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Schlussstrich nach drei Jahren

kre Rullstorf. Auf einer Betriebsversammlung am Mittwochabend wurden die knapp 70 Beschäftigten der Bäckerei ,,Wiechel — mein Bäcker“ mit der bitteren Wahrheit konfrontiert: Das Unternehmen, das erst vor knapp drei Jahren an den Start gegangen ist, musste am vergangenen Dienstag einen Insolvenzantrag stellen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: ,,Ziel ist es, alle Arbeitsplätze zu erhalten“, berichtet der bisherige Inhaber und Geschäftsführer Thomas Wiechel. Es gebe auch schon konkrete Planungen, zu denen sich der 32-Jährige gestern aber noch nicht öffentlich äußern wollte. Nur soviel: ,,Ab dem 1. Mai wird die Bäckerei neue Gesellschafter und einen neuen Namen haben.“ Etwas verkleinert werden soll das Filialnetz. Statt in 13 sollen künftig nur noch in 11 Außenstellen Backwaren verkauft werden.

Dass die berufliche Zukunft seiner Angestellten gesichert ist, ist Thomas Wiechel wichtig: ,,Ich kann meinen Mitarbeitern nur ein ganz großes Lob aussprechen“, sagt der Rullstorfer: Zwölf Monate lang hätten diese sogar einer Lohnstundung zugestimmt, um den Betrieb am Laufen zu halten.

,,Natürlich schmerzt es mich, dass ich nach nur drei Jahren diesen Schlussstrich ziehen muss“, sagt Thomas Wiechel, der als Sohn eines Bäckers von Kindesbeinen an den Geruch der Backstube schätzen- und lieben gelernt hat. Mit dem Erwerb der Landbäckerei Krischkowski in Rullstorf für einen siebenstelligen Betrag erfüllte sich der junge Unternehmer einen Lebenstraum — auch wenn er im Nachhinein feststellen muss: ,,Da war ich wohl zu euphorisch.“

Schnell sah sich Wiechel mit Kosten konfrontiert, mit denen er in dieser Höhe nicht gerechnet hatte: Nicht nur, dass der strenge und schneereiche Winter 2009/2010 nach Wiechels Worten für Umsatz-Einbußen sorgte. ,,Wir hatten gleich auch noch zwei Wasserrohrbrüche zu verkraften und dann gingen auch noch Maschinen kaputt,“ listet der 32-Jährige die Pannenserie auf. Kurzum: Die Liquiditätsdecke wurde schnell immer dünner, sein Vorhaben, jedes Jahr eine Filiale zu sanieren, kaum noch durchführbar.

Jetzt also werden sich die neuen Gesellschafter dieser Herausforderungen annehmen müssen, doch dabei können sie nach Wiechels Worten auf ein engagierters und hoch motiviertes Mitarbeiterteam bauen: ,,Auch nachdem bekannt geworden war, dass wir Insolvenzantrag gestellt haben, sind alle Beschäftigten zur Arbeit erschienen. Niemand hat sich gedrückt oder krank gemeldet“, lobt Thomas Wiechel den Vertrauensbeweis der Belegschaft. Und auch er selbst wolle im Unternehnen künftig weiterhin tatkräftig mitarbeiten — wenn auch nicht mehr als Firmeninhaber.