Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Sechs Filialen vor dem Aus

ml Lüneburg. Dr. Gerd Haberkamm hat sich geärgert, „maßlos geärgert“. Und zwar über die Sparkasse Lüneburg. Denn die schließt zum 4. Oktober dieses Jahres ihre Filiale in Vögelsen, dann muss der Vögelser seine Überweisungsträger nach Bardowick bringen. Doch die Pläne der Sparkasse reichen weiter. In einem ersten Schritt werden Anfang Oktober auch die Zweigstellen in Embsen und Kirchgellersen dichtgemacht, drei weitere Standorte sollen bis 2016 folgen. Damit schrumpft die Anzahl der Filialen in den kommenden Jahren von derzeit 27 auf 21. Ein Stellenabbau ist damit nicht verbunden, alle derzeit rund 600 Sparkassenmitarbeiter behalten ihren Job.

Hintergrund der Filialschließungen ist laut Sparkassenvorstand Karl Reinhold Mai der schärfer werdende Wettbewerbsdruck. „Mit Blick auf die Internetbanken müssen wir unsere Strukturen immer wieder auf den Prüfstand stellen“, sagt Mai. Zudem haben bei der Neuausrichtung des Filialnetzes laut dem Sparkassenvorstand drei weitere Faktoren eine Rolle gespielt. „Zum einen wollen wir auch weiterhin in der Fläche präsent sein, zum anderen aber in unseren Filialen ein erweitertes Beratungs- und Leistungsangebot vorhalten.“ Dies habe dazu geführt, dass sich die Sparkasse teilweise zwischen verschiedenen Standorten entscheiden musste. Maßgeblich sei dabei als dritter Faktor die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung gewesen.

„Erhalten bleibt aber in jeder Samt- oder Einheitsgemeinde wenigstens eine Filiale, der Standort orientiert sich am Verwaltungssitz der Kommune“, erklärt Mai. So entstehen unter anderem die Filiale Gellersen mit Sitz in Reppenstedt, die Filiale Ilmenau in Melbeck und die Filiale Ostheide in Barendorf. Die Konzentration auf die Standorte mit Verwaltungssitz bei einer angepeilten Mitarbeiterzahl von mindestens fünf bedeutet allerdings auch, dass weitere Filialen weichen müssen. Bis Ende 2016 sollen deshalb die Zweigstellen Neetze und Bockelsberg in Lüneburg geschlossen werden, und auch der Standort Deutsch Evern kommt auf den Prüfstand.

Bereits Anfang Mai hat der Verwaltungsrat der Sparkasse das neue Konzept beschlossen, dem Gremium gehören unter anderem Landrat Manfred Nahrstedt, Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge sowie Abgeordnete aus Kreistag und Stadtrat an. Mitte Juni wurden dann die betroffenen Kunden in einem Schreiben informiert. Doch offenbar nicht jeder. So hat der Vögelser Dr. Gerd Haberkamm „durch Zufall von der Filialschließung erfahren, da ich viele Geschäfte auch über die Sparkasse in Lüneburg abwickle“. Haberkamm macht sich keine Illusionen: „Als Kunden können wir eine Filialschließung nicht verhindern.“ Werde ein Standort jedoch dichtgemacht, „erwarte ich, dass die Grundversorgung sichergestellt wird“, sagt der Vögelser. Und zur Grundversorgung gehört für ihn auch, „dass ich weiterhin einen Überweisungsträger in meinem Wohnort abgeben kann“.

Zwar bleibe Vögelsen als SB-Standort erhalten, „aber für meine Überweisungen möchte ich am Automaten nicht Schlange stehen, und das Online-Banking ist mir zu unsicher“. Auch glaubt Haberkamm, dass viele ältere Kunden mit der neuen Technik nicht zurechtkämen. „Und ihnen kann nicht zugemutet werden, dass sie mit ihren Überweisungsträgern extra nach Bardowick fahren oder diese künftig mit der Post schicken.“ Vielmehr wünscht sich der Vögelser am SB-Standort einen Ein-wurfkasten für Überweisungen, der mindestens zweimal in der Woche geleert wird.