. Aber auch Fehler und die Finanzkrise sparte der ehemalige Minister nicht aus. „Wenn der Euroraum auseinanderfällt, oder Deutschland aussteigt, dann hätte das eine ungeheure Aufwertung der reaktivierten D-Mark zur Folge – mit katastrophalen Folgen für unsere Volkswirtschaft, mit katastrophalen Folgen für unseren Export, mit schlimmen Folgen für die Beschäftigung in Deutschland und mit großen volkswirtschaftlichen Schäden“, warnte Waigel. Experten hätten errechnet, dass Deutschland ohne die gemeinsame Währung in den nächsten zwölf Jahren ein jährliches Minus beim Wachstum von 0,5 Prozent hinnehmen müsste. Summiert wären das über 1,3 Billionen Euro.

Waigel erinnerte auch an die Zeit der Kursschwankungen. So geriet 1993 der Franc unter Druck, und die Deutsche Bundesbank musste intervenieren, um die Währung zu stützen: „An einem einzigen Tag 47 Milliarden D-Mark.“ Insgesamt seien es 90 Milliarden geworden. „Darüber haben wir nicht geredet, aber es ist gelungen.“ Für die Franzosen sei es psychologisch wichtig gewesen, dass sie ihre Währung danach nicht mehr gegenüber der D-Mark abwerten mussten. Auch ging der 74-Jährige auf die Krise der vergangenen Jahre ein. Waigel: „Es war keine Währungskrise. Die Krise ist durch die Immobilienpolitik der USA entstanden.“ Es seien Finanzprodukte geschnürt worden, die keiner mehr verstanden habe, und die auch in das Portfolio deutscher Banken gelangt seien. „Das hat zur größten Finanzkrise geführt, die wir seit 1928/29 in Deutschland und Europa hatten.“ Es sei nötig gewesen, einige Banken zu retten. Die Amerikaner hätten am Anfang mit Lehman Brothers eine große Investmentbank pleite gehen lassen. „Das würden sie heute nicht mehr machen“, glaubt Waigel, weil es fast zum Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems geführt habe.

Waigel ist überzeugt, dass die Entscheidungen im Zuge der Finanzkrise „im Großen und Ganzen“ richtig gewesen seien. Doch müsse hinter Fiskalpakt, Schuldenbremse und dauerhaftem Stabilitätsmechanismus stehen, dass jeder Staat seine Schulden zurückfährt und seinen Haushalt ins Gleichgewicht bringt. „Man kann auf die Dauer nicht Schulden mit Schulden bekämpfen.“

An eine gemeinsame Finanzpolitik mit einem europäischen Finanzminister glaubt der Bayer aber nicht. Theo Waigel setzt eher auf eine stärkere einklagbare Vertragsbindung. Europa sei außerhalb der Stammtischparolen viel populärer als man glaube.