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Unternehmensgründung is kein Zuckerschlecken: Das wissen aus Erfahrung Dirk Freise (l.) und Martin Ostermayer, die Gründer des Mobilfunkanbieters Blau.de. Foto: t&w
Unternehmensgründung is kein Zuckerschlecken: Das wissen aus Erfahrung Dirk Freise (l.) und Martin Ostermayer, die Gründer des Mobilfunkanbieters Blau.de. Foto: t&w

Rückschläge als Chance verstehen

mm Lüneburg. Einen Spitzenplatz unter den deutschen Gründerhochschulen hat die Leuphana Universität seit dem vorigen Jahr inne. Bei einer dreitägigen „En­trepreneurship-Konferenz“ an der Hochschule konnten Masterstudenten nun ihren eigenen Geschäftsplan präsentieren und so unternehmerisches Denken im Wettbewerb mit ihren Kommilitonen unter Beweis stellen.

Dass sie über dieses verfügen, davon zeugen die zahlreichen Gründungsvorhaben, eine Jury und das Publikum kürten die besten, sie erhielten ein Preisgeld in Höhe von je 500 Euro. An ihren Geschäftsideen tüftelten die Teilnehmerteams ein ganzes Semester. Für einen Vortrag zum Krisenmanagement in jungen Start-up-Unternehmen kamen am Freitagnachmittag die Gründer des Mobilfunkdiscounters Blau.de an die Uni. Dirk Freise und Martin Ostermayer erläuterten, wie man sein Start-up in die Erfolgsspur führt, Rückschläge als Chance versteht und dass es ein „Predikt zum Scheitern“ sei, wenn Start-ups mit zu vielen Auszeichnungen überhäuft würden.

Die Jury-Auszeichnung erhielt beim Ideenwettbewerb das Projekt „Room-me“ eine Plattform, über die Studenten im Internet WG-Zimmer finden sollen. Davon gibt es ja schon reichlich, man denke nur an das Portal „WG-gesucht“. Das Besondere an „Room-me“ ist aber: Durch eine Matching-Methode könnten Anbieter und Bewerber schon im Voraus schauen, ob WG und potenzieller neuer Mitbewohner zueinander passen. Decken sich Hobbys, gibt es große Altersunterschiede? So könnte eine Vorauswahl an Bewerbern getroffen, der Ansturm bei WG-Castings verringert werden. Die Möglichkeit zu einem Videochat auf der Plattform sollte die Auswahl noch einmal entlasten.

Entlasten möchte die Gewinnergruppe des Publikumspreises den Kühlschrank von unangenehmen Gerüchen. Die Idee hinter „Lichtrein“: eine UV-LED-Lampe, so groß wie ein 10-Euro-Schein und äußerst flach, soll Keime abtöten und für eine gute Hygiene sorgen. Mit einem Sonderpreis geehrt wurde Prozubi, denn das Gründungsvorhaben wird bereits umgesetzt und wurde auch schon bei der Lünale ausgezeichnet. Prozubi ist eine Lernplattform für Auszubildende, soll ihnen per Kurzlernvideos keines ist länger als drei Minuten die Prüfungsvorbereitung erleichtern. „Das Projekt steht schon vor der Marktreife, es werden noch Mitarbeiter gesucht“, sagt Dr. Christian Rudeloff, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professional School der Leuphana.

Vor der Marktreife standen einst auch Dirk Freise und Martin Ostermayer mit ihrem Partner Thorsten Rehling und ihrem Angebot an Prepaidkarten für Mobilfunkgeräte „50 Prozent günstiger als die Konkurrenz“. Die Drei lernten sich während des Studiums im Silicon Valley in Kalifornien kennen. 2005 gründeten sie Blau-Mobilfunk, vetrieben Billig-Prepaidkarten unter Blau.de. Mit Erfolg. Als sie ihre Firma 2008 an die niederländische KPN verkauften, hatte Blau-Mobilfunk über drei Millionen Kunden und einen Umsatz von 230 Millionen Euro. Mittlerweile besitzen die Geschäftsmänner ihre eigene Beteiligungsfirma Shortcut Ventures und geben darüber ihre Erfahrungen an Start-up-Unternehmen weiter. Worauf es im Gründungsprozess ankommt, konnten die Studenten von ihnen lernen. „Ihr habt eine gute Idee, einen Businessplan und genügend Kapital angesammelt“, ruft Dirk Freise den Studenten zu. „Alles ist toll? Nein, ist es nicht.“ Nun beginne erst die Arbeit. „Am Anfang hangelt man sich von Gewinnschwelle zu Gewinnschwelle. Die Krisen kommen.“ Konkurrenz belebe das Geschäft, ein gemeinsames Feindbild unter den Mitarbeitern helfe dem Unternehmen, sich ständig zu verbessern. „Die Paranoia muss beibehalten werden“, betont Freise, zu viele Auszeichnungen seien an diesem Punkt nur kontraproduktiv. Kollege Ostermayer weiß: „Jede Krise ist eine Chance.“ Bei Blau.de hagelte es einmal Abmahnungen des Musikrechteverwerters GEMA für den Vertrieb von Klingeltönen. „Wir standen kurz vor der Insolvenz“, berichtet Ostermayer. Doch dann kam die Erkenntnis. „Die wollten nur einen höheren Anteil am Umsatz, also mussten wir diesen steigern.“ Und wie? Reichweite erhöhen. Blau.de begann, Prepaidkarten über den Einzelhandel zu vertreiben, und nicht nur über das Internet. Das wurde die Grundlage für den Erfolg.