Dienstag , 27. September 2016
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Nie mehr Internet im Schneckentempo

lkö Lüneburg. Es scheint das neue Grundbedürfnis einer ganzen Generation zu sein: schnelles Internet. Immer und überall online sein, Fotos auf Facebook hochladen, E-Mails lesen, schnell was twittern. Doch das Volumen der Mobilfunkverträge, die Smartphone- und Tabletnutzer häufig haben, ist oft beschränkt. Ist es erschöpft, wird das Internet gedrosselt, beginnt das Fluchen, weil die gewünschte Seite erst nach Minuten lädt. Ein freies WLAN-Netz würde Abhilfe schaffen. In vielen Ländern ist das längst üblich. In Deutschland ist fast jedes Netzwerk verschlüsselt. Ändern wollen das die Freifunker. In Städten wie Hamburg oder Lübeck sind sie aktiv, und jetzt soll auch Lüneburg ein freies WLAN-Netz bekommen. Ob auf dem Platz Am Sande, in einem Café am Stint – jeder soll bald überall und jederzeit Zugang zum Internet bekommen, ohne Kennwort-Schranke.

„Gerade für Touristen die nach Lüneburg kommen, wäre das Freifunk-Netz gut. So müssten sie keine hohen Roaminggebühren zahlen“, erklärt Claas Heinrich. Der Informatiker hatte die Idee, das Netz in Lüneburg einzurichten. Um es zu spannen, bedarf es besonderer Geräte: „Unsere Router verfügen über zwei Netzwerke: ein privates und ein Freifunk-Netzwerk“, erklärt Hauke Winkler von den Freifunkern Lüneburg. Zudem seien es sogenannte Mesh-Router, die sich untereinander verbinden und auch ohne Internet untereinander Daten austauschen können. Ziel sei es, dass so viele Lüneburger wie möglich einen Freifunk-Router in ihrer Wohnung oder ihrem Geschäft aufstellen, um eine bestmögliche WLAN-Abdeckung zu bekommen.

Klingt einfach, wäre da nicht die Frage der Haftung. Zuletzt kam es immer öfter vor, dass Internetnutzer, die ihre Netzwerke offen für andere hielten, hohe Strafen zahlen mussten, weil Mitnutzer zum Beispiel illegal Musik aus dem Netz heruntergeladen hatten. Beim Freifunk-Netz sei die Situation eine andere, erklärt Winkler. „Die Verbindung sendet die Daten verschlüsselt nach Schweden, dort existiert die Störerhaftung nicht.“ Bedeutet: Niemand muss fürchten, für illegale Aktivitäten anderer zur Rechenschaft gezogen zu werden. Winkler sieht noch „einen netten Nebeneffekt: Über das Freifunk-Netz kann man auch durch die GEMA gesperrte Videos ansehen, weil die schwedischen Rechte gelten.“

Die Initiative will mit ihrem Netz auch mehr Unabhängigkeit erreichen. „Google weiß immer, wo du dich gerade aufhältst, ob zu Hause oder unterwegs. Bei Freifunk bist du für Google immer in Schweden“, sagt Winkler, der in Hamburg Philosophie studiert, wenn er nicht gerade für ein freies Internet kämpft.

Zwei Router stehen schon in Lüneburg, einer bei Claas Heinrich und einer bei Hauke Winkler zu Hause. Es sollen viel mehr werden. Die für die Internet-Revolution in Lüneburg erforderlichen Router mit der entsprechenden Software gibt es bei den Freifunkern, für 20 bis 30 Euro pro Exemplar kann jeder ein Stück dazu beitragen.

Das nächste offene Treffen der Gruppe findet am Mittwoch, 10. Juli, 19.30 Uhr, im Lokal Pons am Stint statt. Kontakt zu den Freifunkern gibt es per E-Mail an die Adresse claas.heinrich@gmail.de oder unter Tel.: (0171) 6 35 92 84.