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Gemeinheiten der Maschine

ahe Lüneburg. Die Zeit, in der ein Computer eine seelenlose Maschine war, ist längst vorbei. Heute kann der PC – vor allem im Zusammenspiel mit seinem besten Kumpel, dem Internet – richtig gemein sein. Am deutlichsten zeigt sich dieses fiese Wesen bei der Autovervollständigung der Suchmaschine Google. Wer einen Namen eingibt, erhält gleich ein paar Vorschläge, die dazu angeblich passen sollen. Wie schmerzlich eine solche Verbindung sein kann, musste zuletzt die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten erfahren. Bettina Wulff wurde durch Google zur „Prostituierten“, die sie nie war. Kein Einzelfall: Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm muss sich vom Internet unfreiwillig und unabhängig vom Wahrheitsgehalt als „schwul“ outen lassen. Auch einige Persönlichkeiten aus Stadt und Landkreis Lüneburg brauchen ein dickes Fell, um die Gemeinheiten des Computers zu ertragen.

Als sie noch keinen Doppelnamen hatte, war sie Heidekönigin in Amelinghausen, später erlangte sie erst als Party-Luder, Prominenten-Gespielin, Gelegenheits-Filmschauspielerin und -Moderatorin bundesweite Bekanntheit. Wer heute den Namen Jenny Elvers-Elbertzhagen bei Google eingibt, erhält als Vorschlag neben „Schmuck“ auch „zugenommen“ – ein Gentleman würde einer Frau das nie ins Gesicht sagen. Die ersten vorgeschlagenen Internetseiten sind ebenfalls wenig schmeichelhaft, sie verweisen überwiegend auf den jüngsten peinlichen, weil Alkohol geschwängerten Auftritt der 40-Jährigen im NDR-Studio.

Gar übel meint es die Suchmaschine mit dem Vize-Präsidenten der Lüneburger Universität, schlägt sie doch beim Namen Holm Keller als beliebte Suchergänzung „Korruption“ vor, während sein Chef Sascha Spoun mit Verknüpfungen wie „erfolgreich studieren“ in einem ungleich besseren Licht erstrahlt.

Auch der niedersächsische Kultusminister dürfte sich wünschen, dass Google bei seinem Namen andere Vorschläge macht. Wer Bernd Althusmann eingibt, dem wird „Dissertation“ vorgeschlagen. Bekanntlich musste der Heiligenthaler um seinen Doktortitel und seinen Ruf kämpfen, nachdem gegen ihn Plagiats-Vorwürfe laut geworden waren. Mit gehörigem Bauchgrummeln wischte die Uni Potsdam die zwar vom Tisch, doch im Netz hängt ihm dieser Makel nun weiter an.

Andere Lüneburger Lokalpolitiker sind für Google noch weitgehend unbescholten. Zu Manfred Nahrstedt gibt es die unverfänglichen Vorschläge „Landrat“, „Lüneburg“ und „Oldendorf“. Wer mehr über die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers wissen will, erhält – wenig überraschend – „SPD“, „Lüneburg“ und die Kombination „SPD Lüneburg“ als Vorschläge. Zu ihrer Kollegin Miriam Staudte fällt der Suchmaschine mit „Grüne“ lediglich ein Vorschlag ein. Überhaupt bringt sie es mit knapp 70 000 Seitentreffern auf nicht annähernd so viele wie ihre SPD-Kollegin (230 000) – auch Eintönigkeit und Bedeutungslosigkeit kann schmerzhaft sein.

Lüneburgs Oberbürgermeister ist für Google ein Autonomer, denn wer den Namen Ulrich Mädge eingibt, erhält gleich nach „Lüneburg“ als Vorschläge „will Lüneburg vom Landkreis abkoppeln“ und „mein Modell ist das beste“ – in beiden Fällen geht’s um Mädges Pläne, die Hansestadt zur kreisfreien Stadt zu machen.

Überhaupt, Lüneburg, wer den Namen eingibt, bekommt als Vorschläge „Heide“, „Uni“ und „Lüneburger Zeitung“ – und bei letzterem natürlich zuallererst die LZ. Zumindest damit hat Google unbestritten einen Volltreffer gelandet . . .