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Die Ernte-Saison für Grünkohl hat begonnen. Hier Gemüsebauer Oliver Gade aus Bardowick . Foto: t&w
Die Ernte-Saison für Grünkohl hat begonnen. Hier Gemüsebauer Oliver Gade aus Bardowick . Foto: t&w

Appetit auf Grünkohl steigt mit Frost

pet Bardowick. 12, 13 Grad Celsius mitten im November? Gemüsebauer Oliver Gade aus Bardowick ist das viel zu warm. „Richtig gut essen die Leute erst Grünkohl, wenn die Temperaturen gegen den Gefrierpunkt gehen“, weiß der 49-Jährige aus langer Erfahrung. Seit Anfang Oktober ernten Gade und seine Mitarbeiter auf den Feldern das beeindruckende grüne Gemüse aus der Familie der Kreuzblütengewächse, das bis zu einem Meter hoch wächst.

Gade besitzt einen von etwa einem Dutzend Betrieben in Bardowick, die Grünkohl anbauen — einen Hof, der mit einer 300-jährigen Geschichte wohl auch einer der ältesten im Flecken ist. Im Sommer werden die zarten Grünkohlpflanzen gepflanzt, die müssen dann gut gepflegt, gewässert, mit Nährstoffen versorgt und gehackt werden. „Grünkohl ist eine sehr personalintensive Frucht“, weiß Oliver Gade, der sein Gemüse größtenteils über den Großhandel verkauft, dessen Grünkohl aber in der Region auch in verschiedenen Geschäften zu haben ist.

„Als es den Buß- und Bettag noch als richtigen Feiertag gab, war der für und immer ganz wichtig“, erinnert sich Oliver Gade. „Da war bei der Grünkohlernte die Hölle los, wir haben bis in die Nacht hinein gearbeitet. Manchmal wurden allein in diesen Tagen die Felder zu einem Drittel abgeerntet.“ Der Buß- und Bettag ist jetzt schon seit langem ein normaler Arbeitstag, und so hoffen Gade und seine Kollegen eben auf kältere Tage.

Winnetou, Rex und Winterbor sind die Grünkohlsorten, die Oliver Gade auf seinen Feldern auf sechs Hektar anbaut — gemeinsam haben die Sorten, wie alle modernen Sorten, dass sie keinen Frost mehr brauchen, um lecker zu schmecken. „Das mit dem Frost ist eine alte Geschichte, das trifft schon lange nicht mehr zu“, so Gade. Ältere Sorten, die von Natur aus bitterer waren als die heutigen, brauchten noch eine ordentliche Portion Kälte, weil dann Stärke in Zucker umgewandelt und Bitterstoffe abgebaut wurden. Gade: „Die heutigen Sorten sind lieblicher.“
Geblieben sei aber das Gefühl vieler Menschen, dass „man“ Grünkohl erst isst, wenn es kalt ist. Gade: „Das ist so, wie mit Lebkuchen. Die werden erst in der Zeit vor Weihnachten gegessen, obwohl sie doch auch im Sommer schmecken.

Klar, dass bei Familie Gade regelmäßig Grünkohl auf den Tisch kommt, auch jetzt schon. Meistens „klassisch“, mit Röstkartoffeln und Brägenwurst oder auch Kassler. Anlässlich seines letzten Geburtstags hatte sich Ehefrau Frauke aber etwas ganz besonderes ausgedacht — ein Grünkohlbüfett mit Grünkohl-Quiche, Grünkohl-Moussaka und Grünkohl mit Pasta. „Lecker“, schwärmt Oliver Gade, „das ist bei allen Gästen gut angekommen.“

Der Anbau von Grünkohl ist eine harte Arbeit, „aber ich habe Lust darauf, mir macht das Spaß. Und ich bin auch gern bei Regen, Schnee und Kälte draußen“, sagt Oliver Gade. Nur etwas kälter könnte es eben sein, aber da macht die Prognose ihm Hoffnung: In der kommenden Woche soll es mit den Temperaturen leicht bergab gehen, für die Woche darauf werden Frost für die Nacht und am Tage Temperaraturen leicht über dem Gefrierpunkt vorausgesagt.

Die Antwort auf die Frage, was ihm am Grünkohl gefällt, fällt Oliver Gade leicht: „Ich liebe einfach den Geschmack.“ Das tun viele andere Menschen auch, sie schätzen das grüne Gemüse aber auch noch aus einem anderen Grund, denn Grünkohl gilt als sehr gesundes Gemüse mit einer ganz besonderen Nährstoffzusammensetzung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen, Aminosäuren und mehr. Kein Wunder, dass Grünkohl so auch als „Smoothie“ immer mehr Anhänger findet.