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Plädoyer für Schleuse und Autobahn

dth Lüneburg. Druck auf die Politik ausüben, um den Elbe-Seitenkanal (ESK) bis 2025 mit einer neuen Schleuse bei Scharnebeck für 250 Millionen Euro zu ertüchtigen, das ist ein zentrales Ziel, das die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg verfolgt – jetzt mithilfe einer neuen Studie. Dazu hat im IHK-Auftrag die Hamburger Beraterfirma „Hanseatic Transport Consultancy“ (HTC) das „Transportpotenzial nach Ausbau des Elbe-Seitenkanals“ untersucht. Die Ergebnisse der mehr als 80-seitigen Expertise stellte gestern IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert in Lüneburg vor, zusammen mit HTC-Geschäftsführer Dr. Thomas Rössler. Auch bietet die Studie eine weitere Argumentationshilfe, den Bau der A 39 zu forcieren.

Viele der in der 35 000 Euro teuren Studie genannten Argumente für die Schleuse sind zwar bereits bekannt, nun aber zusätzlich mit Wirtschaftsdaten untermauert und sollen einen weiteren Anreiz für eine regionale Vereinsgründung unter dem Titel „Pro ESK“ geben, die die Lüneburger bei einer Infoveranstaltung zum Thema Binnenschifffahrt für 13 IHKs kommende Woche vorantreiben wollen. Zudem wirft die Studie ein Schlaglicht auf die Erweiterungsmöglichkeiten der Häfen Lüneburg, Uelzen und Wittingen.

Zeinert: „Über 90 Prozent der auf dem ESK transportierten Güter sind reine Durchgangsverkehre, was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass der Gebietsverkehr – also der Verkehr mit Quelle oder Ziel in den Häfen Lüneburg, Uelzen und Wittingen – nachrangig ist. Dennoch haben die drei Häfen für die Region eine hohe Bedeutung, zumal hier hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse umgeschlagen werden.“

Laut Rössler skizziert die HTC-Studie drei Szenarien. Erstens: Wird die neue Schleuse „im schlechtesten Fall“ (Zeinert) nicht gebaut, könnte der Güterumschlag im ESK, vor dem Hintergrund eines steigenden Güterumschlags im Hamburger Hafen, immer noch steigen von derzeit 8,5 auf dann rund 12 Millionen Tonnen pro Jahr. Das zweite Szenario unterstellt einen Schleusenneubau bis 2025 und zudem weitere Verlagerungen des Güterverkehrs auf die Wasserstraße: So könne die Transportmenge im ESK auf 13,5 Millionen Tonnen gesteigert werden. Drittens: Im Idealfall käme zum Bau der Schleuse noch der Bau der A 39 hinzu (Zeinert: „Die Häfen müssen auch erreichbar sein.“) sowie eine Erweiterung der regionalen Häfen selbst: Das könnte zu einer Gesamttransportmenge von rund 16,5 Millionen Tonnen führen, einem Plus von rund 80 Prozent.

Mit Blick auf das dritte Szenario gäbe es laut HTC im Lüneburger Hafen noch 4,6 Hektar Flächenreserven, die an „umschlagsaffine Unternehmen“ schrittweise vermarktet werden sollen. Auch könnten die „bestehenden oder gegebenenfalls zukünftigen Gewerbegebiete Bilmer Berg I bis IV, Theodor-Körner-Kaserne und Flugplatz“ eine wichtige Rolle spielen, um den Hafenstandort zu stärken.

Für den Hafen Uelzen hat HTC, basierend auf der Erwartungshaltung der dort bereits angesiedelten Unternehmen, ein mögliches Plus im Umschlagsvolumen von 60 Prozent ermittelt. Sollte die angedachte Hafen-Erweiterung östlich des ESK mit rund 100 Hektar realisiert werden, könnte der Umschlag sogar um rund 200 Prozent gesteigert werden. Für den kleinsten ESK-Hafen Wittingen wird aufgrund der heutigen Hafenlage eine Steigerung von 20 Prozent des Umschlags prognostiziert.

Zeinert: „Auf den Punkt gebracht: Wenn sich die Transportbedingungen auf dem ESK verbessern, ist mit einer dynamischeren Entwicklung der drei Häfen zu rechnen.“ Und: „Bemerkenswert ist dabei auch, dass der Erfolg der Hafenerweiterungen von den Betreibern auch stets im Zusammenhang mit einer durchgehend ausgebauten A 39 gesehen wird.“