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Schwieriger Neuanfang

ca Lüneburg. Ein Ziel ist zwar erreicht, doch De-Vau-Ge-Chef Michael Makowski kann sich nur bedingt darüber freuen: Zwar habe das Unternehmen binnen zwei statt wie geplant in drei Monaten seine Lieferfähigkeit zurückgewonnen. Doch das habe auch daran gelegen, dass der Umsatz im Vergleich zu besseren Zeiten um 40 Prozent eingebrochen sei. Gleichwohl blickt der Manager zuversichtlich in die Zukunft: Es werde wieder aufwärts gehen. Doch der Weg aus dem Tal der Krise dürfte steinig werden. Es gilt, neue Kunden zu finden. Zudem laufen Klagen vor Arbeitsgerichten in Lüneburg und in Sachsen-Anhalt.

Die Familie Makowski hat die beiden Werke in Lüneburg und in Tangermünde in Sachsen-Anhalt für Cerealien, also Frühstücksbegleiter wie Cornflakes, aus der Insolvenz übernommen. Es war die Rückkehr der alten Chefs: Nachdem die De-Vau-Ge in Europa wachsen wollte, aber nicht über genug Eigenkapital verfügte, hatten Michael und Dr. Andreas Makowski vor einigen Jahren Fonds mit ins Boot geholt. Den neuen Eigentümern hatte die Linie nicht gepasst, die Makowskis mussten 2009 in den Hintergrund treten. Doch die neue Führungsebene brachte dem Unternehmen offenbar keinen Erfolg: Obwohl die Belegschaft reduziert und Betriebsteile verkauft wurden, steuerte die De-Vau-Ge, die nun Dailycer hieß, in die Krise. Denn das Unternehmen schob Schulden in dreistelliger Millionenhöhe vor sich her, hatte Schwierigkeiten, Lieferanten pünktlich zu bezahlen.

Anfang vergangenen Jahres wurde die Führungsriege ausgetauscht und nach einer Analyse kam die neue Crew um den damaligen Geschäftsführer Olaf Blank zu dem Schluss, eine vorläufige Insolvenz einzuleiten. In diesem Zusammenhang sollten in Lüneburg rund 120 und in Tangermünde 60 Stellen gestrichen werden. Kurz nachdem die Geschäftsführung diese Entscheidung im Herbst 2012 publik gemacht hatte, wurde bekannt, dass die Makowskis Interesse zeigten, den Betrieb wieder zu übernehmen. In Verhandlungen mit Banken, mit Unterstützung aus der Politik und Gesprächen mit den Landesregierungen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gelang eine Lösung: Mit Hilfe von Landesbürgschaften in Höhe von rund 20 Millionen Euro übernahmen die Makowskis die Standorte an der Lüner Rennbahn und in Tangermünde wieder. Makowski senior hatte damals betont, dass die Familie dabei ihr Vermögen investiere.

Den Neustart hatte sich Michael Makowski einfacher vorgestellt. Er habe nach Gesprächen geglaubt, dass Einzelhandelsketten und Disounter ihre Waren wieder bei der De-Vau-Ge ordern würden. Doch er habe feststellen müssen, dass die mit einem Teil ihrer Bestellung zur Konkurrenz gewechselt seien. Er nennt den Grund: In den vergangenen Jahren hätten die Lüneburger nicht pünktlich liefern können. Da man unter anderem Schwierigkeiten gehabt habe, Lieferanten zu bezahlen, hätten die kein Material gebracht. „Wir können jetzt nur auf die Schiene Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Qualität setzen“, sagt der 74-Jährige. „Ich mache keine Versprechen, die ich nicht halten kann.“ Davon habe er seine alten Partner zwar zu großen Teilen überzeugt. Doch die hätten inzwischen mit Mitbewerbern Verträge geschlossen. So setzt er auch auf neue Kunden im Ausland, die sieht er auch in den USA und Australien. Es dauere, bis der Erfolg eintrete: „Aber wir werden es schaffen.“