Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Netzwelt | Verbraucherschützer warnen vor Abzocke im Internet und bei Smartphone-Apps

Verbraucherschützer warnen vor Abzocke im Internet und bei Smartphone-Apps

rast Lüneburg. Das Betrugssystem des 28 Jahre alten Lüneburgers war ebenso einfach wie gewinnbringend: Mit Komplizen schaffte er es, Internetsurfer von Downloadportalen, von denen Software kostenlos heruntergeladen werden kann, auf seine eigenen, kostenpflichtigen Programme umzuleiten. Wer dann nicht zahlen wollte, dem wurde mit einem Anwalt gedroht. Die Wirtschaftskammer am Hamburger Landgericht verurteilte den 28-Jährigen im März dieses Jahres zu drei Jahren und neun Monaten Haft, seine Komplizen erhielten Bewährungsstrafen. Mit derartigen Betrugsmaschen wird auch Cornelia von Arnim immer wieder konfrontiert, die Leiterin der Beratungsstelle Lüneburg der Verbraucherzentrale Niedersachsen legt jetzt ihren Jahresbericht für 2011 vor.

Solche Abo-Fallen finden sich laut von Arnim nicht mehr nur am Computer, auch bei den Smartphones gibt es mittlerweile den App-Nepp mit Werbebannern: „Um ans Geld zu kommen, schalten die Firmen Inkassobüros ein, deren Mahnschreiben die Verbraucher unter Druck setzen. Da kann es nur heißen: Nicht bezahlen! Es bleibt abzuwarten, ob die Gesetzesänderung mit der sogenannten Button-Lösung den Abo-Fallen im Internet ein Ende bereitet.“ Diese Button-Regelung gilt seit 1. August: Online-Aufträge können nur noch abgesendet werden, wenn zuvor eine Schaltfläche mit einer Aufschrift wie „zahlungspflichtig bestellen“ angeklickt wird. Fehlt es an der Bestätigung des Kunden, kommt kein Vertrag zustande. Die Neuregelung zur Eindämmung unseriöser Praktiken sieht vor, dass Anbieter Preise, Lieferkosten und Mindestlaufzeiten anzeigen müssen.

Im Internetbereich spielt auch ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von Cornelia von Arnim: „In der Rechtsberatung durch unsere Honoraranwältin ebbte auch 2011 die Abmahnwelle bei Urheberrechtsverletzungen nicht ab. Verbraucher sahen sich mit strafbewehrten Unterlassungserklärungen und Schadensersatzforderungen konfrontiert, weil sie in Tauschbörsen Musik- und Filmdateien heruntergeladen haben sollen.“

Cornelia von Arnim registriert für das Jahr 2011 insgesamt 1750 Verbraucherkontakte, in 968 Fällen gab es intensivere Beratungen. Allein die Bereiche Verbraucherrecht und „Schockrechnungen“ wie eben die für Abo-Fallen machten dabei 48 Prozent der Fälle aus. Die Beraterin sagt: „Bei unzulässigen Werbeanrufen waren die Verbraucher in vielen Fällen sicher, dass sie keinen Vertrag über Gewinnspiele oder Zeitungsabonnements abgeschlossen hatten, trotzdem erhielten sie Auftragsbestätigung und Rechnung. Unsere Musterbriefe halfen bei der Abwehr der Forderungen.“

Bei den Energieversorgungsunternehmen war auch in Lüneburg vor allem das insolvente Unternehmen TelDaFax Thema: „Viele Kunden erhielten eine Abrechnung ihres Gas- oder Stromverbrauchs mit der Aufforderung, den geschuldeten Betrag zu zahlen. Bestand für den Verbraucher aber noch ein Guthaben, etwa wegen eines Bonus, sollte dieses dagegen im Insolvenzverfahren angemeldet werden. Eine Aufrechnung beider Forderungen ließ der Insolvenzverwalter nicht zu.“

Auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten gab es Beratungen, vor allem Fragen zu Versicherungen: „Junge Besucher wollten etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, und mithilfe unseres Computerprogramms konnte bei der konkreten Auswahl geholfen werden.“ Häufig hatten Verbraucher auch Fragen zu ihrer Krankenversicherung. „Und bei den Riester-Beratungen ging es selten um den Abschluss neuer Verträge, vielmehr waren Verbraucher durch Medienberichte verunsichert, wollten wissen, ob es sich lohnt, ihren bestehenden Riester-Vertrag weiter zu besparen.“

Die Öffnungszeiten der Verbraucherberatung in der Wallstraße 4: montags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr, donnerstags und freitags von 10 bis 13 Uhr sowie mittwochs nach Vereinbarung. Die Terminvergaben für Beratungen erfolgen donnerstags und freitags zwischen 9 und 10 Uhr unter Tel.: 4 49 57 oder unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/lueneburg im Internet.