Donnerstag , 29. September 2016
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Kartoffelpreise auf Rekordhoch

off Walmsburg. Das Preishoch erreicht Arne Schuart Mittwochfrüh per Fax. Knapp 70 Euro, schreibt die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, soll die Dezitonne Annabelle Landwirten an diesem Tag einbringen – so viel, wie er für seine Frühkartoffeln zu diesem Zeitpunkt noch nie bekommen hat. Wenige Wochen, bevor die Haupterntezeit für Kartoffeln in der Region beginnt, ist das Angebot auf dem europäischen Markt knapp und der Preis rekordverdächtig geworden. Ein Hoch, von dem auch Arne Schuart aus Walmsburg profitiert. Zumindest zum Teil.

Als einer der wenigen Landwirte im Kreis Lüneburg hat sich der Walmsburger auf den Anbau von Frühkartoffeln spezialisiert, erntet bereits seit drei Wochen Sorten wie Annabelle, Leyla und Linda. Das Besondere daran: Schuart rodet immer nur so viel Kartoffeln am Tag, wie seine Kunden bestellt haben. „Denn anders als später geerntete Kartoffeln haben diese Knollen kaum Schale und lassen sich nicht monatelang lagern“, erklärt er. Vom Keimen bis zur Ernte werden die frühen Knollen nur mit Samthandschuhen angefasst. Das kostet Zeit, Mühe, Geld. Und bedeutet: Schuart kann auch bei Rekordpreisen nicht alle Kartoffeln auf einmal verkaufen.

Warum die Kartoffelpreise aktuell so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr sind, bringt der Geschäftsführer der Lünekartoffel-Vertriebs GmbH aus Südergellersen, Michael Kleinlein, auf einen kurzen Nenner: „Es gibt momentan einfach wenig Kartoffeln.“ Wegen des langen Winters konnten die Feldfrüchte erst zwei Wochen später als üblich gepflanzt werden. Auch in anderen Anbauländern wie Ägypten, Israel oder Spanien ist die Ernte dieses Jahr knapp ausgefallen. Und die Lager mit Speisekartoffeln aus dem letzten Jahr waren schon Ende Mai so gut wie leer. „Eine Entwicklung, die die Preise in den letzten Wochen immer weiter hat steigen lassen“, so Kleinlein. Nach dem einfachen Prinzip: Angebot und Nachfrage.

Mit bis zu 70 Euro pro Dezitonne Frühkartoffeln sind die Verkaufspreise in den vergangenen Tagen fast doppelt so hoch gewesen wie im Vorjahr (34 bis 38 Euro pro Dezitonne). Das klingt nach einem Geldsegen für alle Frühkartoffelanbauer. „Leider relativieren sich die guten Preise durch die schlechtere Ernte“, sagt Schuart, „außerdem wird das Preishoch wohl nicht von langer Dauer sein.“ Genau wie Lünekartoffel-Experte Kleinlein rechnet auch der Walmsburger damit, dass die Preise in wenigen Wochen wieder auf ein normales Niveau fallen werden. „Spätestens dann, wenn im Spätsommer die Ernte der klassischen Speisekartoffeln beginnt und wieder genug Ware auf dem Markt ist“, prognostiziert Kleinlein.

Noch allerdings sind die Kartoffelpreise auf Rekordhoch – und das bekommt auch der Verbraucher zu spüren. „Wenn Sie morgen auf den Markt gehen, können Sie schnell zwei Euro pro Kilogramm Kartoffeln zahlen“, sagt Kleinlein. Eine Menge, für die man sonst nur rund die Hälfte gezahlt hat. Doch der Lünekartoffel-Geschäftsführer ist sicher: Die Preise werden schon bald wieder fallen. Zur Freude vieler Verbraucher. Und zur Ernüchterung der Kartoffelbauern.