Aktuell
Home | Sonderthemen | Adventszeit | Windgepeitschter Christmarkt
Wohlschmeckende Dinkel-Röstis boten Joris und Josie Goldenbaum an ihrem Stand vor der Michaeliskirche an. Ihre Müh wurde belohnt, das Geschäft läuft gut, freute sich die 15-Jährige. Foto: t&w
Wohlschmeckende Dinkel-Röstis boten Joris und Josie Goldenbaum an ihrem Stand vor der Michaeliskirche an. Ihre Müh wurde belohnt, das Geschäft läuft gut, freute sich die 15-Jährige. Foto: t&w

Windgepeitschter Christmarkt

us Lüneburg. Heftig schlagen die dunkelbraunen Stoffplanen gegen die Holzgestelle der kleinen Marktstände, die den kräftigen Windböen, die an diesem Wochenende über Lüneburg hinwegzogen, trotzig die Stirn bieten. „Das hält“, sagt Imke Günzel so überzeugend, dass unsere Zweifel an der Standfestigkeit der vielen kleinen Stände dann doch wieder verfliegen. Die Korbflechterin ist eine der vielen Marktbeschicker, die dem Ruf des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA) auch in diesem Jahr wieder gefolgt sind und ihre Waren auf dem mittelalterlichen Christmarkt rund um St. Michaelis anbieten.

„Heute Morgen, da hatte es aber doch einen Stand erwischt“, ergänzt die Lüneburgerin, während sie unbeirrt weiter an ihrem Meisenknödel-Halter arbeitet und konzentriert die Weidenzweige übereinander legt. Zum zweiten Mal ist sie beim Christmarkt dabei, dem vom ALA nachempfundenen Markttreiben aus der Zeit der Renaissance, einer Zeit, in der Lüneburg noch in voller Blüte stand und sein bis heute prägendes Gesicht erhielt.

Wenige Meter weiter hat Karin Daniel ihren Stand. Mit ihrer dunkelbraunen Kopfbedeckung ist sie hinter den wild im Wind tanzenden Strohsternen kaum auszumachen. „Von Beginn an, bestimmt seit 25 Jahren“ sei sie dabei, rechnet sie nach, lange genug, um auf eine stattliche Stammkundschaft auf dem Christmarkt stolz sein zu dürfen. „Viele kommen jedes Jahr vorbei, berichtet die Stern-Künstlerin, die im Nebenberuf Krankenpflegerin in Kirchgellersen ist. Sorge, ihre fragilen Kunstwerke könnten durch den Wind leiden, hat sie nicht, „die halten viel aus.“ Viel mehr Bedenken hatte sie wenige Tage vor diesem Wochenende. „Da waren hier noch Pflasterarbeiten zugange, hätte nicht gedacht, dass die Stadt damit rechtzeitig fertig wird.“ Wurde sie zum Glück dann aber doch.

Der Wind treibt uns weiter, wir folgen einem abgebrochenen Zweig, der seinen Weg zwischen den vielen Tausend Füßen und Beinen sucht und ebenso wie wir nach einem stilleren Ort Ausschau hält. Den finden wir in der Unterkirche von St. Michaelis, in die wir durch die kleine Tür nahe der Apsis gelangen. Ein paar Stufen weiter oben hat sich das Hauptschiff in einen Ort des Handels verwandelt, hier werden wieder handgefertigte Stickerein und Leinentücher angeboten. Viele kommen aber auch, um sich für ein paar Minuten von der besonderen Atmosphäre, die an diesen beiden Tagen die Kirche bietet, einfangen zu lassen.

Als wir wieder nach draußen treten, hat bereits die Dämmerung eingesetzt. Mit den vielen Kerzen und Lichtern, die jetzt warm und gemütlich in den Ständen leuchten, sind es wohl die schönsten Stunden des Christmarkts. Viele Besucher scheinen sie ebenso zu schätzen, immer mehr schieben sich zwischen den Buden und Rauchfahnen der Bratwust- und Glühweinstände hindurch. Und dann tauchen auch wir wieder ein und genießen den Rest dieses wohlig-stürmischen Christmarkts.