Dienstag , 27. September 2016
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Ungewisse Zukunft

ca/rast Lüneburg. Vor knapp zwei Wochen gab sich Simone Naujoks noch optimistisch gegenüber der Landeszeitung. „Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass die Max-Bahr-Märkte bestehen bleiben“, sagte die Hamburger Sprecherin des Baumarktkonzerns angesichts der Pleite der Konzerntochter Praktiker. Jetzt setzt die PR-Frau wieder auf das Prinzip Hoffnung und wünscht sich, dass ihr Unternehmen eine Zukunft hat. Denn auch Max Bahr musste den Gang zum Insolvenzgericht antreten: „Das kam für uns überraschend.“ Man habe nicht damit gerechnet, dass eine Warenkreditversicherung die Kündigung ausspreche. Nun habe das Unternehmen Zahlungsschwierigkeiten.

Für rund 110 Mitarbeiter in den beiden Lüneburger Märkten am Bilmer Berg und in der Goseburg beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Denn in der Konzernzentrale ist unklar, auf welchen Kurs der Baumarkt-Riese mit seinen bundesweit 132 Standorten und 18 000 Beschäftigten zusteuert. „Wir kennen den vorläufigen Insolvenzverwalter noch nicht“, sagte die PR-Chefin am Nachmittag. Der müsse sich erst einmal einen Überblick verschaffen, um eine Konzeption zu entwickeln und bei der Agentur für Arbeit Insolvenzausfallgeld für die Beschäftigten zu beantragen, um die Bezahlung des Personals sicherzustellen. Die Beihilfe wird maximal drei Monate gewährt.

Eigentlich gehörte Lüneburg zum Zukunfts-Projekt der Baumarktkette, die den Anteil der defizitären Praktiker-Märkte herunterfahren und das Premiumsegment Max Bahr stärken wollte. In der Goseburg wurde der Praktiker- als einer der ersten in einen Max-Bahr-Markt im neuen Outfit verwandelt. Zur Eröffnung im September des vergangenen Jahres nannte das Unternehmen das 4400 Quadratmeter große Geschäft „einen Baumarkt der neuesten Generation“. Nun scheint ungewiss, welche Tiefen und Höhen dieser Generation bevorstehen.

Der Lüneburger Bauträger Rainer Adank hatte den Markt auf dem ehemaligen Keula-Gelände gebaut und plant in der Nachbarschaft das nächste Großprojekt. Anders als viele glauben, hat Adank mit der Max-Bahr-Immobilie nichts mehr zu tun. Er sagte gestern Nachmittag: „Das gehört jetzt alles einem Fonds. Glücklicherweise.“ Für den Bau des zweiten Fachmarktzentrums habe die aktuelle Entwicklung keine Auswirkungen.

Ein Silberstreif am Horizont zeichnet sich für die Auszubildenden der Lüneburger Bahr-Märkte ab. Nicole Sroka, Marketingleiterin der Mölders-Gruppe, kündigt an: „Hagebau bemüht sich, die Auszubildenden, die sich bei uns melden, zu übernehmen, damit sie bei uns ihre Ausbildung beenden können.“ Und auch für verunsicherte Bahr-Kunden hat sie einen Tipp: „In Sachen Herstellergarantien können sie auch in anderen Baumärkten nachfragen.“