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Werk für Super-Akkus startet

tja Geesthacht. Große Feierstunde für Deutschlands modernste Akku-Fabrik in Geesthacht: Mit mehr als 100 Gästen, darunter Bürgermeister Volker Manow und Kreispräsident Meinhard Füllner (CDU) des Kreises Herzogtum Lauenburg, weihten gestern Dr. Detlev Repenning und Ludwig Schletter ihre Fabrik an der Mercatorstraße ein. „Hier wird ein Stück Zukunft geschaffen“, lobte Ingrid Nestle, Staatssekretärin im Kieler Energiewendeministerium. Die Speichertechnologie gilt als Schlüssel bei der Bewältigung der Energiewende.

Investitionen in Höhe von rund 40 Millionen Euro und 400 Arbeitsplätze – das sind die Eckdaten für das Projekt am Stadtrand. Die beiden Unternehmer haben die Vision, leistungsfähige Stromspeicher zu produzieren, um in Betrieben Lastspitzen beim Verbrauch durch eigene Speicher absichern zu können und so teure Zahlungen an die Energieversorger zu umgehen. Hausbesitzer erhalten die Möglichkeit, den tagsüber mit Photovoltaikanlagen erzeugten Strom abends im Dunkeln selbst nutzen zu können. Möglich machen das leistungsstarke Lithium-Ionen-Akkus.

„Eigentlich eine selbstverständliche Sache, doch erst jetzt scheint die Zeit dafür reif zu sein“, sagt Repenning. 2011 war er mit Schletter das Gemeinschaftsunternehmen eingegangen. „Das ging sensationell schnell“, so Schletter, der seinen Mitstreiter als „Profi, der die Technologie richtig gut versteht“ bezeichnet. Kern der Akku-Produktion ist die Oberflächentechnologie, in der Repenning mit seiner Lübecker Firma OMT schon lange aktiv ist.

Was bei „ECC Repenning“ in Geesthacht im Detail passiert, ist ein Geheimnis. Materialien, Zutaten, Mischungsverhältnisse, Produktionsabläufe, Prüfverfahren sollen vor der überwiegend in Asien sitzenden Konkurrenz bewahrt werden. Repenning und Schletter sind in Deutschland die einzigen, die ihre Speicher komplett selbst fertigen. Ein Wissensvorsprung, den sie halten möchten. Herzstück der ECC-Akkus ist eine aufgewickelte, zwischen fünf und zehn Meter lange ultradünne Folie, die mit Lithium-Pulver beschichtet ist. „Man muss sich das so vorstellen, dass das Lithium ganz viele Autos sind. Und dann haben wir noch Graphit mit dabei. Unser Graphit sind die Stellplätze für diese Autos. Und in dem Akku kommt das Ganze dann zusammen wie in einem Parkhaus“, berichtet Jens Giedigkeit, Ingenieur in der Akku-Fabrik. Im Wettbewerb steht ECC mit Konzernen wie Toshiba, Sanyo und Panasonic.

„Wir brauchen sichere Zellen und langzeitstabile Systeme“, gibt Repenning die Richtung vor. Die dezentrale Energiespeicherung bezeichnet er als Lösung für die Energiewende. Repenning: „Wir brauchen keinen großen Netzausbau, um ein paar Lastspitzen abzufangen. Was wir brauchen, sind Speicher, dank derer dann Spitzenverbräuche kurzfristig direkt beim Verbraucher ausgeglichen werden können. Der Speicher für ein Einfamilienhaus ist nicht größer als ein Kühlschrank.“ Mit einer Kapazität von sechs Kilowattstunden (kWh) koste so ein Speicher etwa 7000 Euro.

Aktuell werden in der Akku-Fabrik zehn Megawattstunden (mWh) Speicherleistung produziert, zum Jahresende sollen es 40 mWh sein. Tendenz weiter steigend. Die Firmengründer haben sich deshalb auch das Nachbargrundstück für eine Erweiterung gesichert. „Die Entscheidung, nach Geesthacht zu kommen, war klasse. Für uns als Stadt ein echter Glücksfall“, sagt Bürgermeister Manow.