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Family Business
"Alle helfen mit. Sonst würde es nicht gehen!"
Peter Novotny ist schon länger „infiziert“, vor zwei Jahren hat sich auch sein Sohn André den „Ukraine-Virus“ eingefangen. Vater und Sohn hatten eine Hilfslieferung nach Bila Zerkwa gebracht, wo die Lüneburger Familie Krankenhäuser und das Auffanglager „Slagoda“ für Straßenkinder unterstützt und mit Materialien beliefert. Als Dank wurde Peter Novotny, unter großer Präsenz der politischen Prominenz, zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. In seiner Rede erzählte der frisch Gekürte, dass sein Sohn sich mit dem „Ukraine-Virus“ infiziert habe. „Nachdem meine Worte übersetzt worden waren, schauten sich die Menschen erschrocken an. Es herrschte betroffene Stille“, erinnert sich der Scharnebecker und lächelt verschmitzt. Denn mit dem „Virus“ ist natürlich eine große Liebe zu dem osteuropäischen Land gemeint. „Ich liebe die Weite des Landes und bin beeindruckt von der Gastfreundschaft der Menschen, obwohl es ihnen wirklich schlecht geht“, schildert André Novotny. Seitdem unterstützt er seine Eltern aktiv und regte vor zwei Jahren den Aufbau einer Knochenmarkspender-Datei für die Region Kiew an. Sein Vater nahm sofort Kontakt zum ukrainischen Gesundheitsminister auf, sicherte sich dessen Unterstützung für das ambitionierte Projekt. Auch das deutsche Umweltministerium signalisierte Unterstützung, aber die bürokratischen Mühlen mahlen bekanntlich langsam. „Es geht voran“, zeigen sich die Novotnys optimistisch. Ihre zahlreichen Hilfsprojekte können nur funktionieren, weil sie alle hinter der Idee der Stiftung Hof Schlüter stehen. „Das ist Familienarbeit. Alle machen mit, sonst ginge es nicht“, stellen Peter Novotny und seine Frau Helga fest. Sie ist für die Sammelstellen auf dem Hof in Hagen verantwortlich, sortiert die Kleider, die in großen Mengen gebracht werden. Neun Vierzigtonner machen sich jährlich auf die weite Reise Richtung Kiew: Neben Kleidung gehören Haushaltsgeräte, Rollstühle, Fahrräder, Krankenhausbetten und vieles mehr zur Ladung. „Ich weiß jetzt, dass 300 Matratzen in einen 7,5-Tonner passen“, erzählt Peter Novotny und lacht. Er selbst hat die Matratzen in einer Non-Stop-Fahrt von über 30 Stunden in die Ukraine gefahren. Einmal jährlich fliegt das Ehepaar „zur Kontrolle“ in die Ukraine. „Um zu sehen, dass auch alle Hilfsgüter dort landen, wofür sie bestimmt sind“, erklärt Helga Novotny.
Neben Schulen, Sportvereinen und Kirchen unterstützt die Stiftung auch die Jugendbildungsstätte Neetze als eines der zahlreichen Projekte hier in der Region. „Allein in Lüneburg haben wir über 30 Projekte unterstützt“, schildert Peter Novotny. 40 Jahre lang war er als Planungsingenieur beim Straßenbauamt der Stadt Lüneburg beschäftigt, lernte währenddessen Wilhelm Schlüter, einen Landwirt mit großem Besitz in Hagen, kennen. „Ich war dabei, die Ostumgehung zu vermessen. Da kam Wilhelm Schlüter auf mich zugestürmt, in der Hand einen Knüppel“, erinnert sich der ehemalige Ingenieur. Die Familien lernten sich kennen, 1997 wurde Novotny Testamentsvollstrecker der Schlüters. Im Testament des kinderlosen Ehepaares war verankert: Das Erbe sollte der Jugendarbeit zugute kommen. Dieses Erbe machten sich Peter und André Novotny, der übrigens wie sein Vater Ingenieur ist, zur Herzenssache. Auf Schlüters Land, das insgesamt 22 Hektar umfasst, entstand der neue Ortsteil Bilmer Berg. „Aus der Erbpacht finanzieren wir unsere Projekte“, erläutert Novotny. Während er und seine Frau Helga in Scharnebeck leben, wohnt Sohn André mit Frau Petra und den vier Kindern auf der ehemals Schlüterschen Hofstelle. Petra Novotny übernimmt, sobald sie die Zeit dafür findet, den Telefondienst. Und Frederik (15) hat bereits angekündigt, „in ein paar Jahren mit in die Ukraine zu fahren“. Vielleicht wird dann auch er infiziert: Die Familienarbeit Marke Novotny wird noch lange fortbestehen – zur Freude aller, die davon profitieren.
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